Neu in meinen Lieblingsanime: Hakuouki Shinsengumi Kitan

„Neu“ trifft es eigentlich nicht mehr so ganz, denn gesehen habe ich diesen Anime vor einigen Jahren schon und war davon so begeistert, dass ich eine ganze Staffel davon in einer Nacht angesehen habe. Allerdings bin ich nie dazu gekommen, einen Artikel darüber zu machen. Vor einiger Zeit erschien jedoch eine VN aus dem Franchise auf einem endlich mal mir zugänglichen System, und das habe ich dann als Anlass genommen, diesen Artikel endlich zu beenden. Somit möchte ich euch in diesem Artikel Hakuouki vorstellen, euch erklären was ich so daran mag und vielleicht auch ein wenig Bock darauf machen.

Dieser Artikel hat eine lange Vorgeschichte. Wie erwähnt, ist es schon ein Weilchen her, dass ich die Serie geschaut habe. Das war in einer Zeit, in der ich sehr viele Samurai-Serien geschaut habe und ich wollte auch eigentlich direkt einen Artikel machen, in dem ich die Serien miteinander vergleiche. Allerdings wurden es dann immer mehr und mehr Serien und der Artikel wurde irgendwann einfach zu umfangreich, um ihn jemals umzusetzen. Letztes Jahr erschien jedoch die Visual Novel Hakuouki: Kyoto Winds im Westen, welche ich aktuell spiele und die hat bei mir einen zweiten Hype für das Franchise ausgelöst.

Von all den Samurai-Anime, die ich geschaut habe, war Hakuouki derjenige, der mir am besten gefallen hat und bis jetzt auch am meisten gefällt. Die Serie gefiel mir so sehr, dass ich sie in meine Top 10 Anime aufnehmen möchte – auf welchem Platz, verrate ich euch am Ende des Artikels. Jetzt möchte ich euch aber erst mal erklären, warum ich das Franchise so sehr mag, wie die einzelnen Serien, Filme und Visual Novels zusammenhängen und im Falle dass ich damit euer Interesse geweckt habe, welche „Version“ der Geschichte ihr euch am besten geben solltet – denn das Franchise besteht aus zahlreichen Serien, Filmen und VNs und da durchzusehen ist gar nicht so einfach.

Gönnt euch erst einmal das Opening zur Einstimmung.
Und wenn ihr fertig seid, könnt ihr während des Lesens des Artikels
den Theme Songs der Filme im Hintergrund lauschen.

Hakuouki beginnt damit, wie die Protagonistin Chizuru Yukimura auf der Suche nach ihrem Vater in Kyoto von Monstern angegriffen wird, die nach außen hin menschlich aussehen, jedoch durch nichts anderes als Blutdurst getrieben werden. Sie wird gerettet von den Mitgliedern der Shinsengumi, allerdings sind die auch nicht gerade die freundlichsten Gesellen und entführen sie auf ihr Hauptquartier, wo sie beraten, was sie mit ihr anstellen und ob sie sie nicht doch einfach umbringen sollten, weil sie zu viel gesehen hat. Sie zieht jedoch ihren Kopf aus der Schlinge, indem sie ihnen ihre Hilfe anbietet, denn die Shinsengumi sind – aus Gründen, die ihr noch nicht klar sind – ebenfalls auf der Suche nach ihrem Vater.

Um diese Shinsengumi rankt sich die Haupthandlung der Serie. Chizuru begleitet die verschiedenen Mitglieder auf ihre Missionen, hilft ihnen hier und da ein wenig aus, indem sie kleine Aufträge erledigt, sich um die verletzten kümmert oder einfach moralischen Beistand leistet, und kommt ihnen dadurch langsam näher. Sie lernt dabei aber auch die dunkle Seite der Shinsengumi kennen, trifft auf einige Gefahren und erfährt, was es mit den blutrünstigen Monstern auf sich hat und wie die Shinsengumi, ihr Vater und sie selbst mit all diesen Dingen in Verbindung steht.

Und ich muss sagen, diese Charaktere sind mir wirklich verdammt ans Herz gewachsen. Wenn ich eine Samurai-Serie schaue, dann möchte ich vor allem zwei Dinge sehen: 1. Richtig coole, männliche Charaktere und 2. Epische Schwertkämpfe! Und ich habe einige Samurai-Serien gesehen, aber in keinen fand ich die Charaktere so gut wie in Hakuouki. Die VN hat sie an einer Stelle wie ich finde sehr passend beschrieben:

Das großartige an den Shinsengumi ist, dass sie ohne zu zögern andere für ihre Ziele töten können. Sie sind aber auch nicht einfach nur schlechte Menschen, die Spaß daran hätten, eine unschuldige Frau zu töten. Sie haben beide Seiten und bei jedem der Mitglieder äußert sich dies auf eine etwas andere Weise. Es gibt Mitglieder wie Heisuke oder Shinpachi, die unschuldiger wirken als die anderen und dann aber auch solche wie Sanan oder Okita, bei denen es in die andere Richtung ausschlägt. Dadurch wirken die Charaktere einfach sehr individuell und glaubhaft und es wirkt nicht einfach unnötig edgy. Die ausgesprochen gefühlvolle Sprachausgabe tut ihr übriges.

Eine weitere Sache, die mir sehr gefallen hat, ist dass die Charaktere zwar sichtbar gute Schwertkämpfer sind, aber auch keine unbesiegbaren Übermenschen. Wenn sie im Kampf verletzt werden, dann verheilt die Wunde nicht einfach offscreen zwischen den Folgen, sondern der Charakter muss sich dann auch für ein paar Folgen auskurieren oder ist vielleicht sogar ganz aus dem Rennen. Allerdings darf natürlich auch jeder Charakter seine Momente haben und zeigen, wie awesome er eigentlich ist. Die Mains haben einfach keine Plotarmor und dadurch wirkt jeder Kampf wirklich ernst und gefährlich, selbst wenn sie gerade nur gegen Randoms kämpfen. Oh, und wie ernst die Serie später noch wird… dazu will ich aber nicht allzu viel verraten.

Das mag zu einem Teil daran liegen, dass die Shinsengumi ja historische Persönlichkeiten sind, die wirklich mal gelebt haben und die Serie hält sich auch größtenteils an die wichtigsten Lebensdaten und historischen Ereignisse – ich empfehle euch deshalb, euch nicht vorher über den historischen Hintergrund zu informieren, da es euch einige Stellen der Handlung spoilen würde. Die Entwickler hatten somit den groben Verlauf schon vorgegeben und konnten sich daher ganz darauf konzentrieren, wie sie den am coolsten bearbeiten und umsetzen. Und deshalb dürfen in der Geschichte auch einfach mal Dinge passieren, die man sonst nie in Anime sehen darf, einfach, weil das historische Begebenheiten sind.

Allerdings dürfte wohl auch jedem klar sein, dass die echten Shinsengumi nicht gegen Onis und Vampire gekämpft haben. Die Protagonistin ist ja auch ein fiktiver Charakter und ich finde es sehr clever, wie sie sie mit den fiktiven Elementen der Handlung verbunden haben. Sie ist halt nicht einfach nur das Self-Insert-Mädchen, sondern hat ihre eigenen Ziele und Persönlichkeit und greift auch immer wieder mal in das Geschehen ein (auch, wenn sie darin den Samurai trotz allem hintenansteht). Insbesondere im Anime haben sie sie wirklich gut eingesetzt, in der VN sieht man Chizuru ja nur in speziellen Artworks, da man das aus ihrer Sicht spielt, aber der Anime profitiert von dem regen Gebrauch an Gestik und Mimik Chizurus und damit hat der Anime gleich noch einen zusätzlichen Anreiz.

Ich glaube, das ist die passende Stelle, um euch den Aufbau von Hakuouki zu erklären und welche der zig Versionen die Richtige für euch ist. Wenn ihr nämlich danach sucht, dann wird euch auffallen, dass es unfassbar viele Staffeln und Versionen davon gibt. Im Ursprung ist Hakuouki eine Visual Novel gewesen, die 2008 für PS2 erschienen ist. Die hatte wohl ungemeinen Erfolg, denn sie wurde seitdem unzählige Male geremaked oder portiert und immer wieder mal mit speziellem Bonus-Content wie neuen Charakteren oder Szenen versehen.

2010 lief dann der Anime, welcher im Split-Cours lief in der Frühlings- und Herbstsaison. Damals waren Split-Cours noch nicht so verbreitet wie heute, deswegen findet man die Serie manchmal entweder als eine Staffel unter dem Namen „Hakuouki: Shinsengumi Kitan“ und woanders als zwei separate Staffeln. Ich finde es sinnvoller, die zwei Staffeln zusammenzufassen, da sie eine gemeinsame Geschichte erzählen, aber wo die Staffeln getrennt sind, findet ihr die zweite unter dem Namen „Hekketsuroku“.

Der Schnittpunkt zwischen den beiden Staffeln stellt aber auch eine wichtige Zäsur in der Handlung dar. Die erste Hälfte stellt die Handlung während ihres Aufenthalts in Kyoto dar. In dieser Zeit geht es hauptsächlich darum, die Charaktere und die Gegner einzuführen und die Handlung mit den Oni und Vampiren ins Rollen zu bringen. Die Handlung von Hakuouki braucht ein wenig, bis sie an Fahrt aufnimmt, aber trotzdem empfand ich die erste Staffel alles andere als langweilig.

Am Ende der ersten Hälfte/Staffel bricht jedoch ein Krieg aus und ab da fängt die Serie an, jede Folge einfach nur noch unfassbar Hype zu sein. Die Gegner rücken mit modernen Schusswaffen an und drängen die Shinsengumi nach Edo zurück, wo sie einsehen müssen, dass die Zeiten, in der Schlachten mit Schwertern und Speeren entschieden wurden, vorbei sind. Da setzt die zweite Hälfte/Staffel an, das neue, verdammt coole Opening hyped einen schon zu Beginn jeder Folge und alle Charaktere dürfen auch neue Outfits tragen, in denen sie einfach zehnmal cooler aussehen als ohnehin schon. Die Serie vermittelt einen richtig, dass es jetzt richtig abgeht und dann ziehen sie auch jede Folge so unfassbar coolen shit ab… in dieser Hälfte blüht die Serie richtig auf. Wie ich schon sagte, habe ich das in einer Nacht durchgeschaut.

Dann gibt es aber noch zwei Staffeln, nämlich „Reimeiroku“ und „Sekkaroku“, die beide Inhalte aus dem Bonusmaterial animieren (glaube ich, so ganz weiß ich das auch nicht). Reimeiroku ist ein Prequel, das zeigt was die Shinsengumi getan haben, bevor Chizuru bei ihnen eintrifft, und Sekkaroku zeigt ein paar zusätzliche Szenen innerhalb der ersten Staffel. Beide kommen aber finde ich nicht an die Hauptserie heran und sehe ich eher als optional für Leute an, die nach der Hauptserie noch ein wenig mehr von den Shinsengumi sehen wollen – wobei es da finde ich auch bessere Alternativen gibt. Für mich sind das eher optionale OVAs als zusätzliche Staffeln.

Die Hauptserie wurde nämlich auch in Form von zwei Filmen remastered – Kyoto Ranbu umfasst die Kyoto-Episode der Serie und Shikon Soukyuu die Edo-Zeit, also die zweite Hälfte. Die Unterschiede zur Serie sind ungefähr, wie man es erwartet: Die Filme sind insgesamt kürzer, weswegen die Story und Charakterisierung etwas kürzer treten, dafür sehen die Filme und insbesondere die Kämpfe darin um einiges besser aus. Ich habe die Filme nach der Serie gesehen, als ich die Handlung schon kannte, und hoffte, dasselbe einfach nochmal awesome inszeniert zu sehen. Ich war mit dem Ergebnis zufrieden, insbesondere bei den Kernszenen haben sie sich richtig reingehängt, hatte aber gehofft, sie wären in den Kämpfen noch ein wenig mehr abgegangen. Weil es nämlich weniger Zeit gibt, gibt es auch insgesamt weniger Kämpfe bzw. die sind nicht so lang, wie sie sein könnten.

Hier ein wie ich finde extrem hypender Trailer zum ersten Movie.

Die Filme unterscheiden sich auch ein wenig im Inhalt von der Serie, weil sie in den Filmen den Fokus auf andere Routen der VN gelegt haben, die in der Serie ein wenig zu kurz kamen. Als Ergebnis gefallen mir manche Szenen in der Serie besser, andere waren wiederum in den Filmen besser gelungen. Ich finde das ein wenig schade, weil ich so nicht einfach die Filme als die bessere und epischere Variante empfehlen kann. Andererseits heißt das auch, das beides ihren individuellen Wert hat. Insgesamt fand ich grob gesagt den ersten Film besser als die erste Hälfte der Serie, der zweite Film kam aber nicht ganz an die zweite Hälfte ran, die einfach viel zu gut war.

Übrigens sieht bereits die Serie schon ziemlich gut aus. Sie kommt zwar nicht an die Bildqualität und Animationen von der Filme ran, aber die Serie ist auch schon alles andere als unansehnlich, aufgrund des Alters ist die Serie nur weniger HD. Bilder habe ich deshalb überwiegend aus den Filmen und der VN genommen. Für jene Zeit ist das Niveau aber wirklich top. Die Kämpfe beeindrucken zwar nicht so stark wie in Sword of the Stranger – auch in den Filmen nicht – sind aber dennoch über dem Niveau der meisten Anime. Das ist schon recht erstaunlich, denn Entwickler neigen bei Adaptionen von VNs öfters mal dazu, einfallslos zu sein und einfach talking heads zu zeigen, eben weil es in der VN nicht anders abgelaufen ist. Aber hier wurde sich bereits bei der alten Serie äußerst viel Mühe gegeben.

„You are in the house of the ‚wolves of Mibu‘. There is no humans here in the first place!“

Insgesamt würde ich also zu folgendem raten: Wer Interesse hat, der sollte definitiv mit der Serie anfangen und danach die Filme schauen. Die Handlung entfaltet sich in der Serie besser und ich brauchte z.B. auch ein wenig Zeit, um mir die Gesichter und Namen merken zu können, weil das Charakterdesign auch eher realistisch gehalten ist und sich nicht durch flippige Haarfarben auszeichnet. Diese Zeit lassen einen die Filme nicht und deshalb ist es besser, wenn man die Charaktere schon kennt und liebgewonnen hat. Dann kann man im Movie nochmal die besten Szenen in schöner Inszenierung bestaunen.

Wenn ihr euch aber partout für eine der Versionen entscheiden müsstet, dann würde ich sagen, hängt eure Wahl davon ab, worauf ihr am meisten Wert legt. Wenn euch die Handlung und Charaktere interessieren, dann greift ihr lieber zur Serie. Wenn euch aber die Zeit fehlt und ihr einfach nur coole Schwert-Action sehen wollt, dann sind die Filme eher was für euch. Ich denke, ich würde die Serie am meisten empfehlen, weil mich die zweite Hälfte der Serie einfach von allem am meisten beeindruckt hat.

Ich habe aber nach den Filmen noch nicht aufgehört und wollte auch noch unbedingt die Visual Novel spielen. Das war aber auch nicht so einfach, denn auch da gibt es über 9000 Versionen, weil die ursprüngliche VN immer wieder portiert, geremaked und mit Zusatzinhalten versehen wurde. Natürlich wollte ich wenn, dann die beste Version spielen und viele erschienen auch entweder nicht hierzulande oder auf einem System, das ich nicht besitze. Zu meinem Glück kam aber letztes Jahr Hakuouki: Kyoto Winds raus, was nach meinem Wissen so ziemlich die Super-Star-Ultra-Triple-Deluxe-Version ist, die alles Bonusmaterial aus allen vorherigen Releases und sogar noch darüber hinaus enthält und wohl auch insgesamt die am meisten polierte und verfeinerte Version der VN ist. Natürlich habe ich mich sofort um das Ding gerissen.

Hier gleich mal das Opening von Kyoto Winds.

Was ich damals aber noch nicht wusste, ist dass Kyoto Winds auch nur die erste Hälfte von zwei Releases ist, welche so ziemlich die Handlung der ersten Saison des Anime bzw. den ersten Film umfasst, und Edo Blossoms, die zweite Hälfte, war zu dem Zeitpunkt noch nicht erschienen. Ich war deshalb etwas verdutzt, als die VN genau da endete, wo die Handlung erst anfängt, richtig spannend zu werden… Ich finde ja, beim Anime kann man sowas machen, aber in der VN macht das überhaupt keinen Sinn! Wisst ihr, da macht man sich die Mühe, immer die richtigen Entscheidungen zu wählen, um sich die Route eines Chars freizuspielen, und gerade, als diese Route anfängt…hört die VN auf! Das empfand ich als eine ziemliche Frechheit.

Aber gut, inzwischen ist auch Edo Blossoms erschienen und gut, beide zusammen kosten auch nur 45€, also ist es zumindest keine Abzocke, denn das ist ein angemessener Preis für eine VN von der Länge und Komplexität. Und holy shit, ist Hakuouki groß! Es könnte echt die Größte und Komplexeste VN sein, die ich je gespielt habe – und da sind einige Monster dabei gewesen. Ich denke mal, das Problem wird gewesen sein, dass das Spiel mit all dem Bonus-Content so groß wurde, dass sie es einfach in zwei Teile spalten mussten, aus Budget- oder Zeitgründen. Das entschuldigt zwar nicht, dass ich ein Jahr auf die zweite Hälfte warten musste, aber whatever, I’m over it.

Was macht aber die große Komplexität aus? In der Visual Novel schlüpft man ja selbst in die Rolle von Chizuru und beeinflusst deren Verhalten in Form von Choices. Abhängig davon, was man da wählt, begleitet man andere Charaktere auf ihren Runden oder freundet sich mit ihnen an und das hat dann wiederum Auswirkungen auf spätere Kapitel, wo dann neue Choices oder oft sogar komplett neue Szenen freigeschalten werden, abhängig davon, was man erfährt und wer einen schon kennt oder gut leiden kann. Mich hat diese Komplexität mehrfach beeindruckt und ich habe das in praktisch keiner VN je so gut umgesetzt gesehen.

Dazu mal nur ein Beispiel aus dem Anfang des Spiels. Zu Beginn trauen einem die Shinsengumi noch nicht und man muss sich erst mal darum bemühen, dass man unter Aufsicht der Shinsengumi Nachforschungen in der Stadt anstellen darf. Dabei kann man dann einen bestimmten Charakter treffen, und wenn man dies tut, wird einen dieser Charakter in einer späteren Szene erkennen und die Szene läuft komplett anders ab. Tut man dies nicht, trifft man dafür im Hauptquartier auf andere Mitglieder der Shinsengumi und erfährt dabei vielleicht, dass eines der Mitglieder krank ist und dies wirkt sich wieder auf andere Szenen aus.

Ebenfalls ein wichtiger Handlungspunkt ist der Kampf im Inaba Inn, wo man je nach seinen vorherigen Handlungen direkt mitten im Geschehen sein oder erst ankommen kann, nachdem die Kämpfe größtenteils vorüber sind. Dort hat man dann Auswahloptionen wie in den zweiten Stock oder in den Nebenraum zu gehen oder denjenigen direkt vor einem zu verarzten. Und das beeinflusst dann zum Beispiel, ob man rechtzeitig bei einem bestimmten Charakter ist um diesen vor einem Angriff von hinten zu warnen, dessen Resultat bestimmt, ob dieser Charakter wiederum an späterer Stelle in der Verfassung ist mit einem zu reden.

Also ihr seht schon, die Choices in Kyoto Winds sind alles andere als nur zur Show. Dennoch fand ich das Spiel dank einer speziellen Anzeige äußerst durchsichtig, wenn man versucht auf eine bestimmte Route zu kommen bzw. ein bestimmtes Ending zu erreichen. Es ist nicht geschenkt, aber dennoch meistens logisch, mich hat nur immer wieder überrascht, wie groß die Auswirkungen der eigenen Choices sind und selbst wenn man das Spiel schon vier mal durchgespielt hat, triggert man dadurch immer noch so viele neue Szenen, die man noch nicht gesehen hat, dass man das Gefühl hat, das Spiel komplett neu zu spielen. Und deswegen empfinde ich dieses Spiel auch als so riesig, denn bei dreizehn Routen, deren Szenen sich so stark unterscheiden, kommt einiges zusammen.

Diese Komplexität gilt aber leider nur für die erste VN, Kyoto Winds. Wie schon erwähnt, geht es in Kyoto Winds quasi darum, zu entscheiden, auf welche Route man kommt, und da wo die Route dann beginnt, endet das Spiel quasi. Edo Blossoms enthält dann alleinig diese individuellen Routen und deshalb hat diese einen komplett anderen Aufbau: Man wählt zu Beginn einen Charakter aus, dessen Route man spielen will, und dann begleitet man auch so ziemlich nur noch diesen Charakter und die (zu diesem Zeitpunkt recht offensichtlichen) Choices entscheiden dann nur noch, ob man ein Bad Ending bekommt und wie weit man die Zuneigung mit diesen Charakter maximiert.

Genau deshalb mag ich auch die Aufspaltung in zwei Spiele nicht. Man macht sich all die Mühe, in Kyoto Winds auf eine bestimmte Route zu kommen, ohne dass es wirklich ein Payoff dafür gibt, und in Edo Blossoms kann man dann egal welche Route einfach wählen, ohne dass man die sich vorher in Kyoto Winds freispielen muss… dann fehlt einfach das ganze Build-Up und die Backstory, weswegen ich auch für mich festgelegt habe, keine Route in Edo Blossoms anzufangen, ohne sie vorher in Kyoto Winds erreicht zu haben.

Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum ich von Edo Blossoms ein wenig enttäuscht war. Wie schon erwähnt, interagiert man in Edo Blossoms so gut wie nur noch mit dem gewählten Charakter und bekommt von den anderen Shinsengumi so gut wie nichts mehr mit. Dadurch wird das Spiel echt verdammt linear und simpel. Der Anime hat hier wirklich großartige Arbeit geleistet, das umzusetzen, denn dort wurden die einzelnen Routen der VN komplett miteinander verwoben und ich fand gerade das war die große Leistung der Serie, dass man von jedem Charakter deren individuelle Schicksale erfahren hat. Leider fehlt dadurch der VN gerade das, was an der Serie so großartig war.

Aber versteht mich nicht falsch – Edo Blossoms ist deshalb keineswegs schlecht oder für Fans des Anime komplett nutzlos. Logischerweise kann der Anime dann nicht so sehr ins Detail gehen wie die VN und gerade für Fans von bestimmten Charakteren bietet die VN dann zusätzliche Szenen (und vor allem Enden) die man im Anime nicht gesehen hat. Nicht zuletzt gibt es in der VN auch einiges an Romance mit den jeweiligen Charakteren, die der Anime logischerweise nicht haben konnte, weil sie dort einen Love Interest für Chizuru wählen mussten und die Interaktionen mit den anderen deshalb rein platonisch bleiben. Und bevor ihr fragt, es gibt keinen Sex in Hakuouki, sehr wohl gibt es aber romantische Szenen und auch den ein oder anderen etwas intimeren Moment. Auch wenn man das Mädchen spielt, finde ich, dass auch Kerle genug von diesen Szenen haben sollten, dass sie das auch spielen können, vor nackten Kerlen braucht ihr euch aber nicht zu fürchten.

Auch den Schreibstil fand ich ausgesprochen unterhaltsam, dieser wirkt bei den meisten VNs, von denen viele ja auch von Fans übersetzt wurden, eher nur als Mittel zum Zweck, aber bei Hakuouki merkt man, dass sich mit den Texten auch wirklich Mühe gegeben wurde. So haben Chizurus Erzählertexte einen leicht mittelalterlichen Usus und ich musste einige Male schmunzeln bei Sätzen wie „A forlorn malaise wafted over me“. Und die Samurai haben so eine raue, männliche Sprechweise, die ebenso schön zu lesen wie anzuhören ist. Neben vollständiger Sprachausgabe hat die VN auch kleine Animationen, sodass die Münder sich bewegen oder sie blinzeln. Und genau wie die Serie einen echt stimmigen Soundtrack.

Hier nochmal ein Trailer zu Edo Blossoms, den ich echt gut finde.

Edo Blossoms kommt aber einfach nicht an dem riesigen Hype heran, den die zweite Hälfte der Serie und auch die Filme in mir ausgelöst haben. Ich sehe die Visual Novel also eher als Option für diejenigen, die nach der Serie einfach nicht genug von dem Franchise kriegen können – also Leute wie mich – oder für Leute, die bereit sind viel Zeit zu investieren und einfach alles sehen wollen. Solltet ihr eine Hakuouki-VN lesen wollen, dürfte es auch wirklich keine bessere Version als Kyoto Winds+Edo Blossoms geben. Wirklich ersetzen kann die VN das Erlebnis, das der Anime einem bietet, aber nicht.

„A fake, you say? And what if I am?
Never in my whole life have they treated us like real warriors.
But no matter what, our convictions won’t bend.
It doesn’t matter if we are fake,
you push long enough and you eventually become the real thing!“

Nun, das erscheint mir der beste Moment, um zum Anime zurückzukommen und den Artikel abzuschließen. Es sollte klargeworden sein, wie sehr ich das Franchise mag und warum, insbesondere was die zweite Hälfte bzw. Staffel des Anime angeht. Ich kann leider nicht konkreter werden, ohne zu spoilern, aber ihr solltet zumindest ein grobes Bild davon haben, was in der zweiten Hälfte so abgeht. Meine Bewertung gebe ich deshalb vor allem für die Serie ab, die Wertung für die anderen Medien unterscheidet sich aber ohnehin nur geringfügig, da der Inhalt größtenteils derselbe bleibt, die Filme können aber noch einen Punkt in Sachen Animationen bekommen.

Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Action: 4/5
Comedy: 4/5
Drama: 5/5
Romance: 4/5
Nervenkitzel: 5/5
Atmosphäre: 5/5
Stil: 4/5
Animation: 4/5
Soundtrack: 4/5

Bei der VN fällt logischerweise Animation weg, dafür würde ich für Kyoto Winds 5/5 in Gameplay und für Edo Blossoms 3/5 setzen. Insgesamt ist der Anime auf Platz vier meiner Lieblingsanime geklettert. An dieser Liste hat sich inzwischen einiges getan, weswegen ich auch darüber in naher Zukunft einen Artikel machen möchte, wie meine Top 10 Liste nach diesen Veränderungen aussieht. Das soll aber dann ein eigenes Thema werden.

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