Layton Mystery Tanteisha Folge 2: Ein kleines Meisterwerk

Ich wusste ja, dass ein Layton-Anime gut werden würde. Dass er aber so gut werden würde, hätte ich nicht gedacht. Die zweite Folge von Layton Mystery Tanteisha: Katri no Nazotoki File hat mich so stark begeistert, dass ich einen vollständigen Artikel darüber machen wollte, wie großartig die Folge war. Und ich zweifle auch ehrlich stark daran, dass irgendetwas in dieser Saison noch einmal an diese Folge herankommen wird, sei es in dieser Serie oder einer anderen. Ich kann euch die Serie jedenfalls nur ans Herz legen, ehrlich, ihr verpasst sonst was. Und wenn nicht, dann schaut wenigstens die zweite Folge. Oder lest euch meinetwegen meinen Artikel durch, damit ihr seht, was euch entgangen ist.

In Layton Mystery Tanteisha geht es um Katrielle, die Tochter von niemand geringerem als Professor Layton höchstpersönlich, welche eine Detektivkanzlei führt und allerlei Fälle löst. Während der erste Fall noch allenfalls ganz nett war und eher durch die sympathischen Charaktere glänzte, zeigt die zweite Folge, zu was eine Layton-Serie imstande ist. Ähnlich wie diese eine 18if-Folge, die einfach viel besser als der Rest war. Fangen wir mal damit an, worum es in der Folge geht – aber Achtung, schaut sie lieber vorher selbst, denn sonst werde ich euch die gesamte Folge spoilen. Ihr wurdet gewarnt.

Als die Folge beginnt, klingelt ein verzweifelter Herr an der Tür der Detektivkanzlei. Er erzählt Katrielle seine Geschichte und die des verfluchten „Teufelskleides“: Eines Tages, als der Mann mit seiner Frau durch die Stadt lief, sahen sie ein unfassbar schönes Kleid. Seine Frau war sehr fasziniert davon, allerdings ist der Mann ein armer Musiker und konnte es sich nicht leisten. Irgendwann wurde seine Frau sehr krank und der Mann wollte ihr unbedingt etwas Gutes tun, also verkaufte er sein Instrument, um der Frau das Kleid zu kaufen. Seitdem scheint seine Frau jedoch wie besessen und versucht regelmäßig, ihn umzubringen, weshalb er Katrielle darum bittet, das Rätsel um das Kleid, das ihren Besitzer wahnsinnig macht, zu lüften.

Sie geht der Sache auf den Grund und beginnt in dem Laden, wo der Mann das Kleid gekauft hat. Dort erfährt sie, dass das Kleid in einem Dorf namens „Snowtown“ hergestellt worden ist und macht sich auf dem Weg dahin. Im Zug hören sie, dass die Stadt durch merkwürdige Vorfälle zugrunde ging und seitdem nur noch eine Hexe lebt, die dauerhaft mit sich selbst spricht. An ihrem Ziel angekommen finden sie Blumen, auf denen angeblich Schnee liegt, aber ganz ehrlich, jeder mit ein bisschen Allgemeinwissen erkennt, dass das Baumwollblüten sind. Plötzlich sieht Katrielle ihren Vater im Augenwinkel und folgt ihm, wird dann jedoch von einer Frau unterbrochen, die Schneeblumen trägt – Layton ist derweil verschwunden.

Sie folgen der Frau nach Hause, sie erklärt, sie sei Weberin und stellt ihnen ihre Tochter vor: Olivia, die Frau ihres Klienten, welche man eben noch zusammen mit ihm in der Hauptstadt in einem Cafe gesehen hat, steht plötzlich vor ihnen. Mit einer ikonischen Sequenz erklärt Katrielle, dass das finale Puzzlestück an seinen Platz gefallen ist und sie auf die Lösung des Falles gekommen ist. Ihr Assistent fordert daraufhin uns als Zuschauer auf, selbst Überlegungen anzustellen und zeigt uns noch einmal die zentralen Hinweise. Ich fasse das mal nicht zusammen, da mein Text eigentlich schon kurz genug ist. Wen ihr selbst kurz überlegen wollt, dann macht kurz eine Pause und nur zu.

Nach meinen Überlegungen war das Mystery jedenfalls ziemlich klar: Die angebliche „Hexe“ ist offensichtlich die Weberin, welche auch das „Teufelskleid“ aus diesen „Schneeblumen“ hergestellt hat. Da dem ganzen Dorf ein unschönes Schicksal ereilt ist, können wir daraus schließen, dass mit diesen Blumen irgendwas nicht stimmt – und da das Kleid aus den Blumen hergestellt wurde, droht seiner Frau jetzt das gleiche Schicksal. Wie diese sich jetzt aber nach Snowtown teleportiert hatte, konnte ich mir so nicht erklären, war aber mit meinen Schlussfolgerungen ziemlich zufrieden.

…zumindest, dachte ich, dass das der Fall sein würde. Wieder in London erklärt Katrielle, dass es nicht seine Frau ist, die unter dem Einfluss der Blumen steht, sondern er selbst. Der Geruch der Blumen ruft Halluzinationen hervor, und die traurige Wahrheit ist, dass sich seine Frau nie von ihrer Krankheit erholt hat. Sie ist daran gestorben – und die Frau, die wir die ganze Zeit mit ihm gesehen haben, existiert nur in seiner Einbildung. Die Anfälle von Besessenheit, durch die er an Katrielle geraten ist, sind nichts weiter als die Manifestation seiner Schuldgefühle. In einer extrem herzzerreißenden Szene löst sich die Illusion in Luft auf und der Mann realisiert, was passiert ist, am Boden zerstört.

Aber die Genialität dieser Folge besteht nicht einfach nur aus einem schockierenden Twist. Das wirklich geniale an der Folge ist, dass über die gesamte Folge über massig Hinweise verstreut waren, die auf diesen Twist hindeuten und ihn eigentlich vorzeitig erahnen lassen – allerdings waren diese so clever versteckt, dass sie einem leicht entgehen, selbst wenn man aufmerksam zuschaut. Ich habe die Folge daraufhin noch ein zweites Mal geschaut und mit diesem Hintergrund wirkt wirklich jede Szene gleich nochmal komplett anders. Ich möchte das anhand ein paar Szenen noch einmal mit euch durchgehen.

Fangen wir mit der Szene an, wo der Mann an die Tür der Kanzlei klopft und Katrielle den Auftrag erteilt. Katrielle und die anderen Charaktere stehen ja nicht unter dem Einfluss des Kleids und können die Frau des Mannes deshalb gar nicht sehen. Mit diesem Hintergrund fällt auf, dass Katri nur mit dem Mann interagiert und jedes Mal, wenn der Mann mit seiner – unsichtbaren – Frau spricht, sehen wir Katri ein verwundertes Gesicht machen. Das Gespräch wird uns außerdem geschickt aus einer Perspektive gezeigt, in der die Frau vom Mann fast komplett verdeckt wird – aus dieser Perspektive ist nicht auszumachen, wen Katri anblickt, denn logischerweise würde sie nie die Frau ansehen, da sie für sie nicht existiert.

Der wahrscheinlich deutlichste Hinweis ist aber, dass die Charaktere sogar mehrmals erwähnen, dass sie „es“ nicht sehen können und Katrielle spricht sogar von einem „unsichtbaren Dämon“im Kontext der Szene glaubt man jedoch, dass sie davon reden, dass sie die Antwort auf das Rätsel noch nicht sehen können und Katrielles Posieren lenkt auch dezent von dieser wichtigen Szene ab. Zudem interagiert der Mann zweimal mit verschiedenen Einwohnern, die merkwürdig auf seine Frau reagieren: Die alte Frau redet erst nur mit dem Mann und stottert dann, als dieser ihr seine Frau vorstellt, was von Katri mit einem vielsagenden Blick bedacht wird, und man sieht den Kellner für einen kurzen Moment mit einem bedrückten Gesicht weggehen, nachdem er die beiden bedient hat. Alles subtile Hinweise, die einem leicht entgehen, wenn man nicht aufmerksam zuschaut.

Außerdem muss ich zugeben, dass mir ein zentraler Hinweis entgangen ist: Der wichtige Aspekt in „die Hexe, die mit sich selbst redet“ war eben nicht, dass sie eine Hexe ist. Sie redet mit sich selbst – und als man ihre Tochter vorgestellt bekommt, kann man daraus eigentlich schließen, dass diese Tochter nicht echt ist – und per Übertragung ebenso die Frau des Mannes. Die Lösung stand daher die ganze Zeit in den Hinweisen. Jede einzelne Szene bis zur Auflösung hin ist auf eine Weise gestaltet, dass sie die Wahrheit eigentlich längst zeigt, im Kontext der Szene aber eine völlig andere Bedeutung zu haben scheint und das verbirgt den Blick auf das Wesentliche. Das zeigt einfach, wie viele Gedanken in jede einzelne Sekunde dieser Folge geflossen sind. Damit zeigt die Serie auch, dass es sich wirklich lohnt über die Rätsel der Serie nachzudenken und dass die gegebenen Hinweise wirklich der Schlüssel zur Lösung sind. Das macht es eigentlich schon zur besten Mystery-Serie, die ich kenne.

Auch die Szene mit Layton wirkt nach der Auflösung vollkommen anders: Wir wissen jetzt, dass er nur eine Hallizunation ist, die dadurch hervorgerufen wird, dass sie mit den die Blumen in Kontakt gekommen ist. Wir bekamen außerdem gezeigt, dass diese Illusionen nicht willkürlich sind, sondern mit den Wünschen und Ängsten der Betroffenen zu tun haben und das lässt uns jetzt Vermutungen anstellen. Warum sieht Katrielle ihren Vater? Ist er etwa auch tot? Verschwunden? Auf diese Weise wurde ein Element der Hauptstory in diese kleine Nebengeschichte eingeflochten, ohne diese zu unterbrechen, sondern es nimmt die Elemente aus dieser zur Grundlage und benutzt sie für etwas eigenes.

Die Folge hört aber mit der Auflösung des Rätsels noch nicht auf. Nach dieser traurigen Offenbarung, die ich beim zweiten Mal noch einmal mitreißender empfand, kommt die Folge zu einem bittersüßen Abschluss, der doch noch das Gefühl eines positiven Endes vermittelt. Von seiner Frau muss der Mann zwar Abschied nehmen, doch erfährt der Mann den Beistand der Mitbewohner, die er durch seine Musik glücklich gemacht hat und die deshalb die ganze Zeit diese Farce für ihn aufrechterhalten haben. Durch einen Brief erfährt der Mann außerdem, dass auch seine Frau mit ihn zwar arm, aber glücklich war. Auch das wurde geschickt eingefädelt über das verkaufte Cello. Genau so müssen Enden sein.

Es gäbe noch so einiges über die Folge zu berichten, aber das soll es an dieser Stelle auch gewesen sein. Vielleicht wird sich das ein oder andere Extra ja in den Kommentaren finden. Fakt ist jedenfalls, dass diese Folge überragend war und ich glaube wie gesagt nicht, dass diese Saison noch einmal etwas an die Folge rankommen wird. Ob Handlung, Charaktere, Mystery oder Drama, ob Inhalt oder Umsetzung, hier hat einfach alles gestimmt. Würde ich einzelne Folgen bewerten, würde diese sicher 5/5 in allem bekommen. Und damit hoffe ich jetzt auch einigen Zweiflern Lust auf die Serie gemacht zu haben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s