Horror: Ein mangelbehaftetes Videospielgenre

Heute behandle ich ein Thema, über das ich schon sehr lange etwas schreiben wollte. Aktuell habe ich mir eine große Menge an Horrorspielen reingezogen, was ich mir nun als Anlass nehme, mir dieses Thema einmal vorzuknöpfen. In einem separaten Artikel möchte ich darauf eingehen, was „Horror“ überhaupt ist, wie man ihn effektiv erzeugen kann und welche Arten von „Horror“ es überhaupt gibt; in diesem Artikel geht es mir aber erstmal um etwas anderes: Nämlich darum, meine Erfahrungen mit dem Genre in Videospielen zu schildern. Kleiner Spoiler vorneweg: Sie waren größtenteils nicht gerade positiv.

Ich weiß nicht, woran es genau liegt, aber ich habe das Gefühl, dass der Anteil an schlechten Spielen im Horror-Sektor deutlich größer ausfällt, als es zum Beispiel bei anderen Genres wie RPGs oder Jump’n’Runs der Fall ist. Entweder sind meine Ansprüche an Horrorgames viel zu hoch, vielleicht ist das Interesse an diesem Genre einfach vergleichsweise höher, sodass es einfach generell mehr Games und deshalb auch mehr schlechte Games dazu gibt. Das würde allerdings auch heißen, dass es mehr Gute geben müsste und das sehe ich irgendwie nicht. Vielleicht ist Horror aber auch einfach viel schwerer richtig umzusetzen, da es keine klare Formel gibt, wie so ein Spiel auszusehen hat und man nicht einfach ein paar Plattformen verschieden weit platzieren muss.

Vielleicht liegt es aber auch an der Industrie selbst. Ich dachte mir, vielleicht ist das einfach so wie scharfes Essen. Auf vielem Essen, was es so gibt, steht scharf drauf, aber die sind nie so wirklich richtig scharf. Ich denke das liegt daran, dass wenn es wirklich richtig scharf wäre, es ja vergleichsweise weniger Menschen gibt, die das Essen essen können. Man kann daher bessere Verkäufe erzielen, wenn man es nur milde scharf macht und vielleicht ist das ja bei Horrorspielen genau so: Vielleicht wollen die meisten sich gar nicht zu Tode gruseln. Vielleicht sind viele Horrorspiele ganz mit Absicht eher langweilig, weil sie damit mehr – und vor allem auch jüngere – Menschen erreichen können, die trotz des häufigen USK18-Stempels eine wesentliche Zielgruppe dieser Spiele sind, da oftmals gerade die eher Schreckhafteren ein gesteigertes Interesse am Horrorspielen haben. Vielleicht sind gerade deshalb schlechtere Horrorspiele als „Let’s Plays“ besser geeignet als Gute.

Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Vielleicht stimmt alles davon ein wenig. Fakt ist jedenfalls, dass ich mit dem Genre enorm unzufrieden bin und die Anzahl an „guten“ Horrorspielen, die ich kenne, an einer Hand abzählen kann. Wenn ihr also einen Favoriten habt, dann verratet mir den gerne, aber wartet noch ein wenig, denn gleich werde ich euch noch verraten, was ein gutes Horrorspiel in meinen Augen leisten muss. Zuvor möchte ich aber noch auf die drei Dinge eingehen, die der Großteil an Horrorspielen in meinen Augen falsch macht.

Der erste Punkt ist schonmal, dass die meisten dieser Spiele überhaupt eigentlich nicht mal „Games“ sind. Sondern eher so etwas wie Animationsfilme mit ein bisschen rumgelaufe, ich nenne diese Art von Spielen immer „Spaziergangsimulatoren bei Nacht“. Das Problem bei diesen Spielen ist, dass man nicht sterben kann und dass es dementsprechend für den Spieler auch keine wirkliche Gefahr gibt. Diese Spiele arbeiten einzig mit Jumpscares, schockierenden Bildern und einer allgemein ungemütlichen Atmosphäre, allerdings greifen einen die Monster nicht an, die einem verheißungsvoll vom Ende des Ganges oder wo auch immer entgegenblicken, sondern verpuffen dann meistens sobald ein Blitz einschlägt oder ähnliches.

Ich will nicht zur Debatte stellen, dass Spiele auch unterschiedlich gut darin sein können, eine düstere Atmosphäre aufzubauen, aber das alleine sehe ich schon als ein erhebliches Manko. Wenn man nicht sterben kann, merkt man irgendwann, spätestens beim dritten Mal, dass die eigenen Handlungen völlig egal sind, dass das Monster einen auch beim nächsten Erscheinen nicht angreifen werden, weil es halt auch nur ein eingeblendetes PNG ist, dass die Schritte hinter einem nicht mehr als eine eingeblendete Soundfile sind und dass man sich letztlich sogar vollkommen dämlich verhalten und rumarschen könnte, und es würde einen trotzdem nichts passieren. Und wenn das der Fall ist, wovor sollte man dann überhaupt Angst haben?

Eine zweite Sache, die mich wirklich oft an Horrorspielen stört, ist dass sie sehr häufig ziemlich abstrakt sind. Kennt ihr das, wenn ihr einen langen Gang entlangläuft, nur um euch am Ende vor einer verschlossenen Tür vorzufinden, und wenn ihr euch umdreht, ist hinter euch auf einmal der Gang weg? Oder eine solche Situation, wo ihr eine Tür öffnet, und der nächste Raum ist derselbe Raum, in dem ihr euch gerade befunden habt, nur mit leichten Veränderungen?

So etwas wird in Horrorspielen verdammt gerne verwendet und ich kapiere absolut nicht, warum! Was ist daran gruselig, wenn der Gang auf einmal weg ist? Ich finde, durch sowas fehlt diesen Spielen einfach nur jede erkennbare Logik und wenn es keine Logik gibt, dann weiß man doch gar nicht mal, wovor man Angst haben soll. Logik ist letztlich der Grund, warum man überhaupt vor etwas Angst hat. Warum sind Schritte hinter einem gruselig? Schritte höre ich schließlich jeden Tag, ohne mich davor zu gruseln. Schritte sind in einem Horrorspiel gruselig, weil man den logischen Schluss zieht, dass da irgendjemand – oder irgendetwashinter einem ist. Und weil man aufgrund der generellen Atmosphäre und vielleicht der ein oder anderen bereits entdeckten Leiche logisch schließt, dass – was auch immer da hinter einem ist – gefährlich sein könnte.

Wenn Horrorspiele jetzt aber mit übernatürlichem Zeugs kommen, das einfach gar keinen Sinn mehr ergibt, dann stellt sich im Logikzentrum im Gehirn irgendwann Resignation ein. Warum sollte ich überhaupt noch hinter jeder Ecke Gefahr wittern, wenn die Ecke sowieso jederzeit verschwinden könnte, wenn ich nicht hingucke? Und wenn ich sowieso nicht logisch vorhersehen kann, was als nächstes passiert und was in einer Situation die richtige Entscheidung oder Handlung ist und was nicht, warum sollte ich dann überhaupt noch versuchen, zu überleben? So etwas zerstört einfach die Immersion und macht einem schmerzlich bewusst, dass man sich nicht in einer funktionierenden Welt, sondern in einem Spiel befindet, das vom Programmiercode regiert wird.

Aber fehlende Logik schadet nicht nur dem Horror. Es schadet auch dem Gameplay überhaupt. Gerade bei solchen Durchlaufsimulatoren, deren einziges Gameplay aus Rumlaufen besteht, schadet es einfach nur dem Spielfluss, wenn die Umgebung sich einfach zufällig rekonstruieren kann. Warum sollte ich denn überhaupt noch irgendwo hinlaufen, wenn sich die Spielwelt dauernd scheinbar völlig willkürlich verändert? Warum öffne ich diese Tür, wenn ich sowieso wieder in demselben Raum landen werde? Der Sinn des Spiels selbst wird durch diesen Mist einfach komplett unterwandert. So etwas sagt mir auch, dass die Entwickler einfach nicht sonderlich viel Gedanken in ihr Spiel gesteckt haben.

Das trifft aber auch nicht nur auf solche Durchlaufsimulatoren zu. Ein etwas älteres Beispiel dazu ist Teil 1 von The Evil Within (Teil 2 kenne ich nicht). In dem Spiel läuft man durch eine Art Traumwelt, die sich auch stets verändert, kämpft sich durch Zombiehorden und wird immer wieder auch von einer unbesiegbaren Gestalt gejagt, die sich wahllos überall hinporten und euch onehitten kann. Und nichts in diesem Spiel funktioniert. Warum sollte man sich überhaupt die Mühe machen und durch die Level kämpfen, wenn ich am Ende eines Levels einfach wieder irgendwo ganz anders hingeworfen werde, wenn die Zombiehorden eh unerschöpflich sind, da sie von der Traumwelt generiert wurden und warum sollte ich vor der unbesiegbaren Erscheinung wegrennen, wenn die sich jederzeit einfach direkt in mich reinporten und mich killen könnte, würde sie sich nicht die meiste Zeit einfach zu blöd dafür anstellen? Das ist einfach schlechtes Game Design.

Ein bisschen damit im Zusammenhang steht der nächste Punkt, der mich auch an vielen Horrorspielen stört und der auch ganz besonders in Horrorfilmen geradezu die Normalsituation ist. Nämlich, dass einen diese Spiele oft dazu zwingen, sich selbst unlogisch oder regelrecht dumm zu verhalten. Sicher, ich folge einfach mal der fetten Blutspur. Natürlich, ich gehe in den dunklen Keller. Ja, ich lese den okkulten Zauberspruch laut vor, ohne zu wissen, was er tut. Warum sollte ich auch nicht gerade jetzt nach draußen gehen, obwohl vor ein paar Sekunden da ein Serienkiller rumstand? Klingt doch nach einer ausgezeichneten Idee!

Was ist das? Ich sollte mir das mal aus der Nähe ansehen.

Warum ist das ein Problem? Weil auch das ein Immersion Breaker ist. Das Spiel erzeugt Horror durch einer gewissen Identifikation mit der Spielfigur. Stirbt die Figur im Spiel, so fühle ich mit ihr mit, als würde auch ich sterben. Werde ich aber im Spiel gezwungen, mich auf eine Weise zu verhalten, wie ich es selbst nie tun würde, geht diese Identifikation verloren. Dann gebe ich die Verantwortung ab und sage mir okay, was jetzt mit dir passiert, geht auf deine Kappe. Ich hab damit nichts zu tun, ich würde mich in so einer Situation anders verhalten und wäre dementsprechend sicher.

Auf die gleiche Weise finde ich die Charakterwahl im Horrorgenre immer irgendwie fragwürdig. Meistens wird in Horrorfilmen oder -spielen auf unsympathische Charaktere zurückgegriffen, man spielt als verkrachte Existenzen, die Drogen genommen, Verbrechen begangen, psychische Krankheiten haben oder schlicht und einfach schlechte Menschen sind und die dann ihren – möglicherweise sogar gerechten – Albtraum durchleben. Das ist ein interessantes Thema, ohne Frage, aber der Identifikation schadet auch das, wenn ich die Spielfigur einfach hasse. Wenn ich vielleicht gar nicht will, dass die Figur überlebt oder aus diesem Albtraum wieder rauskommt. Auch das untergräbt dann den Sinn des Spiels.

Und zu guter Letzt will ich einfach der Vollständigkeit halber noch einen Punkt ansprechen, der eher nebensächlich ist, aber den auch sehr viele Horrorspiele einfach falsch machen. Nämlich: Sie sind zu dunkel! Ich meine, ich verstehe das, das die Dunkelheit einem ungewiss ist und einen daher Angst macht. Aber viele Horrorspiele übertreiben einfach mit der Dunkelheit bis man einfach gar nichts mehr sieht und wenn man gar nichts mehr sieht, ist das nicht mehr gruselig, sondern einfach nur noch frustrierend, weil man auch den Weg nicht findet wo man hin muss. Nicht zuletzt sieht man dann auch die ganzen Dinge nicht, vor denen man Angst haben soll! Zu viel Dunkelheit sehe ich deshalb auch als einen Hinweis an, dass es gar nichts zu sehen gibt und die Entwickler sich entweder einfach nicht die Mühe für anständigen Horror machen wollten oder dabei einfach versagt haben.

Oh mein Gott, was ist das?! Nein im ernst, was ist da, ich sehe es einfach nicht.

Ich möchte noch einmal zusammenfassend die drei Dinge aufzählen, die mich an den meisten Horrorspielen stören: Das Fehlen von Tod (Game Overn), das Fehlen von Sinn oder Logik und das Fehlen von Immersion. Diese drei Dinge zusammen erzeugen erst den Horror. Angst ist, psychologisch gesehen, ein Gefühl, das wir verspüren, wenn wir unsere Existenz bedroht sehen. Wenn vor uns ein Wolf ist, haben wir deshalb Angst, weil wir denken, dass er uns angreifen und schaden könnte. Das trifft auch auf soziale Ängste zu, wenn wir Angst vor einer Klausur haben, weil wir denken, wir könnten ja scheitern und unser Leben dadurch ruinieren.

Das alles, weil wir im Kopf logische Schlüsse über die Situation ziehen, in der wir uns gerade befinden. Ein Husky sieht zum Beispiel auch fast genau wie ein Wolf aus, allerdings bringen wir den nicht logisch mit Gefahr in Verbindung, was ihn weitaus weniger gruselig macht. Natürlich sind wir im Falle von Videospielen aber nie wirklich in Gefahr – es ist ja nur ein Spiel. Und genau deswegen ist die Immersion so wichtig, damit wir die Gefahr, in der sich die Spielfigur befindet, wie eine Gefahr für uns selbst empfinden. Das ist wie ich virtuellen Horror verstehe.

Der Artikel ist jetzt schon ziemlich lang, aber ich würde mir blöd vorkommen, würde ich einfach nur 2000 Worte lang darüber wettern, was Horrorspiele falsch machen, ohne auch einmal zu erwähnen, wie es besser gemacht werden kann. Und ich weiß, viele Leute werden mir bei diesem Beispiel bestimmt widersprechen, aber die Punkte, die ich hier aufgezählt habe und die mir wichtig sind, macht dieses Spiel einfach richtig gut.

Das für mich beste Horrorspiel, das mir bekannt ist, ist Resident Evil 4. Ja, ich weiß was ihr jetzt denkt, aber hört mir erst mal zu. Der erste Punkt dürfte ziemlich klar sein, denn natürlich kann man in Resident Evil 4 sterben. Es muss übrigens nicht mal unbedingt der Tod sein, es reicht schon, wenn man zumindest irgendwie verletzt werden kann. Gerade bei Resident Evil ist es zudem so, dass es meistens noch sehr…unangenehme Todesanimationen gibt, wenn man stirbt, was einen noch viel mehr dazu bringen will, dieses Schicksal zu vermeiden.

Es kann aber auch nur die Angst vor bleibenden Verletzungen sein oder einfach nur vor dem Lebensbalken, der runter geht. Ein weiteres positives Beispiel hierfür wäre Outlast (Teil 1, Teil 2 war nicht annähernd so gut) und speziell die Szenen mit dem Doc. Man bekommt eindrucksvoll demonstriert, was passiert wenn man erwischt wird, und deswegen fürchtet man sich umso mehr. Und ich weiß nicht mehr ganz, welches Spiel es war, aber es gab einmal ein Spiel, wo man so Saw-mäßig in einer Falle ein paar Finger verlieren konnte und man konnte danach aber normal weiterspielen, nur halt mit ein paar Fingern weniger (das war glaub ich ein Spiel mit nem Hund irgendwie…The Last of Us? War es das?). Man kann die Falle aber auch ignorieren und seine Finger behalten.

Aber sowas ist jetzt eher das Minimum, was ich von einem Horrorspiel erwarte. Viel wichtiger ist mir der Punkt mit der Logik und der ist in RE4 ebenso gegeben. Ganz besonders gefällt es mir, wenn das Spiel mit der Logik des Spielers spielt. In RE4 gibt es da einige Stellen, angefangen bei dem Kettensägentyp, der einen Onehitten kann und dessen Kettensäge man schon von weitem hört, lange bevor man ihn sehen kann, und an einer Stelle haben sie ihn extra in einem Raum eingeschlossen wo man durch ein Labyrinth gehen muss und kann suchen wo man will, aber man findet den nie…

Dann gibt es Bosskämpfe, zu denen man ewig lange Foreshadowing bekommt und die man praktisch gar nicht besiegen kann, ganz besonders gefallen hat mir die Stelle mit den Regeneratoren, die man erst leblos auf der Bank liegen sieht, bis dann mal endlich einer aufsteht und ab da begleitet einen immer wieder deren charakteristisches Röcheln, durch das man ganz genau weiß, dass irgendwo einer von denen auf einen wartet. Außer, man schafft es nicht sich zu erinnern woher einen das Röcheln bekannt vorkommt, bis er direkt vor einem steht…

Aber – und das ist der Grund, wieso RE4 auch in dem dritten Punkt gute Arbeit leistet – in RE4 stürzt man sich nicht einfach wie der letzte Idiot vom Regen in die Traufe. Es wird zwar mit der Zeit immer gruseliger, aber man hat stets einen Grund, warum man sich immer tiefer in die Hölle wagen sollte, weil man dort ein konkretes Ziel hat, nämlich eine Person zu retten und dann lebend mit der zu entkommen. Man macht das nicht einfach grundlos und deshalb kommt man sich auch nicht so blöd vor, es zu tun.

Und vor allem: Man hat dort einen richtig coolen Hauptcharakter, den man auch wirklich gerne spielt und der sich in den Cutscenes nicht wie der letzte Depp anstellt, damit man auch ein wenig Gore-Szenen haben darf, sondern der da erst richtig zeigt wie cool er ist und das macht es eigentlich nur besser. Weil man sich dann richtig um die Person schert und weil man sich auch im Klaren ist, dass man selbst vielleicht nicht so unbescholten aus der Situation rausgekommen wäre wie er.

Nicht zuletzt ist aber RE4 auch einfach ein richtig gutes Spiel. Das Spiel ist nicht nur Horror, sondern besteht auch aus Rätseln, Kämpfen, Erkunden und auch ein wenig Secrets sammeln und das ergibt einfach einen Mix, der einen Spaß macht zu spielen und für den man auch gerne den ein oder anderen Albtraum riskiert. Es hat zudem auch echt viel Content, was ein Punkt ist, der nicht für viele Horrorspiele gilt. Der aktuellste siebte Teil besann sich ja auch ein wenig auf seine Horror-Wurzeln zurück, ist aber verdammt kurz im Vergleich zu RE4, das ja schon fast Zelda-Ausmaße hat.

Ebenfalls positiv erwähnen will ich noch Until Dawn, das auch extrem gut darin ist, mit der Logik des Spielers zu spielen, da es einen explizit sagt, dass jede deiner Entscheidungen Konsequenzen hat, wodurch man beim ersten Durchspielen bei jeder Entscheidung extrem angespannt ist. Das Spiel ist auch ein sehr gutes Beispiel für dieses Thema, ganz besonders da Gronkh zwei Durchläufe in dem Spiel gemacht hat und er beim zweiten Mal absichtlich versuchen wollte, alle umzubringen. Man kann da richtig den Unterschied erleben, wie weniger gruselig ein Spiel ist, wenn man alle Verantwortung für seine Handlungen ablegt und gar nicht mehr versucht, am Leben zu bleiben.

Und bevor ich fertig werde, gibt es noch ein Thema, das ein Artikel, der gute und schlechte Horrorgames behandelt, unbedingt erwähnen sollte: Nämlich Jumpscares. Wie ich das mitbekommen habe, teilen sich bei Jumpscares die Meinungen ja besonders stark. Es gibt anscheinend Leute, die Jumpscares enorm feiern, zumindest glaube ich das, denn ich bekomme direkt eigentlich immer nur die zweite Gruppe mit. Ich schätze aber mal, dass Jumpscares bei eher jüngeren Leuten beliebt sind, wer ist denn als Kind nicht mal von hinter einer Tür oder sonstwas hervorgesprungen, um seine Eltern zu erschrecken? In gewisser Weise sind Jumpscares ja auch für einen kurzen Moment sehr aufregend. Es muss ja einen Grund geben, warum Markiplier so viele Videos mit Titeln „SCARY JUMPSCARES!!! | Barbie’s Pony Adventure 2“ hat.

Für die meisten Leute, deren Meinung ich mitbekomme, gelten Jumpscares aber praktisch als das Merkmal für ein schlechtes Horrorspiel schlechthin. Und ich kann’s verstehen – immerhin ist es völlig egal, wie gut oder schlecht ein Jumpscare gemacht ist, man erschrickt halt trotzdem, einfach weil es nunmal einfach ein Reflex ist. Jumpscares sind daher eine sehr billige Methode, um Horror zu erzeugen und werden deshalb selbstverständlich auch von vielen schlechten Horrorgames genutzt. Was jetzt allerdings auch nicht heißt, dass jeder Jumpscare und jedes Game, das sie verwendet, automatisch schlecht ist, aber es sollte auch wirklich nicht das Einzige sein, was ein Horrorgame zu bieten hat.

In dem Sinne möchte ich zu guter letzt noch ein letztes Horrorspiel ansprechen, das so wie ich es mitkriege ebenso kontrovers ist wie die Jumpscares: Five Nights at Freddie’s. Wie ich das mitbekommen habe, wird das Spiel von ebenso vielen Spielern gehasst wie es von anderen geliebt wird. Und ich kann beide Seiten nachvollziehen – es ist halt doch ein sehr kurzes, simples und billig produziertes Indie-Game, das man ohne Fails in knapp einer halben Stunde durchspielen kann und das sollte man bei all dem Hype mal nicht vergessen.

Was man dem Spiel aber nicht nachsagen kann, ist dass es nur aus Jumpscares bestehen würde. Ich meine ja, die Jumpscares sind ein integraler Bestandteil des Spiels und sehen ganz besonders im ersten Teil auch nicht besonders gut aus. Aber die sind auch nicht wirklich das, was den Horror des Spiels ausmacht und diesen finde ich tatsächlich gut gemacht. Das Prinzip des Spiels ist nämlich schon originell und es spielt sehr effektiv mit der Logik des Spielers.

Und zwar ist es ja so, dass man von diesen Animatronics gejagt wird, jedes von diesen folgt einer ganz bestimmten Logik und man muss ganz bestimmte Dinge tun, um sich vor diesen zu schützen. Man kann aber nie alles auf einmal abdecken und während man gerade beschäftigt ist, sich vor dem einen zu schützen, hat man die ganze Zeit Angst vor den anderen, die einen dann jederzeit angreifen könnten. Man muss also dauerhaft abwägen, auf welcher Seite man gerade in Gefahr ist und wenn man glaubt, gerade sicher zu sein, muss man sich absichtlich so lange ungeschützt lassen, entweder um Ressourcen zu sparen oder sich um andere Dinge zu kümmern die einen sonst töten werden und das sorgt halt dafür, dass man dauerhaft angespannt ist und sich immer gerade vor den Dingern fürchtet, vor denen man sich gerade nicht aktiv schützen kann.

Das war im ersten Teil noch nicht ganz so optimal umgesetzt, da die Dinger sich praktisch quer über die Map porten konnten und im zweiten Teil musste man auf übertrieben viel achten und es war einfach überladen. Im dritten Teil aber bewegte sich das Ding tatsächlich realistisch über die Map und man musste sein Verhalten studieren um ihn gezielt von sich wegzulocken, allerdings nervte einen das Spiel immer wieder mit schlechter eingesetzten Jumpscares. Am besten gefiel mir das Prinzip des vierten Teiles, wo viel mit Sounds gearbeitet wurde und das man tatsächlich sogar komplett ohne Bild spielen konnte, weil die Soundeffekte wirklich sinnvoll und logisch platziert waren und einen tatsächlich Hinweise darauf gaben, dass sich gerade etwas bewegt und sogar wo es gerade ist.

Sister Location war dann schon eher ein Adventure Horrorgame mit Elementen aus der Reihe und gefällt mir von allen Teilen auch am besten. Mir gefiel ganz besonders eine Stelle, wo einen die Tutorialstimme sagt, was man tun soll und eine andere Stimme sagt einen aber: Wenn du das tust wirst du sterben und mach lieber das Gegenteil davon und man fragt sich dann: Wem traue ich? Diesen Grundgedanken wollte ich selbst ausnutzen, wenn ich ein eigenes Horrorgame machen würde (was aber wahrscheinlich nie passieren wird) und deshalb war ich begeistert, das mal in einem Spiel umgesetzt zu sehen. Auch wenn es in diesem Spiel nur vereinzelt vorkam und das Spiel typisch für die Reihe eher kurz war. Teil 6 ist übrigens einfach nur noch seltsam.

Wunderbar. Damit habe ich das Thema jetzt in aller Ausführlichkeit abgehandelt und ihr solltet jetzt wenn ihr aufmerksam gelesen habt ein genaues Bild davon haben, was ich von einem guten Horrorspiel erwarte und was mich an den meisten Horrorspielen stört. Und nun interessiert mich, was ihr darüber denkt: Was ist eure Ansicht vom Horror-Genre? Seht ihr das genauso kritisch wie ich? Könnt ihr euch mit meinen Kriterien anfreunden oder haltet ihr die für kompletten Bullshit? Kennt ihr ein Horrorgame, das ich nicht genannt habe und von dem ihr glaubt, dass ich es auch mögen würde? Und was würdet ihr davon halten, wenn ich einen Jumpscare in diesen Artikel einprogrammiert hätte, der sich beim runterscrollen aktiviert?

Advertisements

Ein Kommentar zu “Horror: Ein mangelbehaftetes Videospielgenre

  1. Florian sagt:

    Ich würde „Alien Isolation“ empfehlen! Das gibts oft recht günstig zu haben sieht schick aus und meiner Meinung nach haben die Macher mit dem Spiel perfekt die Atmosphäre des ersten „Alien“ Teils eingefangen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s