Yuuki Yuuna wa Yuusha de aru: Magical Girl done right?

Es ist mal wieder an der Zeit, dass ich einer besonderen Serie ihren eigenen Artikel widme. Dabei kann ich nur hoffen, dass der Artikel nicht im Vornherein von den meisten ignoriert wird, denn ich weiß, dass sich kaum jemand für das Magical Girl-Genre interessiert und dementsprechend auch niemand außer mir die Serie in der letzten Saison angesehen hat. Was ich echt Schade finde, denn die meisten haben einfach ein komplett falsches Bild von diesen Serien und wissen deshalb gar nicht, was ihnen eine (gute) Magical Girl-Serie eigentlich bieten könnte. Mit diesem Artikel möchte ich diese Missverständnisse ausräumen, eine Lanze für das Genre brechen und eine Serie würdigen, welche dieses aus meiner Sicht bisher am besten umgesetzt hat.

Wenn jemand „Magical Girl“ sagt, denken die meisten Leute an ganz verschiedene Dinge. Zum einen gibt es da diese übermäßig kitschigen, vorwiegend an kleine Mädchen gerichteten Kinderserien, wo sich ein pinkes Girlie verwandelt und in aller Regel Sternenstaub oder sowas ähnliches sammelt, um sich einen Wunsch zu erfüllen. Andere denken zuallererst an Sailor Moon, was quasi wie Power Rangers in weiblich ist und auch mit einiges an Kitsch daherkommt. Wieder andere denken an Madoka, was quasi das Ergebnis ist, wenn man den maximalen Kitsch nimmt und das ganze umdreht. In jedem Falle scheint sich aber eine Magical Girl-Serie für die meisten Leute durch den Kitsch auszuzeichnen, sei es das eine oder das andere Extrem.

Und diese Ansicht existiert auch nicht ohne Grund, denn solche Serien gibt es auch wirklich zur Genüge. Nur wie das eben so ist, wenn es zwei Extreme gibt, dann gibt es auch einiges dazwischen. Gerade für die Serien in der Mitte der Skala spielt Kitsch eigentlich überhaupt keine Rolle, und wenn eine Serie nur ein bisschen in die eine oder die andere Richtung ausschlägt, dann werden diese immer mit den bekannten Extremen verglichen und stehen dann natürlich schlechter da, wenn man sich allein auf dieses Merkmal versteift, eben weil sie nicht ganz so extrem sind. Das hängt eng zusammen mit dem Problem, das ich schon in meinem letzten Artikel diskutiert habe, hier möchte ich aber noch ein Stückchen weiter gehen und spezifischer werden.

Ich finde also, dass man nicht auf diese Weise an Magical Girl-Serien herangehen sollte, weil man die Serien im mittleren Spektrum dann für etwas sieht, was sie nicht sind und im Gegenzug übersieht man die viel wichtigeren Aspekte dieser Serien. Aber wie würde ich denn dann an sie herangehen? Für mich wäre die ideale Magical Girl-Serie ja einfach eine Art Shounen-Serie wie Hunter x Hunter oder Fullmetal Alchemist, nur halt eben mit Mädels.

Das ist um ehrlich zu sein eine Sache, die mich an den meisten Shounen-Serien etwas ärgert, ohne dass ich den Serien gleich Sexismus vorwerfen möchte, aber Mädchen gibt es in diesen Serien kaum und wenn, dann spielen sie in den meisten Fällen maximal an der Seitenlinie mit. Es ist für mich vielmehr einfach ein Fall von verschenktem Potenzial und wahrscheinlich gefiel mir auch das gerade an Sousei no Onmyouji, obwohl die Anime-Adaption davon alles andere als gut war, denn dort gab es einen tollen weiblichen Charakter in der Hauptrolle.

Es reicht allerdings nicht, wenn wir einfach den Cast von Hunter x Hunter nehmen würden, ihn Genderbenden und die Sache wäre gegessen. Denn dann wären es im Kern immer noch Kerle, nur dass sie eben wie Mädels aussehen. Sie müssten sich auch wie Mädchen verhalten. Und das ist jetzt der Punkt, an dem Yuuki Yuuna ins Spiel kommt, da es diesen Umstand aus meiner Sicht ziemlich ideal umsetzt. An dieser Stelle möchte ich warnen, dass ich in diesem Artikel im Gegensatz zu meinen Ausführungen im Live-Artikel (der die Serie inzwischen übrigens vollständig behandelt, falls jemandem die Ankündigung entgangen ist) diesmal keine Rücksicht auf Spoiler nehme. Wenn ihr die Serie also selbst noch schauen wollt, lest euch lieber meine Beiträge zur Serie dort durch.

Yuuki Yuuna leistet etwas, das nur mit dieser Konstellation möglich ist: Man hat zunächst erst einmal das normale Leben der Charaktere vor sich, das selbstverständlich nicht direkt mit ultimativer Spannung aufwartet, allerdings sind solche Szenen für die spätere Entwicklung der Serie zwingend notwendig. Die Mädchen werden in der zweiten Hälfte zunehmend mit Entbehrungen konfrontiert werden, und damit sie entbehren können, müssen sie zunächst erst mal etwas haben, ein glückliches Leben nämlich. Durch diesen Aufbau werden die Entbehrungen überhaupt erst bedeutsam, so zum Beispiel wird eine ganze Folge gewidmet, wie Itsuki ihre Schüchternheit überwindet und sich den Traum fasst, Sängerin zu werden, im Laufe der Serie verliert sie durch die Ereignisse während der Kämpfe jedoch ihre Stimme und der Traum ist gegessen.

Zunächst wirken diese Szenen jedoch wie bedeutungsloses Slice of Life, das man in einer Shounen-Serie unangebracht empfinden würde, mit diesen Charakteren ist man jedoch eher geneigt, es zu akzeptieren und es unterhält einen, wie es jede Cute Girls doing Cute Things-Serie würde. Dann werden die Mädchen jedoch gezwungen zu kämpfen, die Feinde werden zunehmend überlegen und die Mädchen gehen nicht mehr unbeschadet aus den Kämpfen hervor. Der Fokus der Serie liegt dabei weniger auf den Kämpfen selbst, sondern vielmehr damit wie die Mädchen mit der Situation umgehen.

In diesem Punkt liegt der große Vorteil in der Wahl der Charaktere und damit auch die größte Stärke der Serie. Mit einem typischen Shounen-Protagonisten könnte man diese Idee nicht umsetzen – beziehungsweise wäre es einfach nicht unterhaltsam. Was Shounen-Charaktere meistens auszeichnet ist ihr Mut und immerwährender Optimismus, sie würden in einer widrigen Situation gar keine Reaktion zustande bringen, mit der man mitfühlen kann. Natürlich kann man auch einen männlichen Charakter verzweifeln lassen, aber das würde dann eher lame und emo rüberkommen. Das ist letztlich nicht, was man sehen will, männliche Chars sollen cool und badass sein und sich den Widrigkeiten mit geballten Fäusten stellen, während sie vielleicht ihre manly tears zurückhalten. Wölltet ihr eine oder gar mehrere Folgen am Stück sehen, wie sich Naruto, Natsu oder wer auch immer in Selbstmidleid ergibt?

Bei den Mädchen in Yuuki Yuuna sieht das aber anders aus. Weil es eben nicht unbeugsame Kämpfernaturen sind, die mit der Macht der Freundschaft alleine ihre Kämpfe zum Sieg wenden können, sondern emotionsfähige Charaktere mit ihren eigenen kleinen Schwächen und Unsicherheiten, die nicht auf das Leben als Kämpfer wie zugeschustert sind, sind wir viel eher bereit, eine solche Reaktion zu akzeptieren. Mehr noch, sie gewinnt dadurch erst ihren Reiz und Impact, weil wir uns so besser in sie einfühlen können.

Als Resultat hatte die Serie das beste Drama, was ich in den letzten Jahren gesehen habe und das mich über mehrere Folgen immer wieder gefesselt und zum Mitleiden gebracht hat. Meine Lieblingsszenen habe ich sogar sicher mehr als ein halbes dutzend Mal erneut angesehen und sie rühren mich auch jetzt immer noch. Ich hatte wirklich verdammt viel Spaß mit dieser Serie und fände es einfach echt Schade, wenn sie einfach nur deswegen ignoriert wird, weil Leute Magical Girl-Serien einfach nur als Kitsch oder Madoka-Ripoffs betrachten. Yuuki Yuuna ist weder das eine noch das andere.

Yuuki Yuuna hat mir gezeigt, wie viel man mit einem Magical Girl-Setting anstellen kann und ist definitiv die beste Magical Girl-Serie die ich kenne, auch wenn trotz allem zugestehen muss, dass die Serie ihre Macken hat – es gab auch Stellen, wo ich dachte, dass diese Szene gerade irgendwie überzogen oder nicht ganz so gut gemacht war, sogar direkt vor einer meiner Lieblingsszenen war so ein Fall, nur macht die Serie das an anderer Stelle wieder wett und diese Szene war dann wieder so gut gemacht, dass sie mich trotzdem mitgerissen hatte, obwohl ich Sekunden davor noch dachte wie dumm ich das gerade fand. Für mich ist Yuuki Yuuna deshalb vielleicht nicht unbedingt Magical Girl done perfectly, aber definitiv Magical Girl done right. Wäre aber auch Schade wenn ich nie wieder eine so gute Magical Girl-Serie wie Yuuki Yuuna finden könnte.

Ich glaube dem Thema damit Genüge getan zu haben, zumal ich in meinem letzten Artikel schon einiges darüber geschrieben habe und in meinem Live-Artikel auch mehr als genug zu der Serie steht. Ich wollte halt nur nochmal explizit diese Serie herausstellen da ich finde, dass sie es verdient hat. Ich schließe den Artikel jetzt noch ab, indem ich meinen Fazit und Bewertung zur Serie aus dem Live-Artikel anfüge, da dies die Ausführungen hier sehr schön ergänzt – wenn ihr beim Live-Artikel immer aktuell mitgelesen habt, könnt ihr euch den folgenden Abschnitt sparen.

Yuuki Yuuna ist im Prinzip das, was ich mir unter einer idealen Magical Girl-Serie vorstelle: Es ist wie eine Shounen-Serie, nur etwas ernster und mit weiblichen Hauptcharakteren. Diese zwei Elemente schaffen einen Kontrast, den man nur mit dieser Formel erreichen kann, denn Mädchen gehen mit diesem Ernst viel emotionaler um, als es ein männlicher Protagonist tun würde. Das Ganze funktioniert aber auch nur, weil die Charaktere so gut ausgearbeitet sind: Während die Mädchen zum Beginn der Serie (gemeint: Zu Beginn des Washio-Arcs und der ersten Saison) noch wie die typischen Anime Girls anmuten, beginnen sie anhand der Umstände zu wachsen und sich zu entwickeln. Trotzdem bleiben sie aber Kinder und verzweifeln auch ein wenig, versuchen aber dennoch die Situation zu bewältigen und das erzeugt einfach trotz des fantastischen Settings realistisches und glaubhaftes Drama, das mir echt das Herz zerrissen hat an mehreren Stellen. Man fängt an richtig mitzufühlen mit den Charakteren und wünscht sich einfach, dass sie am Ende glücklich sein dürfen.

Dies schaffte die erste Staffel leider nicht so gut, doch die neue Staffel schaffte es, viele Inkonsistenzen der ersten Staffel zu erklären und dann mit einem Ende aufzuwarten, das weitaus weniger forciert wirkte (wenn auch nicht ganz problemlos funktionierte) und deshalb keinen so bitteren Nachgeschmack hinterließ. Zudem bot die zweite Staffel alles, was man an den anderen Staffeln liebgewonnen hatte: Die Charaktere sind von Anfang an entwickelt und verhalten sich wunderbar nachvollziehbar, es gibt nervenerschütterndes Drama und trotzdem witziges Slice-of-Life und niedliche Shipping-Momente. Gut, Action bot die Staffel letztlich so gut wie gar nicht, aber das war auch nie wirklich eine Stärke der Serie gewesen. Insgesamt eine Serie, die ich lange in guter Erinnerung behalten werde und fast in meine Top 10 Anime aufnehmen möchte. Aber das muss ich mir noch etwas überlegen. Für den Moment bekommt die zweite Staffel von mir:

Wertung für Yuusha no Shou:

Handlung: 4/5
Charaktere: 5/5
Action: 3/5
Comedy: 3/5
Drama: 5/5
Nervenkitzel: 5/5
Animationen: 3/5
Soundtrack: 4/5

Wertung für Washio Sumi no Shou:

Handlung: 3/5
Charaktere: 4/5
Action: 3/5
Comedy: 3/5
Drama: 5/5
Nervenkitzel: 4/5
Animation: 3/5 (positive Tendenz)
Soundtrack: 4/5

Staffel 1 von 2014:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Action: 4/5
Comedy: 3/5
Drama: 5/5
Nervenkitzel: 4/5
Animation: 3/5
Soundtrack: 4/5

Alle drei sind finde ich empfehlenswerte Serien und wenn ihr Lust habt, solltet ihr die Serien (aus meiner Sicht) in der chronologischen Reihenfolge (nach der Zeit wann die Serien spielen) schauen, also erst Washio Sumi no Shou, dann die Staffel von 2014 und zuletzt Yuusha no Shou.

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