Deconstructing Deconstruction

Den Titel hat bestimmt schon jede andere Person vor mir verwendet, die dieses Thema behandelt. Aber es bietet sich halt einfach so hart an. Heute behandle ich ein Thema, das im Internet ziemlich große Wellen geschlagen hat, mir aber mal wieder bis vor kurzem völlig entgangen ist. Vielen von euch dürfte das Thema also längst ein Begriff sein. Es geht um „Dekonstruktion“, ein beliebter Terminus um einer Serie anzudiktieren, dass sie ein Meisterwerk ist und die Welt verändert hat. Aber was ist Dekonstruktion überhaupt und kann es wirklich die Welt verändern? Darum geht es mir in diesem Artikel.

Fangen wir damit an, wie ich auf dieses Thema gekommen bin. Der Aufhänger war das folgende Bild, welches eben das Thema von Dekonstruktion behandelt, anhand von Beispielen erklärt und versucht, verbreitete Missverständnisse über Dekonstruktion aus dem Weg zu räumen. Ich finde dieses Bild zwar enorm informativ, finde aber auch, dass man vieles davon nicht einfach so stehen lassen kann und wollte es deshalb auch nicht verbreiten, ohne meinen persönlichen Beitrag zu dem Bild zu geben. Deswegen habe ich bis zu diesem Artikel damit gewartet. Hier ist es jedenfalls erstmal:

Wie ihr sehen könnt, ist das ein ganz schöner Wall of Text und vielleicht, oder ganz sicher sogar, habt ihr jetzt einfach nur runtergescrollt und stellt euch nun die Frage: Muss ich das alles wirklich lesen? Und ich kann euch da beruhigen, denn ich werde auf alles Wichtiges im Artikel selbst eingehen und wo ich es für nötig halte (also überall), meinen Brei dazugeben. Wenn euch das Thema wirklich interessiert und ihr euch eine eigene Meinung bilden wollt, ohne dass ich euch sofort dabei beeinflusse, könnt ihr euch das Bild aber dennoch aus informativen Gründen durchlesen.

Fangen wir doch mal mit der grundlegenden Erklärung an: Was ist Dekonstruktion überhaupt? Dieses hochtrabend kompliziert klingende Wort (nicht zuletzt wird es auch deswegen gerne verwendet, um ein Werk in den Olymp zu heben) lässt sich eigentlich auch problemlos eindeutschen: Wörtlich heißt es nämlich nichts anderes als „Auseinandernehmen“. Dekonstruktion heißt, etwas auseinander zu nehmen. Was nimmt man auseinander? Etwas, das veraltet und nicht mehr funktionstüchtig ist, eine alte Bruchbude zum Beispiel, in der niemand mehr wohnen kann, oder eine Maschine, die nicht mehr richtig funktioniert.

Dieses Konzept wendet man jetzt auf Literatur oder andere Werke an. Eine Dekonstruktion nimmt etablierte Klischees oder Genres auseinander. Dies geschieht, indem man das Klischee aufgreift, es selbst in einem realistischen Setting auf natürliche Weise ausspielt und damit zeigt, dass es in Wahrheit ganz anders oder einfach gar nicht funktionieren würde. Anders gesagt: Man zeigt, dass dieses Klischee eigentlich bullshit ist und in den betreffenden Serien nur funktioniert, weil der Plot es eben so will und der Autor es eben so geschrieben hat, und nicht, weil es unter natürlichen Umständen wirklich so ablaufen würde.

Man klopft den Autoren und Werken, die dieses Klischee ausspielen und verwenden, also in gewisser Wiese auf die Hände. Man übt Kritik an ihnen. Dekonstruktion ist also eine spezielle Form von Meta (wenn sich ein Werk auf bestimmte Aspekte des Schaffensprozesses von Werken bezieht): Es ist eine Serie, die Kritik an anderen Serien übt.

Das Bild erklärt dieses Phänomen anhand von einigen Beispielen: An The Witcher, an Game of Thrones, an NGE, an Madoka, Re:Zero, Hunter x Hunter und vielleicht auch deiner Mutter. Was mir dabei auffällt, ist dass das alles Werke mit einem enormen Hype sind. Jedes Werk, dass sich irgendwie mit Dekonstruktion in Verbindung bringen lässt, ist extrem beliebt und hoch gelobt. Daraus schließe ich, dass Dekonstruktion eine Eigenschaft ist, die wirklich viele begeistert, wenn nicht sogar ein sicherer Schlüssel zum Erfolg für ein Werk ist.

Das macht es natürlich zu einem verlockenden Instrument, um einen persönlichen Favoriten als „Meisterwerk“ zu rechtfertigen. So nach dem Motto: Dieses Werk dekonstruiert etwas und ist demnach auf eine Stufe zu stellen mit Game of Thrones und Hunter x Hunter! Dies wird letztlich auch der Aufhänger sein, warum der Ersteller des Bildes Dekonstruktion von ähnlichen Phänomenen abgrenzt und erklärt, warum es für Dekonstruktion nicht ausreicht, ein Werk einfach zu parodieren oder einfach nur darker and edgier zu sein.

Tokyo Ghoul ist zum Beispiel weiß Gott keine.

Ich sehe in diesen Erklärungen aber auch ein paar Probleme, und das einerseits darin, dass seine eigenen Beispiele für Dekonstruktion hin und wieder auch in die Richtung abdriften, von der er meint, das sei noch keine Dekonstruktion. Ich verstehe zum Beispiel nicht, wie Shinjis Vater in NGE irgendwas anderes sein soll als einfach ein darker and edgier robot scientist. Ähnliches lässt sich auch an vielen Stellen über Madoka sagen.

Ich sehe aber noch ein viel größeres Problem mit Dekonstruktion, nämlich dasselbe Problem, was Parodien auch haben: Für eine Dekonstruktion muss man das zu kritisierende Element in sein eigenes Werk aufnehmen und letztlich gegen die Wand fahren. Ihr seht das Problem, oder? Man fügt damit letztlich etwas in sein Werk ein, das man selbst gar nicht so toll findet und von dem man der Meinung ist, dass es eigentlich gar nicht funktionieren würde, und man lässt es dann letztlich auch Nicht-Funktionieren. Und wenn es nicht funktioniert, ist das….gut?

Dabei besteht die Gefahr, dass man den Fehler, den man eigentlich kritisieren möchte, selbst auch macht oder dass man in dem Versuch, es gegen die Wand zu fahren, letztlich sogar schlechter macht als die Originale, die man damit kritisieren möchte. Um die Parodie oder die Dekonstruktion richtig zu machen, muss der eigene Twist, also das Gegen-Die-Wand-Fahren, das Werk im direkten Vergleich besser machen als das besagte Element es in den einzelnen Werken tut. Und meistens sind weit verbreitete Klischees auch nicht ohne Grund so weit verbreitet. Ein Beispiel von mir, wo das nicht gelungen ist, ist Akame ga Kill.

Stellen wir uns die Frage aber mal mit den beiden größten Beispielen für Dekonstruktion in dem Bild. Was ist der Twist von NGE, der es besser macht als klassische Super Robot Anime? Was macht Madoka besser als klassische Magical Girl Serien? Also was würde passieren wenn man, realistisch betrachtet, kleine Jungs in riesige Roboter steckt und um das Schicksal der Welt kämpfen lässt? Ergebnis: Fucked up Shit happens. Was würde passieren, wenn man, realistisch betrachtet, kleine Mädchen mit Superkräften ausstattet und sie Monster bekämpfen lässt? Ergebnis: Fucked up Shit happens. Hmmmm?

Das sind die Fragen, die ich mir an dieser Stelle stellen muss: Zum einen, macht Fucked up Shit denn eine Serie wirklich besser und zum anderen, ist Dekonstruktion wirklich die enorme Leistung, welche diese Werke auszeichnet und zu so großer Beliebtheit verholfen hat, oder ist es nicht doch eher einfach der Fucked up Shit? Ich meine, ich verstehe, dass in diesen speziellen Beispielen der Fucked Up Shit wirklich und tatsächlich der realistischere Take ist als Kinder, die die Welt retten, was dann eben daran liegt, wie diese Genres einfach geartet sind, aber inwiefern ist das denn anders als einfach Darker and Edgier zu sein? Und trifft das nicht auch irgendwie auf die Beispiele The Witcher und Game of Thrones zu oder Re:Zero und Hunter x Hunter?

Wir kommen hier langsam dem nächsten und für mich tragenden Problem mit Dekonstruktion auf die Spur. Dekonstruktion lässt sich im Prinzip in Form einer Gleichung beschreiben, nämlich:

Dekonstruktion = Übliche Klischees + eine Prise Realität

Im Falle dieser Beispiele ist diese Prise Realität das Körnchen Edge. Umgestellt auf die Klischees heißt das einfach, dass den entsprechenden Werken dieses Körnchen Edge fehlt, sie sind also Realität minus Edge oder anders ausgedrückt: Super Robot oder Magical Girl Anime sind einen Ticken niedlicher oder süßer als die Realität. Ist das nicht auch eigentlich eine Leistung?

Wer hätte das bei diesem Design gedacht.

Für diese Gleichung werden also zwei Konzepte verwendet: Die Klischees und die Realität. Man muss also eine bestimmte Auffassung sowohl von diesen Klischees als auch von der Realität haben, um feststellen zu können, dass da eigentlich eine Diskrepanz zwischen den beiden herrscht. Und hier liegt das zweite Problem, denn abhängig vom eigenen Lebensumfeld und den Werken, die man kennt, wird sich dieses von den Auffassungen anderer unterscheiden.

Im Falle der Realität dürfte was weniger gravierend sein, schließlich leben wir ja alle in derselben Welt (hoffentlich) und dürften deshalb ungefähr dieselbe Auffassung davon haben, aber auch hier sind Unterschiede nicht undenkbar. Ich habe ja auch schon Leute gesehen, die mir ernsthaft erklären wollten, Inuyashiki würde in angemessener Weise die Realität der japanischen Gesellschaft widerspiegeln. Eine Realitätsauffassung, die offenbar ausschließlich auf wahllos herausgepickte Schreckensmeldungen fundiert ist, was wie wir alle wissen das einzige ist, was jemals in Japan passiert.

Gravierend wird es aber im Falle der Konzepte der Klischees, denn diese hängen stark davon ab, welche Werke man kennt und welche nicht, und keine zwei Menschen werden wirklich exakt dieselben Serien gesehen haben. Wer nur unübliche Serien gesehen hat, wird auch etwas komplett unübliches als Klischee ansehen. Wenn man da jetzt eine Kritik in Form einer Dekonstruktion an einem Genre durchführt, dann möchte man sich mit diesem Genre natürlich gut auskennen, schließlich basiert man auf seine persönlichen Erfahrungen, welche Elemente häufig vorkommen und somit „typisch“ für ein Genre sind. Aber selbst dann wird es immer Serien geben, auf welche dieses Klischee nicht zutrifft und demnach auch Leute, die eine solche Dekonstruktion für unpassend halten.

Man erreicht mit einer Dekonstruktion also nur diejenigen Rezipienten, welche eine ähnliche Auffassung von der Realität und von etablierten Klischees haben, also welche größtenteils dieselben Werke kennen, wie man selbst (was heißt, dass man eigentlich nur den Mainstream dekonstruieren kann). Eine Dekonstruktion spricht den von diesen Klischees saturierten und mit der Zeit genervten Rezipienten einfach aus der Seele. Die Große Beliebtheit, welcher sich NGE und Madoka und alle anderen erfreuen, verrät uns somit, dass viele Menschen die dort reflektierten Auffassungen von Klischees und Realität teilen.

Diesen Impact scheinen viele – und so auch der Ersteller dieses Bildes – ein wenig überzubewerten. Die verstehen dann die Dekonstruktionen als Revolutionen, nach denen die behandelten Genre oder Elemente komplett umgeworfen wurden und nie mehr so sein können, wie einmal waren. Ich verstehe die Notion, schließlich möchte man sich gerne einreden, dass das eigene Lieblingswerk die Welt verändert hat und dass dieses eine Element, für das man so viel Aufwand betrieben hat um es zu verstehen und beschreiben zu können, maßgeblich dazu beigetragen hat. Das wäre ja der Traum eines jeden Wissenschaftlers. Aber leider widerspricht das einfach den Fakten.

Dies hängt eng mit dem letzten Punkt zusammen, dass jeder eine eigene Auffassung von Klischees hat. Wer vertritt, dass eine Dekonstruktion eine Genre-Revolution ausgelöst habe, der besitzt praktisch die Auffassung, dass (nahezu) sämtliche Robot Anime vor NGE diesem Schema folgten und ab NGE dann so gut wie keiner mehr. Selbiges für die ganzen anderen Dekonstruktionen. Aber auch längst vor Madoka hat es schon ernstere Magical Girl-Serien gegeben (wie zum Beispiel Nanoha, welches auch verdammt beliebt ist) und es gab sicher auch schon vor NGE ernstere Robot-Anime. Und auch nach Madoka kann ich attestieren, dass es immer noch verdammt viele crappy kitschige Magical Girl-Serien gibt und ernstere MG-Serien wie MagiPro oder YuuYuu eher die Ausnahme bleiben. Nur fallen die dadurch eben stärker auf.

Wenn ich Magical Girl Google, fallen mir auch immer zuerst die Serien auf, die ich kenne.

Ich finde es halt enorm irritierend, wie Dekonstruktions-Anhänger sich auch gerne die Welt zurechtbiegen, um ihre Auffassung instand halten zu können und wie zum Beispiel jede Post-Madoka Magical Girl-Serie mit ein bisschen mehr Ernst dann einfach als eine schlechtere Imitation oder eine „Reaktion“ auf Madoka abgehakt wird, selbst wenn diese Serien eigentlich viel mehr leisten oder besser sind als Madoka. Das triggert mich genauso wie die unsinnige Behauptung, dass jedes stille, weißhaarige Mädchen einfach nur noch eine Kopie von NGEs Rei wäre und sie sich sich auch durch nichts anderes auszeichnen würden, als dies.

Genauso werden Serien, welche dieser Auffassung eigentlich komplett widersprechen, einfach weggedacht oder wegargumentiert mit der Begründung, diese Serien zählen nicht zu dem dekonstruierten Genre, eben gerade weil sie die in der angeblichen Dekonstruktion behandelten Merkmale bereits nicht beinhalten, sodass man sie als ein komplett eigenes, unabhängiges Subgenre auffassen sollte. Solid logic, right? Da wird die Tatsache, dass sich sonst ein Widerspruch mit der eigenen Auffassung ergibt, als Argument benutzt, um diesen Widerspruch beiseite zu schieben. Das ist, als würde Sherlock Holmes sagen:

Sherlock: The cuplrit is…this guy! He stabbed the victim at 5PM!
Watson: But Sir, this other person has already stabbed the victim 3 hours before that…
Sherlock: THAT DOESN’T COUNT!

Ein weiterer Punkt, den ich nicht so stehen lassen kann, ist dass der Ersteller des Bildes meint, die Dekonstruktion sei der „one defining trait“ von NGE, Madoka & Co. Damit spricht er diesen Werken jeglichen anderen Wert ab, was letztlich auch wieder nur die Hybris des Wissenschaftlers ist: Er hat in den Werken ein Merkmal gefunden und nun redet er sich gerne ein, dass dieses Merkmal das wichtigste Ding überhaupt ist.

Für mich ist das alles eine bloße Überschätzung von sogenannten Dekonstruktionen und eine ebenso heftige Unterschätzung von Genres und Werken an sich. Und damit kommen wir so langsam zu meinem Fazit, den ich aus diesem Bild herausnehme. Jeder Autor erstellt seine Werke basierend auf seinen Erfahrungen mit den Werken und Genres, die er kennt. Dabei übernimmt er auch Ideen und Elemente, die er mag und richtig findet oder bei denen ihm einfach keine sinnvollere oder bessere Alternative einfällt, und so entstehen Gemeinsamkeiten zwischen Werken, die wir bei regelmäßigem Auftreten als Klischees wahrnehmen.

Aber jeder Autor versucht auch, seine eigenen Ideen in sein Werk einzubringen. Niemand, wirklich niemand setzt sich hin und denkt sich: „Okay, jetzt mache ich einfach eine komplett standardmäßige Serie, wie es sie schon 500 mal gegeben hat und versuche auch absolut gar nichts irgendwie anders oder besser zu machen.“ Jedes Werk ist letztlich eine Auseinandersetzung mit bestehenden Werken und das gilt selbst für die X-te dumme Harem-Serie, die uns immer fast gleich vorkommen, und wenn es sowas ist wie „Okay, aber ich benutze wenigstens Stereotypen, die ich persönlich mag.“

Auch im Prinzip eine Harem-Novel mit einem Twist.

Das muss dann auch nicht wirklich etwas Neues sein, denn vielleicht kennt dieser Harem-Autor die Anime, welche ihm diese Stereotypen bereits bieten, einfach nicht, aber wir haben ja auch bei der Dekonstruktion schon festgestellt, dass es längst vor diesen schon Serien gab, welche ähnliche Merkmale aufweisen. Alles gab es irgendwo schonmal und wir können nie alle Werke kennen. Der Punkt ist, dass jedes Werk irgendwo versucht einen eigenen Twist oder ein eigenes Gewürz in die Formel zu geben und bestimmte Dinge anders oder besser zu machen als andere. Deshalb gibt es auch „das Genre“ oder „die typische Mecha-Serie/Handlung/Tsundere/wasauchimmer“ eigentlich gar nicht.

Das macht Dekonstruktionen dann letztlich auch nicht groß anders oder besonderer als andere Werke, schließlich ist Dekonstruktion auch nicht mehr als eine bestimmte Form dieses eigenen Gewürzes – auch wenn es letztlich vielleicht ein wohlschmeckenderes Gewürz ist als die attraktiveren Haremetten zu haben. Dennoch gibt es auch andere tolle Leckereien und der einzige Unterschied zwischen diesen und den hochgehypeten Dekonstruktionen ist eigentlich, dass in ihnen eine Auffassung von Genres vertreten wird, die von den meisten Menschen geteilt wird.

Das Wissen darum, was eine Dekonstruktion ist und wie sie funktioniert, halte ich für sehr interessant und erhellend und ich bin auch der Meinung, dass ich schon lange keinen so einsichtigen und informativen Artikel wie diesen geschrieben habe. Aber ich finde, man sollte dieses Konzept fallen lassen und es lieber so sehen, dass jedes Werk eine Auseinandersetzung mit bereits bestehenden Werken ist, und Dekonstruktion ist letztlich nur eine spezielle Form davon. Wer sich zu sehr darauf versteift, neigt nur dazu die in diesem Artikel beschriebenen Fehler zu machen: Nämlich dass man die Dekonstruktion als das Nonplusultra ansieht, anderen Werken ihre Leistungen nicht anerkennt und sich in eigene Widersprüche verstrickt bei dem Versuch, die eigene Auffassung aufrecht zu erhalten.

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4 Kommentare zu “Deconstructing Deconstruction

  1. Eisigerhauch sagt:

    Dekonstruktion ist viel mehr die Auffassung, dass ein Werk nicht naturalisiert – zum Standard – werden sollte, wenn es nicht natürlich ist. Dekonstruktion ist kein Genre sondern eine Betrachtung aus der Retrospektive.
    Um Dekonstruktion zu verstehen sollte man sich zunächst mit Hermeneutik auseinander setzen. Also das Auslegen und Betrachten von Werken anhand von Vorkenntnissen im Rahmen eines Raumes. Die Hermeneutik ist teleologisch und methodisch. In der Geschichtswissenschaft etwa werden Quellen in einem Kontext der Aktualität anhand einer ebenso Zweck orientierten Fragestellung untersucht und auch anhand ihrer Symbolik im Kontext der Kenntnisse der Gegenwart interpretiert. Anhand von Rekonstruktion von Sinn- und Bedeutungsschichten ist das Ziel der Hermeneutik das Entdecken von Struktur- “Gesetzlichkeit.“

    Die Dekonstruktion ist in dem Sinne die kritischste Möglichkeit sich mit einem Werk zu beschäftigen, es zu analysieren. D.h. Es wird nach Widersprüchen gesucht anstatt diese dispersiv umzuleiten; anstatt eine abschließende Deutung zu finden wird nach unterschiedlichen Deutungsmöglichkeiten geahndet; was ein Werk aussagt ist hier unwichtig, wichtig ist, wie es diese Aussage/n trifft; die Hierarchie von Zusammenhängen wird neu-geordnet; es wird nach den Bausteinen und deren Zusammensetzung gesucht – nach ersten Prinzipien (Metaphysik). Dabei ist die kritische Methode, also die Dekonstruktion, der entscheidende Punkt. Weil ich momentan in Sanderson’s Werke verliebt bin „Journey before destination.“
    Grammatik, Rhetorik, Semantik und Syntax bilden üblicherweise den Kern dieser Sprachphilosophischen Untersuchung.
    Ganz simpel gesehen ist Dekonstruktion die Offenlegung aller Positionen, über die Bausteine eines Werkes verfügen und eine neu Ordnung derer Hierarchien. Eine Interpretation gehört nicht – direkt – dazu, folgt jedoch in der Regel.
    Dekonstruktion fragt nach dem „Wie,“ dem „Wodurch,“ dem „Warum so,“ dem „Wo entsteht/gewinnt (etwas) Bedeutung“ und „welche Bedeutungsmöglichkeiten gibt es.“
    Man könnte auch sagen, dass die Dekonstruktion der destruktive Teil der Analyse ist, ohne die harmonische Sinnzuweisung.

    Eine Hauptproblematik von fach-ideologischen Begriffen wie „Dekonstruktion“ und „Hermeneutik“ ist deren vieldeutige Definition die i. d. R. Kontext gebunden ist. Allein in der Soziologie gibt es über 50 unterschiedliche „hermeneutische“ Ansätze. Derrida, der für die kontemporäre Auslegung von Dekonstruktion hauptverantwortlich ist hat, vehement, gegen eine einfache Definition der Dekonstruktion argumentiert.
    Wenn man mich nach einem Zweck der Dekonstruktion fragen würde, würde ich getreu meiner Agenda antworten: „Der Zweck der Dekonstruktion ist die Sicherstellung von einer Gegenposition welche absolute Begriffe nicht zulässt und sich gegen Erkenntnistheoretische Objektivität durchsetzt, generell die Existenz von gesichertem Wissen ablehnt. Sie legt alle Positionen und Perspektiven eines zu untersuchenden Gegenstandes dar.“

    • Baphomehmet sagt:

      Und jetzt bitte auf Normaldeutsch.

    • StarlinM00N sagt:

      Da sich diese Definition ja offensichtlich von der im Artikel unterscheidet, wenn wir da etymologisch vorgehen, glaubst du die Internet-Definition (meine Quelle ist ja das Bild, woher der wiederum seine Definition her ist, ist unklar, aber am Ende wird zumindest Derrida erwähnt) hat sich aus der Derridas herausgebildet (Polysemie), oder sind das vielmehr voneinander unabhängige Begriffe, welche zufällig den gleichen Namen tragen (Homonymie)? Ich würde da gerne eine Brücke schlagen und das versuchen zu verbinden anstatt gleich zu sagen, dass eine der Definitionen falsch ist.

  2. […] eben weil sie nicht ganz so extrem sind. Das hängt eng zusammen mit dem Problem, das ich schon in meinem letzten Artikel diskutiert habe, hier möchte ich aber noch ein Stückchen weiter gehen und spezifischer […]

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