Das Phänomen „Langweilig, aber gut“

Heute behandle ich ein etwas heikles Thema, das einigen von euch vor den Kopf stoßen könnte. Deswegen möchte ich mich vorweg entschuldigen und wenn ihr meine Meinung in diesem Artikel nicht teilt, können wir das gerne in Ruhe ausdiskutieren. Ich bitte sogar darum, denn es geht diesmal um eine Haltung, die ich noch nie nachvollziehen konnte und die mir auch noch niemand, der diese Haltung vertritt, anständig erklären konnte. Deswegen wäre jede Aufklärung diesbezüglich explizit erwünscht. Ich nenne dies das Phänomen „langweilig, aber gut“.

Wer meinen Blog schon länger verfolgt, kennt die Phrase vielleicht schon: In Starcharts bekritzele ich damit manchmal Serien, meistens in gelber Farbe. Aber vielleicht ist euch gar nicht bekannt, was ich damit meine, denn „langweilig, aber gut“? Wie passt das denn zusammen? Tja, genau das ist der Sinn dieses Artikels, denn aus meiner Sicht tut es das überhaupt nicht. Eine Serie, die beim Schauen nichts in mir auslöst, als mich zu langweilen, klingt für mich maximal nach Durchschnitt. Ich benutze diese Wendung ja, wenn mir bei einer Serie auf den ersten Blick keine nennenswerten Kritikpunkte auffallen, mich die Serie aber trotzdem die meiste Zeit gelangweilt hat. Ich mochte die Serie also nicht, kann meistens jedoch keine Argumente nennen, warum dies der Fall war.

Ich benutze diese Wendung also als eine Art subjektives Zugeständnis: Die Serie kann meinetwegen gerne ganz gut und toll sein, aber sie war ganz einfach nicht mein Fall. Die Sache ist, dass es gerade bei solchen Serien oftmals vorkommt, dass es Leute gibt, die sehr starke Gefühle zu diesen haben, also Sachen wie „anime of the season“ oder manchmal gar deren absolute „All-time favourites“. Wenn ich aber dann wissen will, was die Serien gut macht, läuft dies meistens so ab: Sie können dann sagen die Serie wäre total deep, realistisch und anspruchsvoll, aber wenn ich frage was daran so deep ist, geht es ihnen meistens genau so wie mir und sie können dann gar nicht sagen, was an den Serien überhaupt gut sein soll.

Was ich auch interessant finde, ist dass diese mir dann meistens Verständnis entgegenbringen, dass ich diese Serien langweilig fand, oder sogar selbst anmerken, dass die Serie auch mal „zäh“ oder anstrengend sein konnte. Und das finde ich doch sehr komisch, denn wie gesagt, ich finde, dass das nicht zusammenpasst, denn „zäh“ ist für mich alles andere als ein Qualitätsmerkmal und das sollte eigentlich auch niemand anders sehen. Klar kann eine ansonsten gute Serie auch mal ihre zähe Stellen haben, aber das ist es eben, diese Stellen sind dann nämlich die schwachen Momente und stellen einen Kritikpunkt dar, gut ist die Serie nur an den Stellen, wo sie eben nicht zäh ist. Und die Serie wäre ganz offensichtlich noch besser, wenn sie keine zähen Stellen hätte. Darüber können wir uns doch ganz sicher einigen, richtig?

Jetzt haben wir hier aber einen besonderen Fall, insofern, dass die Serie mit dem Prädikat „langweilig, aber gut“ meistens eben nicht nur ein paar zähe Stellen hat, sondern geradezu durchgehend zäh ist – und trotz allem werden diese Serien so oft so richtig in den Himmel gehoben. Wie kann das sein? Gibt es wirklich Menschen, denen es egal ist, ob sie eine Serie unterhalten hat, und die eine Serie auch dann noch hochleben und als Meisterwerk bezeichnen können, obwohl sie die Serie selbst total langweilig fanden? Die diese Langweiligkeit einfach entschuldigen, weil die Serie andere Sachen geboten hat, welche die Serie zwar keineswegs interessanter gemacht haben, aber halt deren Ideal von einer guten Serie entsprechen – welches aus irgendeinem mir nicht nachvollziehbaren Grund nicht beinhalten muss, dass die Serie einen mitreißt und fesselt?

Oder empfanden sie die Serie eben ganz anders als ich nicht langweilig, und haben an diesen Serien etwas gefunden, das sie selbst unterhält und das ich nicht sehe? Das muss es einfach sein, da die andere Lösung wirklich komplett unlogisch wäre, jedoch konnte bisher noch keiner dieser Menschen für mich in Worte fassen, was sie an diesen Serien so fasziniert hat und warum. Oft widersprechen sich diese Aussagen auch einfach und dann ist die Serie in dem einen Satz zäh und in dem anderen auf einmal wieder durchgehend spannend. Wie soll man das auch verstehen können?

Leider ist es auch gar nicht so einfach, diesen Menschen ihre tatsächliche Meinung zu entlocken. Ihr kennt das ja, wenn jemand eine Serie wirklich sehr mag, dann ist dieser jemand sehr schnell aufgebracht, wenn jemand seine Meinung darüber nicht teilt, und das ist keine sehr gute Grundlage für eine Diskussion. Allerdings ist die Antwort auf diese Frage – also ob der erste oder der zweite Absatz über dem Bild hierdrüber zutrifft – für alles weitere enorm wichtig, denn wenn andere Menschen etwas in einer Serie sehen können, was ich nicht gesehen habe, dann kann man dies in einer Diskussion aufklären, vielleicht sehe ich die Serie ja dann mit anderen Augen und kann ihr daraufhin auch etwas abgewinnen. Gerade das macht es extrem Schade, dass kaum ein Fan dieser Serien das anständig zu begründen weiß, denn wenn sie dazu in der Lage wären, könnten sie damit auch mal andere von ihrer Serie überzeugen. Wenn sie schon so auf eine Serie abfahren, dann sollte diese es ihnen auch Wert sein, dass sie die Mühe aufbringen, anständig für sie zu argumentieren. Sonst ignoriert oder gar verschmäht jeder diese Serien völlig zu Recht.

Wenn aber das andere der Fall ist – also wenn sie die Serie auch langweilig fanden, dies der Serie aber nicht negativ anrechnen wollen – dann kann ich dem nur mit voller Vehemenz widersprechen. Wenn eine Serie langweilig war oder langweilige Stellen hatte, dann ist das für die Serie ein Kritikpunkt, ganz unabhängig davon, wie die Serie geartet ist oder was sie erreichen wollte. Da kann eine Serie noch so genial und tiefgründig oder sonstwas sein – und wenn die Serie sowas ist, dann ist das definitiv etwas Gutes und der Serie auch anzurechnen – das entschuldigt allerdings keinesfalls, dass die Serie langweilig war. Begründungen wie „Die Serie war zwar langweilig, aber ich ziehe der Serie dafür keine Punkte ab, denn sie war erwachsen und anspruchsvoll“ sind nichts anderes als Doppelmoral und zu vermeiden. Ein Bewertungssystem hat versagt, wenn sie nicht auf alle Serien dieselben Maßstäbe anwendet, sonst schafft man sich das ideale Werkzeug, um willkürlich jeder Serie ihre Schwächen zu verzeihen bzw. anderen Serien ihre Stärken nicht anzuerkennen, nur weil man eine bestimmte Art von Serie mag und andere wiederum nicht. Das darf nicht sein, aus dem einfachen Grund, dass es auch Serien gibt, die sowohl intelligent als auch unterhaltsam sind.

Ich möchte dies mal an ein paar ausgewählten Serien veranschaulichen. Aktuell schaue ich die Serie Mushishi, eine Serie, die auf den ersten Blick den Eindruck einer „langweilig, aber gut“-Serie erweckt. Soweit ich es mitbekommen habe, befinden viele diese Serie auch für gut, allerdings scheint auch hier niemand so recht ausdrücken zu können, was die Serie so gut macht, jedenfalls hört man fast nichts darüber. Mir selbst fällt es auch ehrlich gesagt etwas schwer, die Stärken der Serie in Worte zu fassen, möglich ist es aber auf jeden Fall, wenn man es nur versucht. Langweilig finde ich die Serie jedoch überhaupt nicht.

Es gibt jedoch eine Sache, die mich an der Serie stört. Und zwar ist dies eine Ungleichbehandlung im Charakterdesign. Mushishi ist ja eine episodische Serie, in der der Hauptcharakter umherreist und Probleme mit den namensgebenden Mushi, also geisterartigen Wesen löst. Jede Folge tauchen also neue Charaktere auf und in fast jeder Folge kommt eigentlich ein kleiner Junge vor. Nur sehen sich diese Jungen so verdammt ähnlich, dass sie kaum auseinanderzuhalten sind, wirklich das Ganze geht so weit, dass es für mich und den Leuten mit denen ich die Serie zusammen schaue schon zu einem Running Gag geworden ist, dass wir jedes Mal sagen: Guck, es ist wieder derselbe Junge aus all den Folgen davor! Ernsthaft es könnte 1:1 derselbe Junge sein und man würde den Unterschied nicht merken.

Ihr haltet das vielleicht für ein marginales Problem, aber es ist tatsächlich eines. Es ist nämlich so, dass es in Mushishi auch immer wieder mal Charaktere gibt, die mehr als einmal auftauchen. Und diese sollte man dann auch wiedererkennen können, und das geht nunmal nicht, wenn man die Charaktere nicht optisch auseinanderhalten kann. In den ersten Folgen Mushishi hatte ich echt noch gedacht, dass das wirklich immer derselbe Junge ist und erkannte nach einer Weile erst, wie die Serie überhaupt abläuft. Das schwache Charakterdesign hat die Serie also dabei behindert, ihren Inhalt richtig rüberzubringen, davon abgesehen, dass es natürlich überhaupt keinen Eindruck hinterlässt, wenn alles gleich aussieht, und erst Recht keinen Positiven.

Das soll übrigens nicht heißen, dass Mushishi hässlich sei. Im Gegenteil, ich mag den Stil der Serie und finde, er schafft wunderbar Atmosphäre. Er wirkt sehr realistisch und erwachsen. Das halte ich dem Zeichenstil auch zugute. Und es ist tatsächlich so, dass mir einige der Charaktere sogar echt gefallen, es gibt nämlich auch fast in jeder Folge neue Mädchen oder Frauen und die sehen tatsächlich jedes Mal eindeutig unterscheidbar und gut aus. So wurde es auch in meiner Watch-Gruppe zum Brauch, dass wir jede Folge entscheiden ob das neue Mädchen das neue Best Girl der Serie wird oder nicht und glaubt mir, die Serie bietet da sogar echt viel.

Das heißt also, dass der Charakterdesigner von Mushishi entweder einfach gar nicht fähig ist, sich verschiedene Designs für Jungen auszudenken oder sich dabei absichtlich keine Mühe gibt. Das wäre eigentlich ironisch, dass ein Zeichenstil, der von vielen gerade deshalb gelobt wird, weil er nicht auf Moe und Eye Candy setzt, sich ausgerechnet nur bei den weiblichen Charakteren Mühe gibt, weil sie wissen, dass sich die Zuschauer eh wenn überhaupt nur für die Frauen interessieren und für die Jungen nicht. Und es ist auch nicht so, dass Jungen wirklich unwichtig wären für die Serie, denn wirklich 50% der Charaktere dieser Serie sind kleine Jungen und es gibt sogar eine Folge, wo man die den Protagonisten als kleinen Jungen sieht und war ohne Scheiß nicht von den Random Jungen der Serie zu unterscheiden.

Aber egal welchen Grund dies hat, es ist in jedem Falle eine eindeutige Designschwäche dieser Serie, welche sich auch negativ auf andere Aspekte der Serie auswirkt wie oben beschrieben. Wenn ihr meint, man darf den Stil nicht kritisieren, weil er realistisch und erwachsen ist und das ist einfach der Stil der Serie, dann liegt ihr falsch, denn der Stil kann auch realistisch und erwachsen sein und trotzdem etwas Variation im Design bieten, das schließt sich doch verdammt nochmal nicht aus! Das zeigt doch sogar die Serie selbst schon, denn wie gesagt, bei den weiblichen Charakteren haben sie dies ja auch geschafft. Und dass auch Jungen in einer atmosphärischen Serie mit realistisch-echten Charakteren verschiedene Designs haben können, zeigen z.B. Serien wie Uchouten Kazoku oder Kemono no Souja Erin.

Ich finde, dass dies ein weit verbreitetes Missverständnis ist, das oft mit dem „langweilig, aber gut“-Phänomen einhergeht. Viele Menschen haben einfach völlig unberechtigte, subjektive Vorbehalte gegenüber Serien mit einem, ich sage mal expressiven Zeichenstil, weil sie dies für ein Merkmal halten von Serien, die sich alleine mit einer visuell ansprechenden Präsentation verkaufen wollen, inhaltlich aber totaler Müll sind („sieht gut aus, aber nichts dahinter“). Solche Serien gibt es ohne Zweifel auch, aber mit dieser Logik werden dann dadurch auch Serien gemieden, die sämtliche Punkte erfüllen, welche diese Leute stetig hochleben lassen – Dinge wie gutes Writing, realistische, gut geschriebene Charaktere, philosophische Akzente oder gar eine triefgründige „message“ – und im Umkehrschluss entsteht der „langweilig, aber gut“-Hype bei Serien, welche diesen eigentlich gar nicht verdienen, sondern wirklich einfach nur langweilig sind.

Aus den Vorbehalten wird ein shortcut, nach dem die Serien eigentlich bewertet werden und dies ersetzt das Nachdenken. Eine Serie mit einem „erwachsenen“ oder „realistischen“ Stil wird dann automatisch für gut befunden und jede Serie, die irgendwie bunt oder flippig ist, will die Zuschauer nur mit ihrem Äußeren locken und kann inhaltlich deshalb ja nur Müll sein. Den Rest erledigen dann confirmation bias (lustiger: dies). Bei Anime wirkt sowas besonders einfach, schließlich kann man eine Serie nie vollständig erfassen und wenn man sich nur mit Serien tiefer beschäftigt, die einen „erwachsenen“ Stil haben, ist logisch dass einem diese Serien dann tiefgründig(er) vorkommen müssen.

Und dann ist auf einmal so etwas wie bunte Anime-Frisuren ein Kritikpunkt. Warum haben Charaktere in Anime wohl meistens so auffällige Frisuren? Eben gerade, weil man sich dadurch leichter an sie erinnert und einfacher unterscheiden kann. Es hinterlässt damit einen Eindruck. Dieses Merkmal erfüllt in Anime eine sinnvolle Funktion und das einfach so wegzunehmen, bewirkt meistens nichts Gutes, sondern lässt die Serie dann oft eintönig, monoton und langweilig wirken. Dass eine Serie auch mit bunten oder ausgefallenen Frisuren niveauvoll und erwachsen sein kann, beweist unter anderem ACCA und ebenfalls wieder Uchouten Kazoku. Und dass eine Serie einen realistischen Stil haben kann, die Charaktere aber trotzdem individuell und besonders aussehen können, sieht man unter anderem an Amagami SS (Achtung: Ich sage nicht, dass Amagami SS eine niveauvolle Serie wäre, lediglich, dass der Zeichenstil der Serie mit realistischen Designs auskommt). Auch Mushishi würde nur davon profitieren, wenn die Jungen in der Serie nicht alle gleich aussehen würden – ohne dass die Serie dazu ihren realistischen, erwachsenen Stil aufgeben müsse.

Aber nochmal zu den Serien, die Leute mit ihrem Design ködern wollen. Warum schaffen es diese Serien wohl, Leute mit ihrem Äußeren zu locken? Weil sie ganz einfach hübsch sind. Ein Lockeffekt kann nur funktionieren, wenn das, womit gelockt wird, Leute auch wirklich anspricht. Mit anderen Worten, jemand, der diese Haltung vertritt, gibt eigentlich zu, dass er diesen Stil selbst auch schön findet, benutzt diesen Umstand jedoch, als wäre es ein Kritikpunkt. Das ist einfach durch und durch falsch. Wenn wir ein und dieselbe Serie einmal mit einem schlechten und einmal mit einem guten Zeichenstil hätten, dann wäre die schönere Serie ganz eindeutig objektiv besser. Die Neuauflage von Kino’s Journey wird nicht alleine dadurch schlechter, dass sie einen moderneren Stil hat, sondern eher durch inhaltliche Veränderungen (die ich bei den Vergleichpunkten, die ich habe, größtenteils bestätigen kann). Dabei müssen wir aber aufpassen, dass wir nicht unseren confirmation bias erliegen.

Und das ist auch keine rein subjektive Entscheidung. Natürlich hat jeder was Zeichenstile angeht seine individuellen Vorlieben, und natürlich gibt es Zeichenstile, die einfach eine breitere Masse ansprechen, ohne dass wirklich dahinter mehr Arbeit steckt. Selbstverständlich spreche ich es auch niemandem ab, realistische Zeichenstile zu bevorzugen, wenn dies halt einfach seine persönliche Vorliebe ist. Aber bis zu einem gewissen Grad lässt sich die Qualität einer Zeichnung auch objektiv bestimmen. Wie bei alles im Leben gibt es immer einen objektiven und einen subjektiven Anteil, und der subjektive Anteil mag bei Zeichenstilen tendenziell größer sein als bei anderen Punkten, weil wir von Zeichenkunst einfach nicht so viel Ahnung haben, aber wenn in einer Zeichnung wirklich viel Blut und Schweiß und Liebe zum Detail steckt, dann merkt man auch als Nicht-Experte daran einen qualitativen Unterschied.

Auch für Kunst muss es objektive Kriterien geben, mit der man ein gutes von einem schlechten Kunstwerk unterscheiden kann. Man kann völlig objektiv sagen, dass die Gummiwirbelsäulen in Ballroom e Youkoso anatomisch nicht korrekt sind, und die Serie könnte auch wirklich einen zusätzlichen Anreiz haben, wenn die Charaktere beim Tanzen wirklich attraktiv aussehen würden. Genauso erkennt man einen Unterschied zwischen einer schlechten und einer guten Moe-Serie. Das ist vielen denke ich gar nicht bewusst. Damit die Mädchen in einer Moe-Serie auch wirklich maximal attraktiv aussehen, können sie die Zeichnungen nicht einfach lieblos hinklatschen, die Zeichner müssen dafür auch wirklich Talent haben und sich Mühe geben und Nachtschichten schieben, damit jede Zeichnung und jede Bewegung auch wirklich den gewünschten Effekt auf den Zuschauer hat. Und es wäre diesen gegenüber einfach unfair, diese Arbeit nicht entsprechend zu würdigen.

Niemand kann KyoAni absprechen, dass sie durchgehend hochwertige Zeichnungen und Animationen produzieren. Genauso erkennt man deutlich, dass der Optik in Eromanga-Sensei weit mehr Aufmerksamkeit gewidmet wurde als das für Animegataris oder Tesagure! Bukatsumono der Fall ist – über den Inhalt mag man denken, was man will, aber in dieser Hinsicht ziehen die Serien ganz eindeutig den Kürzeren. Und man erkennt am Endergebnis auch die Detailarbeit, die in den Zeichnungen meines Lieblingszeichners – Achtung, confirmation bias – stecken (Beispiel hier). Schwieriger wird ein Vergleich zwischen zeitlich weit auseinander liegenden Serien, weswegen ich auch nicht behaupten will, dass das neue Kino’s Journey besser aussieht als das Alte. Ich will nur sagen: Außerordentliche Arbeit erkennt man auch an der Qualität des Endprodukts, genauso erkennt man wenn gehetzt, geschlampt oder sich einfach nicht viel gekümmert wurde und das gehört dann auch in einer Bewertung mit berücksichtigt.

Aber bei einem Zeichenstil bzw. besser gesagt beim Design geht es nicht einfach nur darum, was besser aussieht. Die optische Präsentation muss den Inhalt einer Serie unterstützen. Anhand von Mushishi habe ich gezeigt, wie die Designschwäche der immer gleich aussehenden Jungen ein Problem in der Serie schafft. Gleichzeitig sorgt es natürlich dafür, dass einem die Jungen irgendwann alle gleich sind, weil sie nunja, eben wirklich nunmal alle gleich sind. Nun möchte ich dies mit einem positiven Gegenbeispiel ergänzen, wo die visuelle Präsentation die Serie beim vermitteln ihres Inhalts unterstützt. Und dieses Beispiel ist Shoukoku no Altair, dabei insbesondere die zum Zeitpunkt dieses Artikels jüngste Folge 16.

Shoukoku no Altair ist eine ernste Serie, in der es um Krieg, Diplomatie und Intrigen geht und die Serie nimmt diese Themen auch wirklich ernst und versucht sie realistisch, schlüssig und intelligent umzusetzen. In dieser Folge halten die Charaktere eine Konferenz ab, in der sie sich darüber beraten, wie sie gegen das feindliche Imperium vorgehen und wollen andere dazu überzeugen, ein Bündnis zu schließen. Die Lage ist halt wirklich ernst und die visuelle Präsentation der Serie ist auch in der Lage, diese Ernsthaftigkeit zu vermitteln: An den Charakteren, ihren Blicken, Gesten, auch an den Gestaltungen der Umgebungen und Räume.

Alles an der visuellen Präsentation der Serie drückt aus: Das, was hier gerade passiert, ist ernst und wichtig (ohne dass das einem die edge mit dem Holzhammer ins Gesicht geschlagen wird). Die Charaktere sehen ernst und wichtig aus, machen ernste Blicke und reden eben auch über wichtige und ernste Sachen. Erst durch diese Präsentation vermittelt die Szene das richtige Feeling. Würden die Charaktere einfach alle langweilig und gleich aussehen, wäre diese Folge einfach nur 20 Minuten langweiliges Gerede. Die ganze Serie würde dadurch viel eintöniger und langweiliger werden.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Es handelt sich hierbei schließlich um Anime. Bei einem Anime muss das, was man sieht und hört und das, was passiert ein vollwertiges, zusammenpassendes Ganzes ergeben. Stimmt einer dieser Faktoren nicht, so besitzt dieser Anime eine Schwäche und muss sich dementsprechend gegenüber den Serien, die diese Schwäche nicht haben, verantworten. Wenn die Präsentation einer Serie keinen Eindruck hinterlassen kann, dann macht es das auch für die Handlung einer Serie schwieriger, dies zu tun, da sie eben nicht visuell unterstützt wird. Das Ergebnis ist eine Serie, die „langweilig, aber gut“ ist. Auch in einer erwachsenen und realistischen Serie muss der Zeichenstil dem Zuschauer etwas bieten können. Es gibt genug Serien, die dies schaffen, und diese Serien haben dann den Serien, die das nicht tun, etwas voraus.

Es ist wie mit den Bildern in meinen Artikeln. Würde es nur um den Inhalt eines Artikels gehen, könnte ich auch einfach einen einzigen, zusammenhängenden Fließtext schreiben – den niemand lesen wollen würde. Deswegen gehören in jeden Artikel ein paar Bilder zur visuellen Auflockerung. Im Idealfall unterstützen diese Bilder sogar den Inhalt des Textes, aber dies geht leider nicht immer und im schlimmsten Falle sind unpassende Bilder immer noch besser als gar keine. Dennoch wäre der Artikel eindeutig objektiv besser, wenn die Bilder auch zum Inhalt passen. Genauso ist ein Artikel ganz ohne Bilder bedeutend schlechter, egal wie genial der Inhalt sein könnte.

Jetzt habe ich 3000 Wörter geschrieben und immer noch das Gefühl, nicht alles Notwendige gesagt zu haben. Was ich also sagen wollte, ist dass eine wirklich gute Serie Beides bieten muss, sowohl visuell als auch inhaltlich.  Eine Serie, die „langweilig, aber gut“ ist, ist schlechter als eine Serie, die spannend und gut ist. Weiterhin ist ein erwachsener oder realistischer Zeichenstil kein Merkmal einer guten Serie, es gibt ebenso Serien, die einen solchen Stil haben und trotzdem inhaltliche Probleme aufweisen, wie es gute Serien ohne einen solchen Stil gibt.

Was ich definitiv nicht sagen wollte, ist dass ich realistische Zeichenstile (oder deswegen irgendeine der hier erwähnten Serien) grundsätzlich hasse und dass ich Mushishi viel besser finden würde, wenn die Kids dort Yu-Gi-Oh!-Frisuren tragen würden. Aus diesem Grund habe ich extra Serien als Vergleichsmaterial hinzugezogen, die ebenfalls einen realistischen Stil haben, aber einfach gewisse Dinge besser gemacht haben als andere. Das eben auch durch Elemente, die diesen Serien häufig fehlen, ohne dass dies dem realistischen Stil irgendwie einen Abbruch getan hätte. Ich finde schon fast ideale Beispiele dafür sind Serien wie Uchouten Kazoku und Shirobako, die ein hohes Maß an Realismus erreichen, ohne in die „langweilig, aber gut“-Falle hereinzufallen.

Trotz allem besitzt das Thema noch einiges an Diskussionspotenzial und wenn euch danach ist, nur zu, sprecht euch aus. Hoffentlich bin ich euch mit diesem Artikel nicht irgendwo auf die Füße getreten, denn wie gesagt, es war keineswegs meine Absicht, realistische Zeichenstile oder irgendeine der Serien hier zu bashen. Ich habe lediglich am Beispiel von Mushishi ein Problem aufgezeigt und entsprechend begründet. Wenn ihr etwas dagegen sagen wollt oder gegen irgendeines anderem in diesem Artikel thematisierten Punktes, dann tut dies in aller Ruhe und wohlüberlegt. Ihr tut euch nur selbst einen Gefallen damit.

P.S.: Wie uneinig man sich über dieses Thema sein kann, zeigt unter anderem dieser Link. Jemand fragt nach erwachsenen Serien und bekommt dabei wirklich sehr unterschiedliche Antworten. Sicher werdet ihr beim durchscrollen dieser Antworten die eine oder andere Serie finden, welche eine Erwähnung in diesem Sinne aus eurer Sicht nicht verdient und wieder andere würden das bei ganz anderen Serien sagen.

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13 Kommentare zu “Das Phänomen „Langweilig, aber gut“

  1. Neuling sagt:

    Meine erste Frage an dich wäre wohl: Wieso ist Lain im Titelbild, wenn du dich aber im ganzen Artikel nicht einmal auf den Anime beziehst? Gerade mit dem Titel ist das ein ziemlicher Eye-catcher..

    Deinen Artikel habe ich für mich in drei Parts gegliedert («langweilig», Mushishi, Stil/Bilder) also will ich meine Antwort auch in diese drei Kategorien aufteilen:
    1) «langweilg»
    «Oder empfanden sie die Serie eben ganz anders als ich nichtlangweilig, und haben an diesen Serien etwas gefunden, das sie selbst unterhält und das ich nicht sehe?»
    Und ich denke damit sprichst du einen sehr zentralen Punkt an. Was langweilig ist und was nicht ist sicher sehr subjektiv. Abhängig von Faktoren wie Alter, Persönlichkeit, usw. kann die Bedeutung dieses Begriffs wohl unglaublich unterschiedliche Formen annehmen. Es ist schade, aber ich glaube du nennst in deinem ganzen Artikel keinen einzigen Anime beim Namen, wo du das Gefühl hattest er sei langweilig, deine Meinung sich aber vom Grossteil der Community unterschieden hat…
    Ich kenne Leute die fanden z.B. Monster langweilig. Das Pacing des Animes war ihnen schlicht zu langsam, die Characterdesigns zu trist, die Musik zu düster, usw. Ich kann keines der Argumente nachvollziehen, dennoch sehe ich ein, dass es subjektive Eindrücke sind, wobei dann noch die persönlichen Präferenzen dazukommen… Dazu kommt noch, dass der Begriff «langweilig» schon von absoluten Kleinigkeiten abhängen kann, wie z.B. ob ich heute eher ruhiger drauf bin, oder doch Lust auf Action habe.
    Ein anderes Beispiel, dass wohl so sehr polarisiert wie selten ein anderer Titel, ist Shouwa Genroku Rakugo Shinjuu. Die Rakugo welche im Titel vorkommen können zum Teil schon mal zehn Minuten gehen. Gefällt einem also Rakugo als Kunstform nicht, dann wird man hier hart an seine Grenzen kommen, auch wenn man das umgebende Drama vlt. sehr zu schätzen weiss.

    Dem grundsätzlichen Ton deines Artikels stimme ich aber zu, wenn ein Anime in einem gewissen Zeitraum langweilig war so ist das auf jeden Fall ein Kritikpunkt. Die Frage die man sich aber hier stellen kann, und über die es sich wohl auch lohnen würde zu diskutieren, ist wie schwer man diesen Kritikpunkt gewichtet. Wie schwer kreidest du z.B. deine Unzufriedenheit des Characterdesigners in Mushishi dem Gesamtwerk an?
    Als Beispiel lohnt sich hier vlt. ein Blick auf den Titel Steins;Gate. Ich habe schon oftmals gehört, dass Leute mit den ersten 7-10 Folgen des Animes überhaupt nichts anfangen konnte, ihn dann aber doch in ihrer Top10 stehen haben. Auf Nachfrage heisst es dann, dass der Titel danach so zu überzeugen wusste, dass man den langsamen Start einfach übersieht. In diesem Fall scheinen diese Leute also den Start sehr schwach zu gewichten, den Rest des Titels dann aber umgekehrt proportional dazu.
    An dieser Stelle sei aber gesagt, dass ich persönlich den Einstieg von Steins;Gate überhaupt nicht schlecht fand. Viel mehr hätte wohl vieles andere einfach in einer völligen Katastrophe geendet, da die Einführung der Charaktere in diesem Mass notwendig war um wirklich eine Verbindung mit ihnen aufzubauen, die dann im zweiten Teil ordentlich belastet werden kann.

    2) «Mushishi»
    Die Kritik am Charakterdesign der Jungen kann ich nur bedingt nachvollziehen. An dieser Stelle wäre es doch sinnvoll sich zu überlegen was man mit den Charakteren bezweckt und vlt. zu versuchen sich zu überlegen wieso man sich für diese Charakterdesigns entschieden hat.
    Ich denke es lohnt sich zu erwähnen, dass Mushishi ein Manga ist und soweit mir bekannt ist ein recht gut adaptierter. Insofern stammen also alle Charakterdesigns vom Mangaka selber und haben mit etwas Glück nicht allzu viele Veränderungen durchleben müssen für den Anime. Das bedeutet also, dass der Mangaka wollte, dass all die Jungs ähnlich aussehen. Wieso? Nun ich denke man könnte hier beim Punkt «realitätsnah» ansetzen. Es mag etwas komisch wirken dies bei einer Show wie Mushishi anzuführen, aber auch wenn es um Mushi geht hat sich der Mangaka recht viel Mühe gegeben das Japan aus der Vergangenheit einzufangen (ich will hier keine Jahreszahlen raten, dafür kenne ich mich schlicht zu schlecht in der japanischen Geschichte aus). Zu dieser Zeit werden insbesondere die Bauern auf dem Land nicht viel Geld gehabt haben, insofern macht es zumindest Sinn eine recht ähnliche, bescheidene (vlt. etwas verlumpte) Kleidung für die Kinder zu haben. Der nächste Punkt ist wohl, dass es schlussendlich nur eine begrenzte Anzahl an Formen und Gesichtern gibt, die nicht völlig übertrieben oder untypisch wirken. Man könnte jetzt anführen, dass es immer noch möglich ist die Charakter speziell zu machen, aber ich denke das ist eben stückweise auch gar nicht das Ziel.
    Ich könnte mir vorstellen, dass wir hier das Bild des Mushishi von den Menschen sehen. Soweit wir wissen zieht er schon seit Jahren durch die Welt und behandelt Menschen, er wechselt ständig Orte, hat also keinen wirklich festen Platz und sieht vor allem auch alle Personen die er kennenlernt nur sehr selten. Das Gesichter verschwimmen, wenn man nur flüchtig Bekanntschaft gemacht hat mit ihnen sollte nicht weiter überraschend sein und genau so kann ich mir vorstellen, dass wenn man einmal hunderte von Menschen behandelt hat die Gesichter der einzelnen Patienten alle etwas verschwimmen.
    Im Kontrast dazu stehen also in deinen Augen also die Frauen. Interessanterweise hast du aber in all deinen Bildern Frauen ausgewählt die von Mushi befallen worden sind und deshalb so aussehen. Sowohl die weissen, grünen Haare, die Hörner oder das leuchtende Mädchen im schicken Kimono sind alles von Mushi Befallene. Vergleicht man aber mal die «normalen» Frauen untereinander so scheinen sie mir nicht wirklich so einen grossen Unterschied im Charakterdesign aufzuweisen.
    Das bringt mich dann auch schon zum Punkt, dass man die Charakterdesigns der nicht-befallenen Bewohner wohl auch mit Absicht schlicht hält, um die Mushi etwas mehr zu betonen.

    Alles in allem würde ich also auf keinen Fall sagen, dass man sich hier keine Mühe bei den Designs gegeben hat, und auch nicht dass sie schlecht oder gescheitert sind, sondern viel mehr der Geschichte und dem Setting versuchen zu dienen.

    3)
    «Viele Menschen haben einfach völlig unberechtigte, subjektive Vorbehalte gegenüber Serien mit einem, ich sage mal expressiven Zeichenstil, »
    Und das ist ihr gutes Recht, oder nicht? Wenn mir der Stil von der Monogatari-Series nicht gefällt, dann kannst du auch noch 100 Mal kommen und sagen, dass er aber gut ist und der Titel eine super Story hat, usw. (btw. stimmt das nicht, ich finde den Stil klasse).
    Ich finde es auch nicht schön immer wieder lesen zu müssen, dass Titel wie z.B. «Yu Yu Hakusho» Kritik einfahren weil sie nicht so hübsch aussehen (oder schlecht animiert sein sollen, was gerade bei oben genanntem einfach nur eine unglaublich lächerliche Aussage ist). Nichtsdestotrotz steht es mir frei einen Anime auf das Äussere zu reduzieren, und falls mir dann die expressiven Zeichenstile nicht gefallen, ihn einfach als Schrott abzustempeln. Es ist ja nicht so, als würden Regeln existieren nach denen ich einen Titel zu bewerten habe.

    «und dann ist auf einmal so etwas wie bunte Anime-Frisuren ein Kritikpunkt. Warum haben Charaktere in Anime wohl meistens so auffällige Frisuren? Eben gerade, weil man sich dadurch leichter an sie erinnert und einfacher unterscheiden kann.»
    Und das reicht dir als Rechtfertigung? Ich persönlich empfinde sowas eher als ziemlich abschreckend. Wenn der Titel es nötig hat mich mit billigen visuellen Flashs an sich zu erinnern, hat er wohl das was ich mir in einem guten Titel wünsche sowieso nicht (Ausnahmen bestätigen die Regel, wie von dir genannt). Ich möchte vom Charakter der Figuren begeistert sein, der Geschichte, der Musik, der Animation oder zugegebenermassen den Charakterdesigns (was aber nicht bedeutet, dass flashy gleich gut ist). Tatami Galaxy wäre z.B. ein Titel den ich mir zu Beginn nur wegen der Animation und der Charakterdesigns angesehen habe…

    «Wenn wir ein und dieselbe Serie einmal mit einem schlechten und einmal mit einem guten Zeichenstil hätten, dann wäre die schönere Serie ganz eindeutig objektiv besser»
    Wieder so eine gefährliche Aussage.^^ Wie bewertest du denn «gut» und «schlecht»? Technik, Bedeutung im Kontext des Animes, oder vlt. doch eher ohne Kontext, aber sonst mit Interpretation? Wäre Tatami Galaxy besser hätte es einen etwas anime-typischeren Stil?
    Ich bin mir nicht sicher ob der Begriff «schöner» der richtige Ansatz ist um über den Stil zu sprechen, trifft es «passend» nicht besser (du sagst ja sogar in deinem Artikel selber, dass es den Titel unterstützen muss)? Solange der Stil zum Inhalt passt, ist er, zumindest für mich, sogar dem technisch überlegenen, vlt. hübscheren Stil vorzuziehen.

    Aber auch hier will ich sagen, dass ich nicht denke, dass unsere Meinungen soweit auseinandergehen wie es sich oben vlt. gelesen hat. Grundsätzlich stimme ich dir zu, dass die Qualität der Arbeit hinter dem Titel berücksichtigen sollte. Man muss aber auch wirklich betonen, dass das wirklich nicht einfach ist. Das Thema Animation ist z.B. so ein Gebiet, von dem so gut wie kein Animefan wirklich Ahnung hat, dennoch reden alle so darüber als wäre es das einfachste auf der Welt.

    Abschliessen möchte ich noch allgemein was zum Thema des Artikels sagen. «langweilig, aber gut» ist in meinen Augen eine ungünstige Formulierung bei der zumindest mir praktisch keine (im Moment gar keine, aber man will ja immer noch etwas Luft nach oben haben) Beispiele einfallen. Fast alles aus der Harem-Kategorie ist langweilig, aber in der Regel mindestens genauso schlecht. Insofern sehe ich in solchen Aussagen meistens eher einen etwas faulen Versuch einen Titel als gut dastehen zu lassen, auch wenn man nicht so recht weiss wieso….

    • StarlinM00N sagt:

      Achtung, ich warne gleich mal vor bedenklicher Kommentarlänge. Wenn du nochmal antworten möchtest, scrolle besser bis ganz runter anstatt auf „antworten“ zu klicken, sonst wird’s ziemlich eng im Kommentarfeld.

      „Und ich denke damit sprichst du einen sehr zentralen Punkt an. Was langweilig ist und was nicht ist sicher sehr subjektiv.“
      Sehr subjektiv, ja. Aber auch nicht ausschließlich. 24 Minuten auf einen komplett schwarzen Bildschirm zu starren ist langweilig, ganz egal, für wen. Spannung ist etwas, das erst einmal erzeugt werden muss, mit welchen Mitteln das getan wird und auf welche Weise, darin mögen sich Menschen dann unterscheiden. Der eine findet das spannend und der andere ganz andere Sachen.
      Komisch ist es aber, wenn ich und derjenige, der die Serie positiv vertritt, uns einig sind, dass die Serie langweilig war. Dann haben wir ja etwas, bei dem wir uns trotz unterschiedlicher Ansichten einig sind. Das legt dann nahe, dass es sich hier um einen weniger subjektiven Faktor handelt (ähnlich wie der schwarze Bildschirm – das, was Spannung erzeugen könnte, fehlt einfach).
      Ich würde es deshalb eher umdrehen wollen: „Langweilig“ ist nicht unbedingt primär subjektiv, „Spannung“ dagegen schon. Fehlt aber generell irgendetwas das Spannung erzeugt, lässt sich das schon als mehr bezeichnen als einfach einen Subjektiven Eindruck.

      „Es ist schade, aber ich glaube du nennst in deinem ganzen Artikel keinen einzigen Anime beim Namen, wo du das Gefühl hattest er sei langweilig, deine Meinung sich aber vom Grossteil der Community unterschieden hat…“
      Da glaubst du richtig, und ich muss an dieser Stelle bekennen, dass ich das mit Absicht gemacht habe. Ich wollte erst mal schauen, welchen Eindruck meine Leser von dem Thema bekommen, ohne dass ich explizite Titel nenne, ihnen damit womöglich auf den Fuß trete und eine automatische Abwehrreaktion auslöse. Und das war vielleicht etwas hinterlistig, aber es ist auch interessant zu sehen, was meine Leser von sich aus für Titel hier erwähnen und aus welchen Gründen.
      Ich bin auch etwas überrascht, dass der Artikel erfreulich viele Reaktionen bekommt, obwohl ich ihn absichtlich etwas zurückhaltend geschrieben habe. Nachdem das so gut funktioniert hat, will ich mich jetzt aber auch zu den Serien äußern, wenn sie gerade angesprochen wurden.

      „Ich kenne Leute die fanden z.B. Monster langweilig.“
      Monster ist für dieses Thema ein sehr spezielles (aber passendes) Beispiel, da jeder den ich kenne (mich eingeschlossen) das gleiche über die Serie aussagt: Während der Folge reißt die Serie einen durchaus mit und ist spannend, aber hat man nicht gerade erst eine Folge gesehen, fehlt einem die Lust auf die nächste.
      Monster wurde aber auch schon an anderer Stelle detailliert ausdiskutiert (Shino hatte vor kurzem einen Artikel dazu) und ich denke nicht, dass es hier an Charakterdesign oder Farbgestaltung oder Musikalische Untermauerung liegt (ich jedenfalls hatte kein Problem damit, wobei ich mir beim letzten Punkt etwas unsicher bin, da mir davon nichts im Kopf blieb), sondern eher daran, dass lange Zeit in der Serie der rote Faden verloren geht und man das Gefühl bekommt, unwichtige Filler zu schauen. Ich sehe das schon als ein Problem dieser Serie an, aber „langweilig, aber gut“ trifft es in diesem Fall nur bedingt.

      „Ein anderes Beispiel, dass wohl so sehr polarisiert wie selten ein anderer Titel, ist Shouwa Genroku Rakugo Shinjuu. Die Rakugo welche im Titel vorkommen können zum Teil schon mal zehn Minuten gehen. Gefällt einem also Rakugo als Kunstform nicht, dann wird man hier hart an seine Grenzen kommen, auch wenn man das umgebende Drama vlt. sehr zu schätzen weiss.“
      Hier muss ich aber zugeben, dass die Serie für mich definitiv in diese Kategorie zählt. Die erste Aufführung mochte ich noch, aber bei allen weiteren stellte sich bei mir Resignation ein. Man sah die Audienz auf bestimmte Weise reagieren und ich konnte einfach nicht nachvollziehen, warum sie auf den einen Gag mit Lachen und auf den anderen mit Langeweile reagierten. Das ergab für mich einfach keinen Sinn.
      Die Frage ist jetzt, kann man das wirklich einfach abstempeln mit „ich mag Rakugo halt als Kunstform nicht“? Das ist eine Erklärung, die einen einfach aus der Misere raushilft, aber irgendwie muss man auch entscheiden können, ob die Serie ihre Thematik gut oder schlecht umgesetzt hat. Ergeben die Reaktionen der Audienz vielleicht wirklich keinen Sinn? Das wäre dann mehr als ein einfach subjektives nicht-mögen.
      Ich denke diese Problematik ist der Kern für das Entstehen des „langweilig, aber gut“-Phänomens. Empfand man etwas als langweilig, dann neigt man auch nicht dazu, sich tiefer damit zu beschäftigen. Und dann geht man den einfachen Weg und sagt es wäre einfach nicht mein Ding und die Anhänger der Serie haben somit auch keinen Anreiz, Gründe für ihre Ansicht zu finden, da ihnen niemand Kontra gibt. (Mir ist das letzte Saison mit Fate passiert, da niemand sonst irgendeine der Serien geschaut hat und mir somit nichts im Weg stand, die Serie zu hypen) So entstehen diese zwei Lager, ohne dass eine Seite davon wirklich ein tieferes Verständnis von der Serie hat.

      „Dem grundsätzlichen Ton deines Artikels stimme ich aber zu, wenn ein Anime in einem gewissen Zeitraum langweilig war so ist das auf jeden Fall ein Kritikpunkt. Die Frage die man sich aber hier stellen kann, und über die es sich wohl auch lohnen würde zu diskutieren, ist wie schwer man diesen Kritikpunkt gewichtet. Wie schwer kreidest du z.B. deine Unzufriedenheit des Characterdesigners in Mushishi dem Gesamtwerk an?“
      Ein guter Punkt. Ich sagte ja, dass ich Mushishi nicht als „langweilig, aber gut“ bezeichnen würde und auch nur einige der Charakterdesigns als schwach… oder sagen wir inspirationslos bezeichnen würde. Es ist also nur ein Teil eines Einzelpunktes und das wiegt finde ich nicht besonders schwer. Würden aber alle Charaktere immer gleich aussehen, fänd ich dies schon ein nicht zu unterschätzender Kritikpunkt.
      Ich würde mich nur wehren gegen Aussagen wie (überspitzt dargestellt): „Ich akzeptiere dies als Kritikpunkt, wichte dies aber einfach als komplett unwichtig und damit ist der Kritikpunkt wieder weg muahahaha!“

      „Als Beispiel lohnt sich hier vlt. ein Blick auf den Titel Steins;Gate. Ich habe schon oftmals gehört, dass Leute mit den ersten 7-10 Folgen des Animes überhaupt nichts anfangen konnte, ihn dann aber doch in ihrer Top10 stehen haben.“
      Merkwürdig. Das wäre einer der letzten Titel, die ich als „langweilig, aber gut“ bezeichnen würde.

      „Auf Nachfrage heisst es dann, dass der Titel danach so zu überzeugen wusste, dass man den langsamen Start einfach übersieht. In diesem Fall scheinen diese Leute also den Start sehr schwach zu gewichten, den Rest des Titels dann aber umgekehrt proportional dazu.“
      Ich frage mich hier, wie das letztendlich gemeint ist. So wie ich das verstehe, finde ich das nicht so toll, aber vielleicht ist das auch einfach etwas unglücklich ausgedrückt.
      Wie oben schon gesagt, einem validen Kritikpunkt aus arbiträren Gründen eine unverhältnismäßig kleine oder gar Nullgewichtung zu geben, finde ich einfach nicht richtig, damit könnte man jedem Werk jede erdenkliche Wertung geben, die einem beliebt. Eine Gewichtung sollte schon zumindest fair sein.
      Jetzt hängt es hier aber davon ab, was hier der Fall ist. Wenn jemand sagt, dass die späteren Folgen einfach SO gut waren, dass sie den Anfang in jeder Hinsicht aufwiegen, finde ich das okay. Handhabt es jemand aber, ganz simpel ausgedrückt, so, dass er den ersten 7 Folgen 5/10 geben würde, den späteren aber 10/10, und er deshalb die ersten Folgen nach oben korrigiert oder einfach wegdenkt, obwohl er sie immer noch immer schlecht findet, macht derjenige etwas aus meinen Augen falsch.
      Anders ist es, wenn dieser jemand nach dem Schauen der späteren Folgen auch die früheren Folgen in einem neuen Licht sieht – wenn er also einsieht, dass auch die ersten Folgen ihren Sinn und Wert haben und derjenige diesen einfach nicht erkannt hat – dann hat die Serie ihn nämlich im Wahrsten Sinne des Wortes „überzeugt“. Wichtig ist nur, dass man stets seinen eigenen Empfindungen treu bleibt und sich nicht die Freiheit rausnimmt, Kritikpunkte die man selbst wahrnimmt und akzeptiert einfach „wegzugewichten“.

      „An dieser Stelle sei aber gesagt, dass ich persönlich den Einstieg von Steins;Gate überhaupt nicht schlecht fand. Viel mehr hätte wohl vieles andere einfach in einer völligen Katastrophe geendet, da die Einführung der Charaktere in diesem Mass notwendig war um wirklich eine Verbindung mit ihnen aufzubauen, die dann im zweiten Teil ordentlich belastet werden kann.“
      Ich sehe jetzt auch kein wirkliches Problem in den ersten Folgen. Der Anfang von S;G hatte genug Foreshadowing und andere Elemente, die einen bei der Stange halten konnten in meinen Augen. Definitiv nicht kann man die ersten Folgen der Serie als Filler bezeichnen, da es den Weg bereitet und es geht ja gerade in der zweiten Hälfte darum die Entwicklungen aus der ersten Hälfte wieder rückgängig zu machen. Ohne das hätte die Serie nicht nur schlechter, sondern überhaupt nicht funktioniert.

      Das zu Teil 1. Jetzt weiter mit dem Teil über Mushishi.
      „Insofern stammen also alle Charakterdesigns vom Mangaka selber und haben mit etwas Glück nicht allzu viele Veränderungen durchleben müssen für den Anime. Das bedeutet also, dass der Mangaka wollte, dass all die Jungs ähnlich aussehen. Wieso?“
      Dazu möchte ich erstmal kurz sagen, dass es generell erst mal egal ist, von wem die Designs kommen. Wenn ich also im Artikel schreibe:

      Das heißt also, dass der Charakterdesigner von Mushishi entweder einfach gar nicht fähig ist, sich verschiedene Designs für Jungen auszudenken oder sich dabei absichtlich keine Mühe gibt.

      Lässt sich das ebenso auf den Zeichner des Mangas anwenden wie auf einen Original-Charakterdesigner eines Anime.

      „Nun ich denke man könnte hier beim Punkt «realitätsnah» ansetzen.“
      Das ist genau die Art von Erklärung die ich als nicht ausreichend befinden würde und eigentlich auch schon im Artikel behandelt habe. Wenn ich mich an meine Schulzeit zurückerinnere hatte dort jeder ein individuelles Gesicht, das man von den anderen Kindern unterscheiden konnte – außer es waren halt mal Zwillinge. Das gleiche Ergebnis bekomme ich, wenn ich nach japanischen Kindern google. Realismus ist kein Grund dafür, dass alle gleich aussehen müssen. Und es gibt auch genug realistische Serien, in denen Kinder individuelle Merkmale aufweisen – in Erin gibt es zum Beispiel eine ganze Schulklasse und da waren mir keine Dopplungen aufgefallen. Wie hat man das erreicht? Da gab es mal dünnere, mal dickere Kinder, mal größere oder kleinere, mal welche mit Brille, mit glatten oder wuscheligen Haaren – alles Merkmale, die sich wunderbar mit Mushishis angestrebtem Stil vertragen und „realistisch“ sind. Im Gegenteil, es ist sogar vollkommen unrealistisch, dass die Kinder alle so gleich aussehen. Wo bleibt mein fettes Kind?

      „Das Gesichter verschwimmen, wenn man nur flüchtig Bekanntschaft gemacht hat mit ihnen sollte nicht weiter überraschend sein und genau so kann ich mir vorstellen, dass wenn man einmal hunderte von Menschen behandelt hat die Gesichter der einzelnen Patienten alle etwas verschwimmen.“
      Okay das dagegen ist ein Punkt den ich fast schon akzeptieren kann. Nur warum gilt das dann nur für die Kinder und selbst da nur für die männlichen? Auch erwachsene Männer sind in der Serie (bisher) gut unterscheidbar gewesen (es gab nur noch nicht so viele).

      „Interessanterweise hast du aber in all deinen Bildern Frauen ausgewählt die von Mushi befallen worden sind und deshalb so aussehen. Sowohl die weissen, grünen Haare, die Hörner oder das leuchtende Mädchen im schicken Kimono sind alles von Mushi Befallene. Vergleicht man aber mal die «normalen» Frauen untereinander so scheinen sie mir nicht wirklich so einen grossen Unterschied im Charakterdesign aufzuweisen.
      Das bringt mich dann auch schon zum Punkt, dass man die Charakterdesigns der nicht-befallenen Bewohner wohl auch mit Absicht schlicht hält, um die Mushi etwas mehr zu betonen.“
      Wenn du es so ausdrückst, ergibt das wirklich Sinn. Ich bin zwar der Ansicht, dass der Part mit „die normalen Frauen sehen auch alle gleich aus“ nicht wirklich stimmt, denn es gab auch schon ein Junge mit Hörnern und guess what, die Hörner sind sein einziges von den anderen unterscheidendes Merkmal. Genauso fallen mir 2 Frauen ein die nicht von Mushi befallen waren und trotzdem eigene Designs hatten. Würde die von dir genannte Logik hinter den Designentscheidungen stecken, hätte man die schon sehr inkonsequent umgesetzt. Aber ich habe auch noch nicht die ganze(n) Serie(n) gesehen und werde da mal jetzt drauf achten. Vielleicht kann ich dir da noch Recht geben.

      Nun also zum dritten Teil.
      „Nichtsdestotrotz steht es mir frei einen Anime auf das Äussere zu reduzieren, und falls mir dann die expressiven Zeichenstile nicht gefallen, ihn einfach als Schrott abzustempeln. “
      Es steht jedem frei einen bestimmten Stil zu mögen oder eben nicht. Aber wer meint, einzig und alleine daran sämtliche Qualitäten eines Werks festmachen zu können, muss es sich gefallen lassen, dass er damit schlichtweg Unrecht hat.

      „Es ist ja nicht so, als würden Regeln existieren nach denen ich einen Titel zu bewerten habe.“
      Es gibt aber einen Unterschied zwischen einer auf nachvollziehbaren Gründen basierenden Bewertung, die auch andere Ernst nehmen können, und einer vollkommen willkürlichen Bewertung, die dem Werk komplett Unrecht tut (in der einen wie anderen Richtung).

      „Und das reicht dir als Rechtfertigung?“
      Nein, tut es nicht, weil es im Vornherein gar nichts schlechtes ist und deshalb keiner Rechtfertigung überhaupt bedarf. Du würdest also kritisieren, wenn eine Serie von einem sinnvollen Element sinnvoll Gebrauch macht? Okay. Kann ich nicht akzeptieren.

      „Wenn der Titel es nötig hat mich mit billigen visuellen Flashs an sich zu erinnern, hat er wohl das was ich mir in einem guten Titel wünsche sowieso nicht (Ausnahmen bestätigen die Regel, wie von dir genannt).“
      Und das ist genau die Art von Vorurteil, die ich verurteile.

      „Ich möchte vom Charakter der Figuren begeistert sein, der Geschichte, der Musik, der Animation oder zugegebenermassen den Charakterdesigns (was aber nicht bedeutet, dass flashy gleich gut ist).“
      Aber das ist es doch dann eben. Ob die Charaktere dich begeistern, solltest du am Verhalten der Charaktere festmachen, die Handlung an den Entwicklungen und die Musik an der Musik – und nicht daran, ob der Stil den oberflächlichen Anschein erweckt, dass man es hier mit einer niveauvollen Serie mit realistischen Charakteren und einer durchdachten Handlung zu tun hat. Für nichts davon ist der Stil in irgendeiner Weise repräsentativ. „Die Serie muss realistisch sein, schließlich haben alle in der Serie die gleiche Frisur!“ ? Das möchtest du ja sicher nicht behaupten, oder?

      Tatami Galaxy wäre z.B. ein Titel den ich mir zu Beginn nur wegen der Animation und der Charakterdesigns angesehen habe…“
      Achja, und ein sich gerade dadurch von der Masse abhebender Stil ist wohl nicht aufmerksamkeitsheischend? Eigentlich würde ich gerade solche Stile eher als „flashy“ bezeichnen – den Begriff hast du gebracht, ich selbst würde den nicht in dem Kontext, den ich aufgeworfen habe, verwenden. Eben dadurch, dass er eindeutig negativ konnotiert ist. Was gilt denn als „flashy“ für dich? Ist Monogatari denn nicht „flashy“? Ist der Zeichenstil von SAO „flashy“? Oder die KyoAni-Designs? Was ist bitte „flashy“ an einer 08/15 Harem-Serie, von der jede genau wie die andere aussieht?
      Ich meine, und das ist hoffentlich auch in meinem Artikel durchgeschienen, ich will ja nicht sagen jeder Anime sollte Kunterbunt sein wie Urahara und man muss es auch nicht so übertreiben wie die Frisuren in Yugioh „einfach nur weil“. Man sollte seine Designs immer danach wählen, was man mit ihnen bezwecken will. Es gibt Ziele, die man nur oder am Besten mit bestimmten Mitteln erreichen kann. Wenn ich jetzt für mich entscheide, dass ich meine Serie komplett in Schwarz-Weiß halten möchte, weil das einfach cool und anders wäre, dann verbaue ich mir damit ein ganzes Spektrum an Farbsymbolik, die ich für mein Werk sinnvoll einsetzen könnte und stünde damit in diesem Punkt sogar jeder noch so dämlichen Haremserie hinterher, die wenn schon sonst nichts meistens wenigstens das einigermaßen sinnvoll einzusetzen wissen. Und da sollte man sich fragen, ist es das dann Wert? Kann ich mein Ziel nicht auch anders erreichen, ohne dass ich dadurch an anderer Stelle etwas einbüßen muss? Und genau dies ist das, worauf ich hinauswill. Realismus lässt sich auch erreichen, ohne dafür Monotonie in Kauf nehmen zu müssen, und eine Serie, die das nicht schafft, hat gegenüber denen die dies tun schlichtweg das Nachsehen.

      Und weil du Tatami Galaxy erwähnst – leider keine Serie, die ich geschaut habe, weswegen ich auch nicht aussagen kann ob sie in die „langweilig, aber gut“-Falle tappen würde oder die von mir beschriebenen Fehler macht. Ich habe nur mal kurz nach der Serie gegoogelt und ich entschuldige mich dafür, aber das Bild muss ich an dieser Stelle einfach mal einbinden, ohne dass ich das hier wirklich ernsthaft auf dich beziehen möchte:

      „Wieder so eine gefährliche Aussage.^^ Wie bewertest du denn «gut» und «schlecht»? Technik, Bedeutung im Kontext des Animes, oder vlt. doch eher ohne Kontext, aber sonst mit Interpretation? Wäre Tatami Galaxy besser hätte es einen etwas anime-typischeren Stil?“
      Das könnte ich nur bezogen auf einen Einzelfall beantworten. Da ich Tatami Galaxy nicht kenne, kann es hierfür nicht dienen, aber ich würde das ganz einfach auf meine bisherigen Aussagen beziehen. In dem Falle hätte also ein Mushishi, in dem die Jungen eben nicht alle gleich aussehen, sämtliche anderen Variablen aber völlig unberührt bleiben, einen besseren Stil als das Mushishi, das wir tatsächlich haben.

      „Ich bin mir nicht sicher ob der Begriff «schöner» der richtige Ansatz ist um über den Stil zu sprechen, trifft es «passend» nicht besser (du sagst ja sogar in deinem Artikel selber, dass es den Titel unterstützen muss)?“
      Wer Kunst bewundert, erfreut sich auch an der Schönheit des Werks. Was mich visuell anspricht, trägt auch zur Unterhaltung des Anime bei. Im Idealfall ist ein Stil deshalb passend und schön. Warum sollte man sich da entscheiden müssen, wenn einfach beides geht? Ob einem jetzt die Schönheit oder die Funktion wichtiger ist, ist wieder eine Frage der Gewichtung. Egal ist aber beides nicht und wie im Artikel beschrieben ist Schönheit auch keine reine Frage des Geschmacks.

      „Aber auch hier will ich sagen, dass ich nicht denke, dass unsere Meinungen soweit auseinandergehen wie es sich oben vlt. gelesen hat.“
      Also, erst hatte ich da auch nicht so den Eindruck, als ich mich dann aber zum Beantworten genauer mit deinen Punkten beschäftigt habe, musste ich doch bei vielem mit Nachdruck widersprechen. Das hat mich zu dem Gif da oben verführt, aber wie gesagt, es war nicht ernst gemeint.

      „Man muss aber auch wirklich betonen, dass das wirklich nicht einfach ist. Das Thema Animation ist z.B. so ein Gebiet, von dem so gut wie kein Animefan wirklich Ahnung hat, dennoch reden alle so darüber als wäre es das einfachste auf der Welt.“
      Ich bin mir nicht ganz sicher, worauf du hinauswillst an dieser Stelle. Ich würde aber sagen genau für sowas existieren dann Diskussionen, die einen bei den eigenen Verfehlungen auf die Rechte Bahn lenken.

      Was Animationen angeht sehe ich ich jetzt auch nicht als Expertin, aber ich sehe mich zumindest fähig, unterscheiden zu können zwischen „durchschnittlich“, „gut“, „richtig gut“ und „schlecht“ sowie „richtig schlecht“. Falls es dich interessiert, ich habe vor drei Jahren mal einen Artikel über Animationen gemacht – aber nach dem durchlesen ist er mir dann doch zu peinlich, um ihn hier zu verlinken.

      “ Insofern sehe ich in solchen Aussagen meistens eher einen etwas faulen Versuch einen Titel als gut dastehen zu lassen, auch wenn man nicht so recht weiss wieso….“
      Ich wollte es ja nicht direkt aussprechen, aber ich denke mir auch manchmal: Vielleicht wissen diejenigen ja einfach keine Gründe, warum die Serie gut ist, weil sie einfach keine haben?

      Zum Schluss wollte ich noch etwas zu Lain aussagen, allerdings ist dieser Kommentar inzwischen schon so viel Arbeit geworden, dass ich das auf ein andernmal verschieben möchte. Erinnere mich am besten nochmal daran.

  2. Kero sagt:

    Da ich zumindest deine Kino no Tabi Kommentare aktiv verfolge und seit neustem deinen Blog verfolge, schreibe ich auch mal was.
    Dieses Phänomen „Langweilig, aber gut“ würde ich auf der anderen Seite verteidigen wollen. Aber ich will nicht ausschließen das Ästhetik gar keine Rolle spielt. Ich bin jedoch der Meinung, dass One Piece ein perfektes Beispiel für unser Problem ist. Ich muss gestehen, ich habe nur ca. 250 Folgen gesehen. Jedenfalls dieser Anime ist in Akten unterteilt. Und meistens merkt man „ah dieser Akt ist langweilig“ kann den skippen und den nächsten schauen. Wäre ja ein negativer Punkt aus deiner Sicht oder nicht?
    Ich würde behaupten, wenn es diesen Akt nicht gäbe, würde die „Epicness“ bzw. der große Fight danach einfach lächerlich sein. Es würde ja bedeuten, dass Luffy ständig zum nächsten krassen Fight hinlaufen würde und die einst große Welt wird wie ein Super Mario Level dargestellt. Derjenige der überspringt verpasst einfach was, maybe Charakterentwicklung oder neue Charaktere die später Einfluss nehmen. Der andere erlebt wirklich Luffys Geschichte von Anfang bis Ende. Man fühlt sich dabei, weil die nächste Insel alles sein kann. Das macht die Serie so positiv.
    Aber was meiner Meinung nach gar nicht geht sind Erinnerungsfolgen, weil diese gar kein Mehrwehrt haben. Leider hat „Phantom: Requiem for the Phantom“ zwei davon.
    Jetzt ist halt die Frage, ob man diese zwei Folgen in die Wertung mit einbezieht oder sie davon ausschließt. Ich finde solche Folgen können als optional betrachtet werden. Vor allem ich, der eine Serie gerne mehrmals anschaut, profitiert davon zu wissen, welche Folgen Filler sind. Aber bevor ich falsch verstanden werde. Wenn sich die Erinnerungsfolge überhaupt nicht anbietet geskippt zu werden, dann ist das negativ aufzuführen. Bei Naruto ist ja gerne mal so, dass die ersten paar Minuten noch Handlungen geschehen. Dann würde ich schon eher hingehen und sagen hier werde ich gezwungen und das zieht die Serie runter.
    D.Gray-Man möchte ich auch noch mit aufführen, aber es nicht mehr dieses „langweilig, aber gut“ sondern „irrelevant, aber witzig“ (gehören etwas zusammen die zwei). Sicherlich wisst ihr, dass Komui diese Roboter gebaut hat, um Lenalee zu schützen. Ich fand die Folge einfach so geil, als Lenalee ein Geschenk kaufen wollte und ihr Bruder nebenbei die halbe Stadt zerlegt. Aber seien wir mal ehrlich, bezüglich der gesamten Story ist das einfach nur irrelevant.
    Jetzt kann aber son anderer Kero daherkommen und sagen, dass die Folge aus seiner Sicht total langweilig war und will da jetzt an der Wertung sogar Punkte abziehen. Hier beginnt eine Diskussion um Humor, die gar nicht objektiv bestritten werden kann. Und zu sagen „ja ist doch egal, die Folge ist ein Filler“ ist meiner Meinung auch nicht richtig, weil eine gute Filler Folge unterhaltet und außerhalb der eigentlichen Story Mehrwert bietet. Das sich jemand davon gelangweilt fühlt kann ja sein, aber es ist ja nicht direkt schlecht. Vor allem wenn es einen gefallen hat wertet das die Serie ja automatisch mit auf.
    Man könnte sagen, ich rede hier lediglich über Filler, aber ich finde grade bei solchen Folgen geht die Community sehr weit auseinander. Deswegen soweit mein Standpunkt.

    „Die Neuauflage von Kino’s Journey wird nicht alleine dadurch schlechter, dass sie einen moderneren Stil hat, sondern eher durch inhaltliche Veränderungen (die ich bei den Vergleichpunkten, die ich habe, größtenteils bestätigen kann).“
    Ich will hier mal anmerken, dass die Qualität in punkto Animation etc. sich verbessert hat, aber gleichzeitig durch den neuen Stil, aber sich vom Ursprungswerk entfernt. Der noch deutlich grauere Ton der Serie und der starken Soundeinblendungen, wie wenn Kino die Waffe zieht, geben dem Zuschauer eine unglaubliche Atmosphäre.
    Vor allem diese Ausstrahlung und normalen Umstände von Kino macht ihren Charakter so aus, aber wenn man das wegnimmt bleibt wenig übrig, wo ich dann sagen würde, dass das schlecht ist. Der Stil der neuen Serie ist durchweg zu bunt/farbig, das Tückische am Reisen ist kaum mehr im Fokus. Alleine die Vorstellung Kino könnte tatsächlich noch sterben, steht gar nicht mehr zu Option, weil die Visuelle Darstellung dem Zuschauer dieses Gefühl nicht bietet. Vor allem wird da alles verstärkt durch die inhaltliche Darstellung der Serie.

    • StarlinM00N sagt:

      „Ich bin jedoch der Meinung, dass One Piece ein perfektes Beispiel für unser Problem ist. Ich muss gestehen, ich habe nur ca. 250 Folgen gesehen. Jedenfalls dieser Anime ist in Akten unterteilt. Und meistens merkt man „ah dieser Akt ist langweilig“ kann den skippen und den nächsten schauen. Wäre ja ein negativer Punkt aus deiner Sicht oder nicht?“
      Ich bin mir da nicht wirklich sicher. Es geht um Filler, oder? Ich hatte nicht direkt Filler im Sinn beim schreiben des Artikels, ich denke aber das Gefühl, dass es in der Hauptstory nicht weitergeht bzw. alles was man schaut gerade irgendwie irrelevant ist stark beitragen kann zu einer sich entwickelnden Langeweile (wie es z.B. bei Monster der Fall ist). Ich denke aber eben nicht, dass man sowas dann aber mit „[…] aber gut“ attribuieren würde, denn wer findet Filler denn gut?
      Ich kenne One Piece aber nur aus vereinzelten Folgen und kann deshalb nicht wirklich was dazu beitragen.

      „Ich würde behaupten, wenn es diesen Akt nicht gäbe, würde die „Epicness“ bzw. der große Fight danach einfach lächerlich sein. Es würde ja bedeuten, dass Luffy ständig zum nächsten krassen Fight hinlaufen würde und die einst große Welt wird wie ein Super Mario Level dargestellt.“
      Also wenn du das so ausdrückst fände ich das eigentlich echt hype. Also wenn es nur von einem coolen Fight auf den nächsten geht, das klingt eigentlich genau wie was ich in so eine Serie sehen wollen würde.
      Und ich spiele gerade ein Super Mario und finde die Level dort echt genial…also ich weiß nicht so Recht was du mit diesem Vergleich bezwecken willst.

      „Der andere erlebt wirklich Luffys Geschichte von Anfang bis Ende. Man fühlt sich dabei, weil die nächste Insel alles sein kann. Das macht die Serie so positiv.“
      Ich verstehe schon, was du meinst, dass es einfach unrealistisch wäre, wenn es nur eine Superlative gibt. Aber ich weiß nicht ob es schlau ist, sich absichtlich zu beschränken und ein paar Folgen langweilig zu machen, weil das einfach realistischer ist. Deswegen ist es ja Fiktion, damit es eben besser als die Realität sein kann. Man kann auch sagen die Superkräfte machen es weniger realistisch, aber sollte man sie deswegen rausnehmen?
      In einer Endlosserie kann man es sich vielleicht leisten, aber wenn man auf 12 oder 24 Folgen beschränkt ist, würde ich mich schon bemühen dem Zuschauer so viel wie möglich zu bieten.

      „Jetzt ist halt die Frage, ob man diese zwei Folgen in die Wertung mit einbezieht oder sie davon ausschließt. Ich finde solche Folgen können als optional betrachtet werden. “
      Ich würde das am Einzelfall festmachen…es gibt auch Rückblicksfolgen, die sogar echt gut gemacht sind oder wo sich die Produzenten zumindest Mühe gegeben haben, sodass es mehr als einfach ein Zusammenschnitt von bereits gesehenen Szenen sind. (Ich wüsste Onmyouji als Beispiel, weiß aber nicht mehr welche Folge)
      Oft ist sowas aber auch einfach eine Notlösung, weil das Studio die eigentliche nächste Folge nicht rechtzeitig fertig bekommen haben und sich einfach eine weitere Woche Zeit damit erkaufen möchten. Sowas würde ich dann schon kritisieren, zumal es dann überhaupt keine Funktion für die Serie erfüllt.

      D.Gray-Man möchte ich auch noch mit aufführen, aber es nicht mehr dieses „langweilig, aber gut“ sondern „irrelevant, aber witzig“ (gehören etwas zusammen die zwei).“
      Das wäre dann praktisch ein Umkehrbeispiel, weswegen ich langweilige Filler auch immer kritisieren würde, denn Filler können auch etwas bieten, ohne die Handlung voranzubringen und das sehe ich dann zweifellos besser als langweilige Filler an.

      „Und zu sagen „ja ist doch egal, die Folge ist ein Filler“ ist meiner Meinung auch nicht richtig, weil eine gute Filler Folge unterhaltet und außerhalb der eigentlichen Story Mehrwert bietet.“
      Ja genau das.

      Deinen Ausführungen zu Kino’s Journey stimme ich wiederum durchgehend zu. Das ist ein ziemlich gutes Beispiel dafür, wie der Stil einer Serie den Inhalt unterstützen kann (und sollte).

      • Kero sagt:

        „Ich bin mir da nicht wirklich sicher. Es geht um Filler, oder? Ich hatte nicht direkt Filler im Sinn beim schreiben des Artikels, ich denke aber das Gefühl, dass es in der Hauptstory nicht weitergeht bzw. alles was man schaut gerade irgendwie irrelevant ist stark beitragen kann zu einer sich entwickelnden Langeweile (wie es z.B. bei Monster der Fall ist). Ich denke aber eben nicht, dass man sowas dann aber mit „[…] aber gut“ attribuieren würde, denn wer findet Filler denn gut?
        Das wäre dann praktisch ein Umkehrbeispiel, weswegen ich langweilige Filler auch immer kritisieren würde, denn Filler können auch etwas bieten, ohne die Handlung voranzubringen und das sehe ich dann zweifellos besser als langweilige Filler an.“

        Ich würde die zwei Aussagen dann einfach zueinander Stellen. Ich finde, die heben sich gegenseitig ganz gut auf. Weil, wenn ein Filler mehr bieten kann, dabei nicht mal langweilig ist, dann muss/kann es ja gut sein.
        Dieses „Gut“ würde aber im Auge des Betrachters liegen, weil der Mehrwert subjektiv vom Zuschauer wahrgenommen wird. Dieses „Langweilig, aber gut“-Phänomen würde dann hier reinpassen. Ein Filler kann langweilig sein für den ein oder anderen, aber muss keines Wegs schlecht sein.

        „Also wenn es nur von einem coolen Fight auf den nächsten geht, das klingt eigentlich genau wie was ich in so eine Serie sehen wollen würde.“

        Nicht nachvollziehbar. Ich finde, dass dieses Prinzip verdammt langweilig bzw. nichts Besonderes zu bieten hat. Die Serie gibt sich ja dann nicht mal, rein theoretisch, die Mühe eine andere Art von Spannung aufzubauen (vereinfacht gesagt).
        Ich möchte mal eine weitere Serie heranziehen „Zetsuen No Tempest“. Ich weiß jetzt nicht, ob du das gesehen hast, aber man kann die Diskussionen in dieser Serie als total langweilig oder als verdammt awesome bezeichnen. Der Wechsel zwischen Gut und Böse und damit die Entscheidung „Untergang der Welt oder nicht“ ist unglaublich super in Szene gestellt. Es ist rein vom Dialog ein super cooler Fight, aber halt verbal.
        Vielleicht klickt es jetzt mehr. Zumindest möchte ich sagen, dass ein Fight ziemlich subjektiv als spannend oder langweilig empfunden wird, aber die Inszenierung kann man trotzdem als gut ansehen.

        „Und ich spiele gerade ein Super Mario und finde die Level dort echt genial…also ich weiß nicht so Recht was du mit diesem Vergleich bezwecken willst.“
        Der Vergleich mit Super Mario war damit zu begründen, dass One Piece an sich eine riesige Welt hat, aber Marios Welt sehr beschränkt ist. Vor allem die 2D Mario Spiele sind sehr schematisch. Beispiel wäre die normale erste Welt und daraufhin die Wüste-, Wasser-, Dschungellandschaften etc. One Piece hingegen schafft es viele Elemente miteinzubauen die teilweise absurd, verrückt oder unglaublich sein können. Es kombiniert dann auch teils diese Elemente und erzeugt damit eine Welt, die Super Mario so gar nicht bietet. Vielleicht ist es unfair ein Spiel grade mit einem Anime zu vergleichen. Es ging mir aber lediglich darum, dass die Größe der Welt von One Piece einfach gigantisch ist und diese ein wichtiger Faktor für die Serie ist. (aber anderes Thema)

        „Ich verstehe schon, was du meinst, dass es einfach unrealistisch wäre, wenn es nur eine Superlative gibt. Aber ich weiß nicht ob es schlau ist, sich absichtlich zu beschränken und ein paar Folgen langweilig zu machen, weil das einfach realistischer ist. Deswegen ist es ja Fiktion, damit es eben besser als die Realität sein kann. Man kann auch sagen die Superkräfte machen es weniger realistisch, aber sollte man sie deswegen rausnehmen?“

        Man muss sich ja gar nicht beschränken, jedoch macht man sich das Leben damit einfacher (Von Superlative zu Superlative). Wenn ich sage, ich habe einen Helden, dann kämpft er gegen diese Super Schurken und danach gegen den und den. Kann man zwar machen, aber ganz ehrlich ist das noch spannend? Die Fights können cool inszeniert sein und vielleicht habe ich auch meine Freude dran. Doch, fühlt sich ein Kampf für mich immer entschieden an.
        Dragonball fand ich als kleines Kind immer super cool, aber jetzt finde ich es langweilig. Die coolen Fights würde ich mir heute noch geben, aber das Prinzip, also der Kern, funktioniert nicht mehr. Dieses Schema „Gut gegen Böse“ hat sich einfach abgenutzt. Vielleicht ist es nur ein subjektives Empfinden.

        „Oft ist sowas aber auch einfach eine Notlösung, weil das Studio die eigentliche nächste Folge nicht rechtzeitig fertig bekommen haben und sich einfach eine weitere Woche Zeit damit erkaufen möchten. Sowas würde ich dann schon kritisieren, zumal es dann überhaupt keine Funktion für die Serie erfüllt.“

        Ein fundamentales Problem der Anime-Industrie, finde ich.

  3. Eisigerhauch sagt:

    Von Neuling:
    „Dazu kommt noch, dass der Begriff «langweilig» schon von absoluten Kleinigkeiten abhängen kann, wie z.B. ob ich heute eher ruhiger drauf bin, oder doch Lust auf Action habe.“
    Dazu ist es noch ein Begriff der überwiegend negativ konnotiert ist, aber eben nicht notwendigerweise. Langweilig kann auch einfach heißen: von einem als langsam empfundenen Tempo.
    Das ist nicht schlecht. Es gibt viele Augenblicke während denen ich mir denke: Nur noch ein bisschen länger, gib mir mehr Zeit – lass die Zeit langsamer vergehen.

    Langweilig und gut – was heißt das überhaupt? Darauf bist du zwar eingegangen, hast aber schließlich weder eine Definition, noch ein dazu passendes Fazit geboten. Gut, Shirobako ist nicht langweilig und gut.
    Beschreibung steht Tempo direkt gegenüber. Ein detailliert geschriebener Epos, über sonderliche Phantasmen – die das alte Reich stürzen werden, ist nicht unbedingt schlechter als ein schneller, und dialoglastiger Thriller.

    Bei dem Aussehen der Figuren schließe ich mich Neuling an.
    Nehmen wir als Beispiel Shoukoku no Altair. Hier haben wir eine zusammengeschusterte Menge von historische inspirierten Reichen. Dem Sultanat der Rum-Seldschuken, dem Phönizier-Reich, dem Osmanischen Imperium, Österreich-Ungarn, dem Heiligen Römischen Reich Teutscher Nationen, der Republik Venedig, Tunesien, den Barbaresken-Piraten der Maghreb, Arkadien und vielen mehr.
    Jede Fraktion hat Kleidung die sie, unverzüglich, mit grellen Farben ausweist. Als Historiker stört mich das Aussehen von vielen Figuren und Gruppen. Ich sehe jedoch den Nutzen, sehe wie die Narrative durch diese Gestaltung unterstützt wird. An manchen Stellen denke ich mir „oh, hier ist das gut gelungen“ an anderen denke ich mir „könnte man das noch besser karikieren?“
    Obwohl er mir nicht gefällt, empfinde ich den Stil als eher gut gewählt, schade nur, dass wir nicht mit Zeichnung in der Qualität des zweiten eds beschenkt werden. Wäre aber auch für eine TV-Ausstrahlung sehr aufwendig.

    Gut und von langer Weile:
    Es gibt handwerkliches Talent. Eine Konstruktion die geschickt aufgebaut ist. Geschichten, die erfüllen, was sie versprechen. Geschichten die so detailliert sind, dass nicht viel Handlung geschieht. Geschichten, die eine faszinierende Welt zeigen. Man sollte sich dann eher fragen: „Habe ich im Moment Lust auf so eine Geschichte?“
    Beispiel: Oseam.
    Schlecht und von langer Weile: Black Clover.

    Abschließend möchte ich noch anmerken, dass mir dein Artikel zwar gefallen hat, jedoch anstrengender als gewohnt war. Der rote Faden deiner Einleitung geht verloren und in deinem Fazit steht plötzlich etwas anderes. Ich frage mich:
    Wo ist der Mörder? Warum wurde er mir nicht verraten?

    • StarlinM00N sagt:

      „Langweilig und gut – was heißt das überhaupt? Darauf bist du zwar eingegangen, hast aber schließlich weder eine Definition, noch ein dazu passendes Fazit geboten.“
      Ja das ist auch die große Frage des Artikels. Vielleicht sollte ich es mal so ausdrücken: Für mich ist diese Kombination ein Mythos, der in Wahrheit nicht existiert und entsteht, wenn es bei einer Serie zwei unterschiedliche Meinungen gibt, keine der Parteien aber gewillt ist, die andere zu überzeugen und so einigt man sich darauf, dass es einfach ein Unterschied in subjektivem Empfinden ist.
      Ich vertrete aber die Ansicht, dass „langweilig“ (bzw. Spannung) und „gut“ (bzw: Qualität) keine voneinander trennbaren Attribute sind, die eine Serie gleichzeitig haben kann, sondern Spannung ist eines der Qualitätsmerkmale, die eine gute Serie ausmachen, und wenn eine Serie langweilig ist, hat sie einen qualitativen Defekt.
      Vielleicht kann eine Serie durch andere Qualitätsmerkmale diese Schwäche einigermaßen ausbügeln, aber eigentlich hängen doch alle Qualitätsmerkmale irgendwie mit Spannung zusammen: Eine funktionierende, komplexe Handlung unterhält mich, gut geschriebene, nachvollziehbare Charaktere unterhalten mich, ein ansprechender Stil oder eine mitreißende Atmosphäre unterhalten mich, Drama, Comedy, Action, Romance – diese Dinge lösen Gefühle in mir aus und verhindern somit, dass Langeweile aufkommt, wenn sie gut gemacht sind. Wie, frage ich mich, soll ein Werk diese Dinge bieten können und gleichzeitig langweilig sein? Es erscheint mir einfach paradox.

      Ich hoffe, dass dir diese Erklärung den Mörder verraten konnte.

      • Raki sagt:

        „Wie, frage ich mich, soll ein Werk diese Dinge bieten können und gleichzeitig langweilig sein? Es erscheint mir einfach paradox.“

        Und da wären wir eben wieder beim Ausgangspunkt, dass sich das nicht allgemein sagen lässt. In House of Five Leaves muss man zwischen den Zeilen lesen, weil dort eben nicht immer das ausgesprochen wird, was gemeint ist. Die Regie von Mochizuki setzt zudem viel auf Mimik und Gestik. Gleichzeitig ist es aber auch eine sehr ruhige Serie. Das heißt, dass die gut geschriebenen Charaktere, deren Interaktionen und Entwicklungen wesentlich dafür sind, dass diese Serie unterhalten kann. Es gibt keine spektakuläre Handlung oder dergleichen, braucht es hier auch nicht, da der Anime von charakterzentrierter Natur ist. Nur mag nun einmal nicht jeder Mensch diese angesprochenen Qualitätsmerkmale. Entweder ist es demjenigen nicht wichtig oder er verliert schnell die Lust bei dem Erzähltempo. Letzteres kann ich übrigens auch nicht wirklich nachvollziehen. Das Storytelling empfand ich eher als angenehm und schön. Es ist nicht hektisch in seiner Darstellung. Möglicherweise liegt das an meinem Wesen, dass mir so etwas nichts ausmacht und vielmehr eine faszinierende Sogwirkung besitzt. Das ist doch auch bereits ein zentraler Punkt in der Wahrnehmung, wenn alleine hier schon deutliche Unterschiede zwischen den Menschen vorherrschen. Allerdings kann man das hierauf nicht eingrenzen, weil da mehr zusammenkommen muss. Aria wäre so eine Ausnahme. Die Serie setzt ebenfalls auf ein gemütliches Storytelling und bietet ansonsten noch eine interessante Welt, hat dabei aber eher schwächere (wohl aber sympathische) Charaktere und faszinierte mich selbst visuell zu wenig (wenngleich ich verstehen kann, was die Leute an dem Setting und der Optik mögen). Da ist das fiktive Venedig dieser Entspannungsserie wohl einfach zu wenig für mich gewesen. Nur um mein Beispiel von unten nochmal aufzugreifen und näher auszuführen. Ich habe die erste Folge als sehenswert eingestuft, musste die Serie aber trotzdem abbrechen. Das war übrigens auch mein zweiter Versuch und ist noch nicht allzu lange her. Ich kann aber verstehen, wenn jemand diese Serie aus genannten positiven Aspekten mag.

        Ich gebe dir natürlich recht, dass es so etwas wie „langweilig, aber gut“ eigentlich nicht geben kann. Auf der anderen Seite kenne ich ebenso viele Leute, die Serien/Filme, die ich gerne geschaut und für gut befunden habe, langweilig finden (und vermutlich abgebrochen habe? Wobei es da noch die komische Einstellung von Leuten gibt, die niemals etwas droppen, egal, wie langweilig sie es finden…). Daraus kann nur folgen, dass die Qualität und der Unterhaltungswert nicht direkt zusammenhängen. Wäre dem nämlich so, müsste doch von meinem Blickwinkel aus jeder House of Five Leaves lieben. Aber wie gesagt, wenn jemand bei seinen Lieblingswerken die „langweilig, aber gut“-Karte zieht, dann kann da wirklich etwas nicht stimmen.

  4. Raki sagt:

    Solch ein Begriff wie „zäh“ ist vor allem auch eher negativ behaftet und bei mir ruft das höchstens Verwunderung hervor, wenn das ein Fan bei seinem Lieblingswerk verwendet. Ich für meinen Teil beende sowieso keine langweiligen Serien. Dafür wäre mir meine Zeit auch viel zu schade. Ich meine, wir reden hier über ein UNTERHALTUNGSmedium. Das heißt nicht aus Spaß so. Sie sollten schon in irgendeiner Weise für mich interessant sein. Nur weil die Leute sagen, dass etwas ‚gut‘ ist, sehe ich es nicht ein, mich zu etwas zu zwingen. Sei es nun 3-gatsu no Lion (wovon die zweite Staffel in der aktuellen Saison läuft und was ich nicht einmal in den paar Folgen von S1 als sehenswert eingestuft hätte) oder auch Legend of the Galactic Heroes – dass das 110 Folgen lang ist, tat ihr Übriges. Bei Letzterem werde ich es aber wohl mit dem Remake nochmal versuchen, das nächstes Jahr laufen wird. Ich sehe zwei Möglichkeiten, wieso ein Fan dieses ‚langweilig, aber gut‘ verwendet. Zum einen, weil sie es nachvollziehen können, dass gewisse Elemente auf andere Personen als langweilig empfunden werden. So ist das beispielsweise bei einem langsameren Pacing oft der Fall, vor allem, wenn jemand nur die schnelle Action sucht. Möglicherweise ist das aber auch eine Art Schutzschild: „Meinetwegen, du fandest die Serie halt langweilig, weswegen du nicht erkennst, dass sie gut war.“ Darüber hinaus sind mir aber tatsächlich schon Leute über den Weg gelaufen, die Serien schauen, weil sie als gut gelten, aber das dann selber als langweilig empfunden haben. Das ist dann wirklich sehr fragwürdig und so eine Einstellung sollte doch bitte niemand entwickeln.

    Wie aber bereits angemerkt wurde, ist Langeweile ein subjektives Empfinden. Man kann Aspekte einer Serie noch so viel beschreiben, das macht das dann für die jeweilige Person auch nicht weniger langweilig. Bei Aria z.B. weiß ich ganz genau, was die Leute daran finden. Deswegen empfinde ich das aber nicht als spannender bzw. interessanter.

    Weiterhin kann ich nur wenig Verständnis aufbringen, wenn jemand sagt, dass er Animes schaut, weil sie tiefgründig sind. Ich könnte da kaum einen Titel nennen, auf den das tatsächlich zutreffen würde. Zugegebenermaßen habe ich das Wort in der Vergangenheit auch fälschlicherweise verwendet. Das scheint wohl eine Rechtfertigung zu sein. Gerade bei so einem Nischen-Thema wie Anime müssen das wohl die Leute machen, um nicht wie ‚kindische‘ Shounenfags oder Perverse zu wirken. Dabei habe ich in meiner Top-10 drei Shounen und einen Kinderfilm, die durch kluges Writing und beeindruckendes Storytelling überzeugen können. Das ist letztlich das, was zählt.

    Was noch ein wichtiger Punkt ist: gutes Drama oder eine komplexe Welt muss erst einmal aufgebaut werden. Du führst in diesem Artikel sogar ein ziemlich gutes Beispiel dafür an, nämlich Kemono no Souja Erin. Das Tempo in dieser Serie ist doch eher gemächlicher Natur. Es ist aber wichtig, damit das spätere Drama und die Schlüsselszenen besser zur Geltung kommen. Im Gegensatz zu den Romanen nimmt man sich im Anime auch am Anfang mehr Zeit, was sicherlich eine gute Entscheidung war, damit der Zuschauer ein besseres Verhältnis zu den Figuren aufbauen kann und die erste dramatische Szene eine stärkere Wirkung erzielt. Ich muss aber auch sagen, dass ich hier eigentlich nie Langeweile verspürt habe. Selbst in den früheren Episoden war es interessant, zu beobachten, wie Erin mit der Welt interagiert. Außerdem wurde sie immer älter, was dann auch für die entsprechende Charakterentwicklung sorgte, und die Beziehung zu Lilan wurde schön aufgebaut. Die besten Episoden, welche auch besonders für ältere Zuschauer interessant gewesen sein sollten, befanden sich zwar im letzten Drittel, aber bis dahin war es trotzdem bereits eine Serie, die ich gerne geschaut habe. Das wird aber wohl auch viel von der Protagonistin getragen, die bodenständig ist und nicht überzeichnet dargestellt wird. Sie ist weiterhin mein absoluter Lieblingscharakter.
    Ein anderes Beispiel wäre wohl Texhnolyze, das eine beeindruckend dichte Atmosphäre aufbaut und sehr stark auf ein ‚Show, don’t tell‘-Storytelling setzt, welches das Writing wunderbar unterstützt. Ich mag die Regiearbeit von Hamasaki sehr gerne, erst recht zur Zeit von Texh/Shigurui. Leider hat er mittlerweile nachgelassen, ist aber immer noch ganz solide (TF S1). Oft werden die Anfangsfolgen kritisiert, aber in Folge 1 z.B. erfährt man die Vergangenheit vom Protagonisten einzig und allein durch Bilder und der BGM im Hintergrund, was ich so in vergleichbarer Form noch nicht erlebt habe. Die darauffolgenden Episoden sind dann insofern gut, dass diese zum Worldbuilding beitragen und der Protagonist auf interessante Weise mit seiner Umgebung interagiert. Hier gibt es keinen langweiligen Infodumb oder dergleichen. Es entfaltet sich aktiv, man ist also quasi hautnah dabei und es wird nicht nur drüber geredet. Ich finde es einfach wichtig, dass man der Welt und Geschichte ihre Zeit gibt.
    Ich kenne sehr viele Leute, die Angel’s Egg langweilig fanden, während ich sehr gespannt war, wie es weitergeht, und die Regie von Oshii genossen habe. Oshii versteht es ohnehin wahrlich gut, durch den Einsatz von Schatten (und Lichtquellen) eine sehr dichte Atmosphäre aufzubauen, die etwas Surreales hat. Es gibt Reflektionen und die Haare des Mädchens wehen stark im Wind. Er verwendete hier auch wieder seine Leitmotive: das Wasser, welches unglaublich gut animiert ist, und die Panzer. Hinzu kommt dann noch das Charakterdesign von Yoshitaka Amano mit den melancholischen Gesichtszügen, die diese surreale Welt nur mehr unterstreichen. Auch hier ist das Erzähltempo sehr langsam, doch war es für mich trotzdem in keinster Weise langweilig. Vielmehr ist es ein faszinierendes Interpretationswerk. Man muss wohl mit dem Film einfach auf der gleichen Wellenlänge sein. Leute, die eher ungeduldig oder aufgedreht sind, werden hieran sicherlich keinen Gefallen finden.

    War eigentlich diese Monster-Diskussion der Auslöser für diesen Artikel? Das Schauen hier war recht eigenartig. Wenn ich eine Folge geschaut habe, fand ich diese überaus spannend. Das Problem bei dieser Serie war irgendwie das Weiterschauen, wenn man mal aufgehört hatte. Ich kann mir das nur dadurch erklären, dass die trockenen Bilder da eine abhaltende Wirkung haben, welche aber beim Schauen durch das Writing aufgebrochen wird. Eine sehr seltsame Angelegenheit jedenfalls. Das könnte ich dem Anime aber beim besten Willen nicht ankreiden, da ich beim Schauen selbst keine Langeweile verspürte.

    • StarlinM00N sagt:

      „Solch ein Begriff wie „zäh“ ist vor allem auch eher negativ behaftet und bei mir ruft das höchstens Verwunderung hervor, wenn das ein Fan bei seinem Lieblingswerk verwendet.“
      Ja, bei mir eben auch. Wobei mir einfällt, dass ich den Begriff auch schon selbst benutzt habe… da das aber immer nur zu Verwirrung führt, würde ich diesen Begriff eher vermeiden wollen.

      „Nur weil die Leute sagen, dass etwas ‚gut‘ ist, sehe ich es nicht ein, mich zu etwas zu zwingen.“
      Genau die richtige Einstellung.

      „Sei es nun 3-gatsu no Lion
      Ebenfalls nicht gesehen und ich höre darüber unterschiedliche Meinungen. Das was ich davon gehört habe, klang jedoch nicht danach als würde mir die Serie gefallen.

      „oder auch Legend of the Galactic Heroes
      Ebenfalls nicht gesehen und auch nur selten davon gehört.

      „Ich sehe zwei Möglichkeiten, wieso ein Fan dieses ‚langweilig, aber gut‘ verwendet. Zum einen, weil sie es nachvollziehen können, dass gewisse Elemente auf andere Personen als langweilig empfunden werden.“
      Das ist eine Sache, die ich zwar auch verstehen kann, aber letztlich schiebt man es dann auch wieder auf die Subjektivität, wenn jemand anderes die Serie nicht mag, anstatt zu versuchen, es auszudiskutieren. Dementsprechend ist das im Prinzip auch dasselbe wie:

      „Möglicherweise ist das aber auch eine Art Schutzschild: „Meinetwegen, du fandest die Serie halt langweilig, weswegen du nicht erkennst, dass sie gut war.““
      Vor allem die Implikation darin ist alles andere als nett. Der andere ist ja der, der die Serie verkennt, weil er sie subjektiv nicht mag, während man selbst im Recht ist und sich auf objektiven Qualitätsmerkmalen beruft. Sehr elitär, das ganze. Aber bloß nicht irgendwie Argumente nennen, warum die Serie denn gut ist…

      „Darüber hinaus sind mir aber tatsächlich schon Leute über den Weg gelaufen, die Serien schauen, weil sie als gut gelten, aber das dann selber als langweilig empfunden haben. Das ist dann wirklich sehr fragwürdig und so eine Einstellung sollte doch bitte niemand entwickeln.“
      Ich kenne auch so jemanden, und das ist auch echt nicht schön mit anzusehen.

      „Wie aber bereits angemerkt wurde, ist Langeweile ein subjektives Empfinden. Man kann Aspekte einer Serie noch so viel beschreiben, das macht das dann für die jeweilige Person auch nicht weniger langweilig. Bei Aria z.B. weiß ich ganz genau, was die Leute daran finden. Deswegen empfinde ich das aber nicht als spannender bzw. interessanter.“
      Können wir das noch ein wenig ausführen? Ich wüsste gerne, was das für Aspekte sind, die andere an der Serie mögen und es für dich aber nicht interessanter machen. Ich habe nämlich selbst das Problem, dass mir kein Titel einfällt, bei dem ich von den angeblichen Qualitätsmerkmalen weiß und sie trotzdem langweilig finde. Wenn da eine Uneinigkeit vorliegt, liegt das bei mir vielmehr daran, dass ich gar nicht zustimme, dass diese Qualitätsmerkmale wirklich vorhanden sind.

      „Weiterhin kann ich nur wenig Verständnis aufbringen, wenn jemand sagt, dass er Animes schaut, weil sie tiefgründig sind […] kluges Writing und beeindruckendes Storytelling überzeugen können. Das ist letztlich das, was zählt.“
      Was genau ist der Unterschied? Aus meiner Sicht wird der Begriff Writing oder Storytelling genauso häufig falsch und als leere Rechtfertigung verwendet, wie Tiefgründigkeit. Wenn nicht sogar noch öfters.

      „Du führst in diesem Artikel sogar ein ziemlich gutes Beispiel dafür an, nämlich Kemono no Souja Erin. Das Tempo in dieser Serie ist doch eher gemächlicher Natur. Es ist aber wichtig, damit das spätere Drama und die Schlüsselszenen besser zur Geltung kommen. Im Gegensatz zu den Romanen nimmt man sich im Anime auch am Anfang mehr Zeit, was sicherlich eine gute Entscheidung war, damit der Zuschauer ein besseres Verhältnis zu den Figuren aufbauen kann und die erste dramatische Szene eine stärkere Wirkung erzielt.“
      Anfänglich möchte ich zu der Serie anmerken, dass ich den Teil der Serie bis zu dieser Szene, einschließlich der Szene selbst, als den schwächsten Teil der Serie ansehe. Zu deutlich arbeitete die Serie auf das Ergebnis hin, sodass ich mir als es passierte einfach dachte „ja okay, wie ichs mir dachte“. Erst danach konnte mich die Serie richtig begeistern.

      „Ich muss aber auch sagen, dass ich hier eigentlich nie Langeweile verspürt habe. Selbst in den früheren Episoden war es interessant, zu beobachten, wie Erin mit der Welt interagiert.“
      Ja und genau das ist der Punkt, den ich hier immer wieder mache. Auch wenn es in der Serie nicht sofort heiß herging, so bot die Serie von Anfang an etwas, das Interesse an der Serie weckte. Nur weil eine Serie ein langsames Pacing hat oder sich viel um Worldbuilding oder Handlungaufbau kümmert, muss sie das nicht automatisch langweilig machen. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der Kritikpunkte wie „not enough explosions in Ep1, drop“ aufführt und ich glaube, die Auffassung, dass Leute existieren, die ernsthaft so denken, könnte auch nur Einbildung sein, damit wir nicht zu unseren Lieblingsserien Rede und Antwort stehen müssen.
      Zumindest unter den Lesern meines Blogs sehe ich nur vernunftbegabte, geschmackvolle Leute und ich will mir eigentlich von niemanden unterstellen lassen, ich würde eine eigentlich gute Serie einfach nur deswegen hassen, weil es zu wenig Krach-Bumm-Peng gibt. Und dasselbe will ich auch nicht von anderen denken.

      „Die besten Episoden, welche auch besonders für ältere Zuschauer interessant gewesen sein sollten, befanden sich zwar im letzten Drittel, aber bis dahin war es trotzdem bereits eine Serie, die ich gerne geschaut habe. “
      Gut, ich sehe schon, dass wir uns da doch einig sind. Siehst du, ich kann mir nur schwer vorstellen, dass unsere Geschmäcker so verschieden sein können, wenn wir über einige Serien so ähnlich denken. Das ergäbe einfach keinen Sinn.

      „Ein anderes Beispiel wäre wohl Texhnolyze, das eine beeindruckend dichte Atmosphäre aufbaut und sehr stark auf ein ‚Show, don’t tell‘-Storytelling setzt, welches das Writing wunderbar unterstützt.“
      Bei Texhnolyze muss ich aber mal ehrlich zugeben, dass ich der Serie nichts abgewinnen konnte und das für mich schon fast ein Paradebeispiel für das Thema des Artikels ist. Zwar kenne ich die volle Serie nicht, da ich, wie du mir sicher nicht verdenken kannst, keine Serie schaue die ich langweilig finde. Aber du gehst auch verstärkt auf die erste Folge ein und zumindest über die können wir diskutieren.

      „Oft werden die Anfangsfolgen kritisiert, aber in Folge 1 z.B. erfährt man die Vergangenheit vom Protagonisten einzig und allein durch Bilder und der BGM im Hintergrund, was ich so in vergleichbarer Form noch nicht erlebt habe.“
      Dem kann ich nämlich wirklich überhaupt nicht zustimmen. Du meinst sicher folgendes, richtig? Dass etwas erzählt und aufgebaut wird, ganz ohne Dialoge zu verwenden? Wenn das stimmen würde, fände auch ich das sehr erstaunlich, aber ganz ehrlich, das sehe ich hier nicht. Man erfährt die Vergangenheit des Protagonisten? Was erfährt man darüber? Aus meiner Sicht erfährt man einfach so gut wie gar nichts, das ist für mich kein „show, don’t tell, show!“-Prinzip, sondern eher „show, don’t tell, don’t do anything!“-Prinzip. Wenn man wirklich viel erfahren würde in der Folge ohne viele Mittel einzusetzen, wäre das was anderes, aber wenig einzusetzen um wenig auszudrücken, das ist weder gut noch spannend. Der Main hat einen Kampf und wird von einer Nutte geraped, das sagt uns was? Was wissen wir davon? Wenn ich es einfach nicht verstanden habe, hast du es sehr einfach, mich zu überzeugen, da du mir nur aufzählen musst, was man der Serie alles entnehmen kann.

      Da ich dies außerdem für einen sehr ähnlichen Fall halte, rücke ich an dieser Stelle jetzt auch heraus mit der Sprache. Auch Serial Experiments Lain habe ich vor einem Jahr oder so angefangen, empfand es als Todlangweilig und hab es nach ungefähr der sechsten oder achten Folge abgebrochen. Meine Erinnerung daran ist leider suboptimal für Diskussionen, aber ich kann mich nicht erinnern, dass irgendetwas in den 6-8 Folgen passiert wäre. Ich wollte nicht, dass mir das mit Texhnolyze nochmal passiert und hab die Serie deshalb zügig abgebrochen, nachdem du mir versichert hattest, dass die Serie so bleiben wird.

      „Ich kenne sehr viele Leute, die Angel’s Egg langweilig fanden, während ich sehr gespannt war, wie es weitergeht, und die Regie von Oshii genossen habe.“
      Wieder eine Serie, die ich nicht kenne. Was ich aber sagen kann ist, dass ich dieser Konzentration auf einzelne Mitarbeiter von Serien auch nicht zugeneigt bin. Zu viele Leute arbeiten zusammen an einer Serie, als dass man den Einfluss einer Einzelperson darin noch erkennen könnte.

      „Leute, die eher ungeduldig oder aufgedreht sind, werden hieran sicherlich keinen Gefallen finden.“
      Und da ist es wieder, das Totschlagargument. Wenn man die Serie nicht mag, ist man also ein hyperaktives Kiddy, das wahre Qualität nicht zu schätzen weiß. So eine Erklärung mag vielleicht auf irgendwelche Leute zutreffen, aber in unseren Kreisen finde ich das einfach nicht angemessen.

      „War eigentlich diese Monster-Diskussion der Auslöser für diesen Artikel? Das Schauen hier war recht eigenartig. Wenn ich eine Folge geschaut habe, fand ich diese überaus spannend. Das Problem bei dieser Serie war irgendwie das Weiterschauen, wenn man mal aufgehört hatte. Ich kann mir das nur dadurch erklären, dass die trockenen Bilder da eine abhaltende Wirkung haben, welche aber beim Schauen durch das Writing aufgebrochen wird. Eine sehr seltsame Angelegenheit jedenfalls. Das könnte ich dem Anime aber beim besten Willen nicht ankreiden, da ich beim Schauen selbst keine Langeweile verspürte.“
      Monster habe ich bereits weiter oben kommentiert, deshalb verweise ich hier auf meine Antwort an Neuling. Speziell was deine Frage angeht: Der Artikel lag mir schon länger auf der Zunge, tatsächlich ungefähr seit ich Lain und Texhnolyze geschaut bzw. eben nicht geschaut habe. Die Monster-Diskussion war dann eher etwas wie ein Katalysator.

      • Raki sagt:

        „Anfänglich möchte ich zu der Serie anmerken, dass ich den Teil der Serie bis zu dieser Szene, einschließlich der Szene selbst, als den schwächsten Teil der Serie ansehe.“

        Ja, das war vorhersehbar, aber ich mochte die Inszenierung.

        „Nur weil eine Serie ein langsames Pacing hat oder sich viel um Worldbuilding oder Handlungaufbau kümmert, muss sie das nicht automatisch langweilig machen.“

        Und genau das bietet Texhnolyze doch auch. Ich habe noch bei keinem anderen Werk solch eine starke Regie und so eine beklemmende Atmosphäre (zu der auch die musikalische Untermalung wesentlich beiträgt) gesehen.

        „Wenn man wirklich viel erfahren würde in der Folge ohne viele Mittel einzusetzen, wäre das was anderes, aber wenig einzusetzen um wenig auszudrücken, das ist weder gut noch spannend.“

        Das Storytelling beschreibt ja auch, wie der Inhalt erzählt wird (Regie, Musik, Animationen etc). Würde man hier bereits viel erfahren, dann hätte das wohl kaum so ein langsames Pacing. Ich sehe da beim besten Willen nicht „zu wenig Aufwand“. Die audiovisuelle Präsentation sucht ihresgleichen (und ja, das ist bereits ein wesentliches Qualitätsmerkmal):
        – breitgefächerte Farbpalette
        – überlappende Bilder
        – Bildübergänge, die sich anfühlen, als gäbe es keinen Übergang – hier werden intelligent die Umgebung, die Farben und Gegenstände verwendet, um einen feinen Übergang zu anderen Szenen zu haben. Dies wird auch oft im Wechselspiel gemacht, wodurch die parallel ablaufenden Handlungen sehr natürlich wirken. Es ist eine Welt.
        – weißer Hintergrund mit einem grau-körnigen Filter (z.B. bei der Rückblende)
        – interessante, ungewöhnliche Kameraeinstellungen und Kameraschwenker
        – Einsatz von Schatten und Licht
        – ruhige Aufnahmen
        – kluger Einsatz von Geräuschen und Musik

        Wahrscheinlich ist „Vergangenheit“ der falsche Begriff dafür gewesen. Das spielt ja alles in der Gegenwart, abgesehen von dem kleinen Rückblick auf den Boxkampf. Nennen wir das besser Vorgeschichte oder Ausgangspunkt für den Protagonisten. Die Betonung sollte mehr auf der Art der Darstellung liegen. Ich meinte hier einfach nur den Teil, der zum Verlust seines rechten Armes führt, wodurch alles seinen Lauf nimmt und in den folgenden Episoden entsprechend fortgesetzt wird. Sicherlich ließe sich die Handlung in ein paar Sätzen zusammenfassen, aber das würde der Erzählweise nicht gerecht werden.

        Die erste Folge bietet allerdings noch mehr. Wir lernen allgemein einige wichtige Charaktere kennen und bekommen auch schon einige Eindrücke von der Welt (der Obelisk ist auch bereits kurz zu sehen). Man sieht, wie großartig die Regie ist. Nicht zuletzt gibt es subtiles Foreshadowing, das man selbstverständlich erst erkennt, wenn man in der Serie weiter fortgeschritten ist und ich an dieser Stelle nicht spoilern möchte. Ich habe auch eigentlich bereits angesprochen, dass sich die Serie langsam entfaltet. Positiverweise kann man durch das gemächliche Pacing besser auf Details achten. Selbstredend weiß man nicht nach der ersten Folge, was das alles bedeutet. Das war schlicht das Set-up für das, was folgen wird. Hier werden eher Fragen aufgeworfen als beantwortet, aber genau so sollte es in einer guten Serie auch sein. Schließlich schaut man sie für die Beantwortung eben jener Fragen weiter. Ich sehe Texhnolyze ganz klar als Gesamtwerk, bei dem jede Szene ihren Sinn hat. Diesen erkennt man oftmals aber erst rückblickend, weswegen eine Diskussion über die erste Folge eigentlich auch wenig Sinn macht. Deswegen sagte ich auch schon öfters, dass das eine der wenigen Serien ist, bei denen ein Rewatch tatsächlich notwendig sein kann.

        Dann schildere ich einfach mal so gut es geht, wie ich die erste Folge wahrnehme:
        Ichise (der Protagonist) geht mit bandagierten Händen einen Untergrundpfad entlang. Dabei sehen wir flackerndes Licht, das Wasser tropft aus einem Abwasserrohr und alles wirkt recht heruntergekommen. Im Badezimmer kreist langsam und schwerfällig der Ventilator. Das ist alles bereits eine sehr niedergeschlagene und bedrückende Stimmung. Im Spiegel betrachtet er sein blutverschmiertes Gesicht. Dabei erinnert er sich an den anscheinend kürzlich zurückliegenden Boxkampf. Hier nutzt die Regie einen weißen Hintergrund mit grau-körnigen Filter. Die Menge jubelt. Alles wird durch eine starke Sounduntermalung begleitet. Schließlich erledigt er seinen Gegner. Hier sieht man dann auch ein erstes Beispiel für einen sehr beeindruckenden Bildübergang, wie die Bandage von der Vergangenheit beim finalen Schlag in der Mitte des Bildes durcheinandergefädelt erscheint und sich dann zu einer geraden Linie ordnet, die zu jener Bandage gehört, die der Protagonist in der Gegenwart abnimmt. Seine Wunden vom Kampf werden sichtbar. Nun erscheint eine Frau (das ist die Geliebte vom Organisator der Kämpfe Aida, den Namen erfährt man erst in Folge 2), die ihm sein Kampfgeld bringen will, aber noch nicht überlässt. Sie flüstert ihm etwas ins Ohr, was aber von den Geräuschen übertönt wird.

        Parallel läuft in dieser Folge dann auch noch die Ankunft von Yoshii (dem mysteriösen „Fremden“) in der Untergrundstadt Lukuss ab. Er trägt am Anfang eine Gasmaske, also scheint die Atmosphäre wohl verseucht oder so zu sein. Es werden bereits die Schienen eingeblendet, auf denen ein Zug fährt, der später noch Relevanz haben wird. Das Bild wird dann überlappt von dem Anfang des Sex zwischen Ichise und der Frau (da ist der Farbton in Blau gehalten).

        Während also die Geliebte mit Ichise Sex hat, sehen wir Aida, der die beiden durch Vorhänge beobachtet und offensichtlich eine voyeuristische Ader hat. Hier gibt es viele Kameraschnitte auf Augen, auch der Puppen. Die Geliebte ist ein Cyborg – jedenfalls hat sie einen mechanischen Arm, was auch schon ein Hinweis darauf ist, dass es solche Menschen in dieser Welt gibt. Sie verliert die Kontrolle über ihren Arm, weswegen Ichise sie dann wegschlägt. Jemand aus der Unterschicht schlägt also jemanden von den höheren Rängen. Dabei gibt es auch wieder einen beeindruckenden Schwenker zur Dose, die bei Yoshii die Treppe runterfällt.

        Ichise geht seinen Weg mit einem weißen Hintergrund. Dann wandert ein verhüllter Mann an ihm vorbei. Hier muss man darauf achten, was die Hintergrundmusik macht. Erstmals sehen wir die hellere Stadt und es schlägt dann zu einem Gitarrenspiel um. Wir sehen einige Aufnahmen der Stadt: die Gassen, den kleinen Fluss, ein Hemd, das zum Trocknen draußen hängt. Die Welt fühlt sich nun offener und mehrdimensionaler an.

        Yoshii trifft auf ein Mädchen (Ran) mit Fuchsmaske, die ihn in der Stadt herumführt. Sie bringt ihn zum Dorfältesten. Man erfährt dann auch, dass sie über hellseherische Fähigkeiten verfügt. Wieder ein genialer Bildübergang, als die Kamera in das Auge des Mädchens reinzoomt, die dann zu einer scheinenden Straßenlaterne übergeht (wow!).

        Eine Eidechse krabbelt bereits über eine Mauer. Dann muss Ichise gegen seine Verfolger kämpfen. Da sehen wir auch die Geliebte (mit einer Wunde unter dem linken Augen) und Aida wieder, die das offensichtlich veranlasst haben. Einer der Bandenmitglieder schneidet ihn den rechten Arm ab. Blut läuft über den Boden, was in den Übergang zur bereits vorher gesehenen Eidechse mündet (und eben die Abtrennung und Erneuerung der Gliedmaße symbolisiert). Die Eidechse ist ein Beispiel für Foreshadowing, das ich mal nenne (sonst kommt noch, dass das nur leere Aussagen sind), aber die Episode bietet da noch mehr. Interessant ist in dem Zusammenhang vor allem auch, dass wir die Eidechse zweimal sehen.

        Ich weiß nicht, ob ich dadurch vermitteln konnte, was ich an der Serie mag. Letztlich bleibt jedenfalls nur zu sagen, dass man der Regie und bedrückenden Atmosphäre etwas abgewinnen können muss. Andernfalls ist es sehr wahrscheinlich, dass man das langweilig finden wird. Das visuelle Storytelling ist beeindruckend, aber der Inhalt wird nur langsam gesteigert (besonders in den ersten sechs Episoden). Deswegen sagte ich bereits, dass das viel auf Worldbuilding setzt und ich es interessant fand, wie der Protagonist mit der Welt interagiert hat. Die Regie/Atmosphäre hier ist quasi wie bei Kemono no Souja Erin der Ausgleich für das gemächliche Pacing. Danach passiert mehr und wird auch mehr gesprochen.

        „Was ich aber sagen kann ist, dass ich dieser Konzentration auf einzelne Mitarbeiter von Serien auch nicht zugeneigt bin. Zu viele Leute arbeiten zusammen an einer Serie, als dass man den Einfluss einer Einzelperson darin noch erkennen könnte.“

        Wenn ich über die Regie rede, dann kann ich auch die eine Person benennen, die sich dafür verantwortlich zeichnet. Vor allem sollte Oshii bekannt sein (zumindest durch Ghost in the Shell) und man erkennt den Stil in seinen Werken immer wieder. Er hat hier zudem auch wieder das Drehbuch geschrieben. Ich spreche nicht gerade über einen der Key Animatoren, der eine kurze Szene animiert hat. Das würde ich wirklich nicht erkennen, außer in wenigen Ausnahmefällen. Es gibt aber auch Leute mit Ahnung von Animes, die können dir anhand von Szenen sagen, wer das animiert hat. Möglich ist dies also durchaus.

        „Und da ist es wieder, das Totschlagargument. Wenn man die Serie nicht mag, ist man also ein hyperaktives Kiddy, das wahre Qualität nicht zu schätzen weiß. So eine Erklärung mag vielleicht auf irgendwelche Leute zutreffen, aber in unseren Kreisen finde ich das einfach nicht angemessen.“

        Nur weil ich sage, welche Gruppe an Leuten daran eher keinen Spaß haben wird, bedeutet dies nicht, dass jeder, der es langweilig findet, zu eben dieser Gruppe gehört. Ungeduld hat übrigens nichts mit geistiger Reife zu tun. Das sind Wesenszüge, die meiner Auffassung nach durchaus den subjektiven Unterhaltungswert beeinflussen dürften. Ich würde niemals jemanden vorwerfen, dass er deswegen keine Qualität zu schätzen weiß. Außerdem habe ich vorher doch Argumente für den Film genannt. Natürlich kann man die Regie noch ausführlicher beschreiben und eine Interpretation zu den Symboliken formulieren, aber das hätte jetzt an dieser Stelle auch zu weit geführt und wäre ziemlich aufwändig gewesen. Zudem sollte den Film sowieso jeder erst einmal selbst anschauen und erst dann Interpretationen von anderen lesen. Die gibt es im Internet auch reichlich. Nur ist das Erzähltempo eben extrem langsam. Dann lasse es mich so ausdrücken: Wer die Regie und Atmosphäre mag sowie sich gerne Gedanken zu Symboliken macht bzw. Ideen zu den hier genutzten Symboliken hat, könnte es durchaus unterhaltsam finden. In dem Film verkörpert überhaupt alles die entsprechende Symbolik: das Ei, das Wasser, das Mädchen, der junge Mann, die Fischjagd, die Arche, die Taube… Zudem gibt es auch Foreshadowing.

      • Raki sagt:

        Eine kleine Ergänzung bzgl. der angesprochenen Schienen und dem Zug, weil ich versäumt habe, das zu erwähnen: Hier werden die Gegner, die Yoshii, Ran und den Dorfältesten später in der Folge beschießen, bereits weit im Voraus etabliert. Es gibt auch eine Szene, in der sie aus dem Zug aussteigen. Sie tauchen demzufolge nicht aus dem Nichts auf, was auch eine sehr gute Angelegenheit ist. Das ist im Grunde schon Foreshadowing innerhalb der Folge und somit bereits erkennbar, auch wenn man den weiteren Verlauf noch nicht gesehen hat.

        Und ich wollte noch anmerken, falls das nicht deutlich wurde, dass nur Folge 1 (bzw. hauptsächlich die erste Hälfte davon) derartig dialogarm ist. Ab Folge 2 wird bereits mehr gesprochen und sie ist schon anders als die Startfolge. Dennoch ist das Tempo weiterhin relativ langsam. Ungefähr ab Folge 6/7 wird dann wesentlich mehr gesprochen und passiert auch mehr.

  5. TheZ0ldyck sagt:

    Obwohl wir uns schon länger kennen, habe ich hier gerade mein Debut.

    Um deiner Frage auf den Grund gehen zu können, müssen wir zuerst einmal definieren, was überhaupt „gut“ bedeutet, um schlussfolgern zu können, ob etwas langweilig UND gut sein kann.

    Beim Bewerten eines Werkes unterscheide ich nämlich in formale Kriterien und Unterhaltungswert, wobei das eine nicht vom anderen abhängig ist. Sprich, eine Serie, die ich qualitativ hochwertig fand, weil sie eben das erfüllt, was ich als Qualität ansehe, für mich aber zäh ist, kann für mich insgesamt trotzdem gut sein, weil sie zum Beispiel gut geschriebene Charaktere hat. Umgekehrt kann es sein, dass mir eine Serie wirklich gefallen hat und ich sie in einem Zug durchschaut habe, ich sie aber keineswegs weiterempfehlen würde, weil sie einfach unterirdisch schlecht geschrieben oder generisch ist. Das Musterbeispiel hierfür wäre Dragonball, was fester Bestandteil meiner Kindheit war. Ich habe viele Games gekauft, nur weil muskulöse Leute mit blonden Haaren auf der Verpackung waren, der Serie nachgetrauert wie ein Lämmchen und schaue selbst heute noch einzelne Szenen an, weil ich so unglaublich viel Spaß an dem Anime hatte. Ich würde die Serie aber nie verteidigen oder empfehlen, wenn es darum geht, ob die Serie Qualität hat, denn Dragonball hat einfach zu viele Plot Holes, Wendungen aus dem Nichts, Schwachsinn und generische Gimmicks hat. Es wäre für mich einfach falsch, der Serie eine hohe Bewertung zu geben, nur weil ich eine persönliche Bindung zu ihr habe, ohne dass sie auch nur den Hauch von Qualität hat.

    Gut – Das ist eine Serie für mich dann, wenn sie gut geschrieben ist, was sie wiederum ist, wenn die Charakterisierung/Entwicklungen stimmen, die Handlung durchdacht ist (Set-Up, Foreshadowing), Substanz statt Filler hat, Relevantes am Ende abschließt, die Story keine peinliche Plot Holes, möglichst wenig oder nur leichte Widersprüche in der inneren Logik hat, nicht konstruiert ist etc. Gutes Writing ist gar nicht so leicht zu erreichen, wenn man sich meine Durchschnittswertung, welche so ca. im 5er-Bereich ist, anschaut. Außerdem ist das Writing sehr umfangreich und deckt story- und charaktertechnisch so gut wie alles ab, weswegen ich es als die Grundlage für ein gutes Werk sehe. Gefolgt von der Regie, welche ich zwar in die Wertung mithineinbeziehe, aber nur so gewichte, dass sie einen Abzugs-/Zusatzpunkt ausmacht, ähnlich wie den Unterhaltungswert.

    Kann ein Anime also langweilig UND gut sein? Ja, ein Anime kann mich nur mager unterhalten UND ein gutes Writing haben. Die Frage ist nur, ab wann etwas wirklich langweilig ist, denn auch wenn ich zähere Serien wie Fune wo Amu oder The Tatami Galaxy als gut oder gar empfehlenswert bezeichnen würde, fand ich sie keineswegs langweilig – Langweilig, ein Adjektiv, das ist mit einem Anime asoziiere, der nicht nur zäh ist, aber Potenzial hat, sondern mit etwas, das mich einfach null schert. Sprich, mindestens eine Stufe unter „zäh“. Ein langweiliger Anime ist für mich NGE, da dieser unglaublich vorhersehbar ist, der Cast persönlichkeitsloser nicht sein könnte, die Animationen so grottig und lahm sind, dass man nicht selten das Gefühl hat, man schaut sich 20 Minuten irgendwelche Anime-Figuren an, die gar nichts machen. Bis zum Ende hat der Anime gar nichts gemacht, außer zwei Folgen irgendwelche sinnlosen Szenen zusammenzuschnipseln und random Zeug zusammenzureden. Einen Sinn und Abschluss für die Handlungen zu finden, ist dann die Aufgabe des Betrachters, wobei… Hideako Anno hat ja interessante Interviews, bei denen er nicht gerade begeistert über sein Werk redet und bestätigt, dass es so toll, intellektuell und philosophisch ist, wie mancher Animefan gerne herausposaunt. Wie auch immer, zuzuschauen, wie die Protagonisten mit den billigsten Versuchen, Spannung zu erzeugen, einen Angel of the Week nach dem anderen umlegen und selbst im Finale kein anständiges Ende zu bekommen, ist in der Tat für mich langweilig. Was für mich hingegen zwar stellenweise zäh, aber keineswegs mit den Gefühlen, die ich bei NGE hatte, vergleichbar ist, ist Erin. Gerade zu Beginn stellt der Anime deine Geduld auf die Probe. Dennoch gehört er zu meinen absoluten Favoriten, weil vieles davon notwendig war. Die Handlung sowie die Beziehung zu Lilan und Erins Entwicklung wurden auf eine sehr gute Art aufgebaut und zurückblickend hätte man gerade einmal 20% aller zähen Stellen cutten können. Zudem ist der gravierende Unterschied zu wirklich langweiligen Serien, dass gerade Set-Up in dieser Form gute Serien wirklich gut macht, weil eine ausführliche Charakterentwicklung sowie gravierendes Drama nunmal Zeit brauchen und nicht irgendwelche Stilmittel sind, die man einbauen kann wann und wie man sie will. Was noch interessant ist, zähe Serien machen ab Zeitpunkt, ab dem sie wirklich in Fahrt kommen, fast doppelt so viel Spaß wie Serien, die von Anfang an unterhalten. Es ist zwar möglich, durchgehend Spaß zu machen UND gut geschrieben (HxH, Kaiji, Death Note), aber wenn man eine wirklich gut strukturierte Handlung will, muss man sich erfahrungsgemäß meistens auf zähere Stellen einlassen.

    Übrigens, ich habe schon öfters beobachtet, wie du bei deinen Artikeln plötzlich vom Thema abschweifst. Hat das einen tieferen Grund? Ich meine, erst schreibst du über Leute, die Serien langweilig und gut finden, dann wechselst du komplett das Thema und schreibst über das Character Design in Mushishi. Liegt das nur an mir oder hat das eine nichts mit dem anderen zu tun?

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