Zelda: Breath of the wild – Das beste Spiel aller Zeiten?

Kein anderes Zelda hat wohl bisher so große Wellen geschlagen wie Zelda: Breath of the Wild – mit Ausnahme von Ocarina of Time vielleicht. Nach der endlos scheinenden Entwicklungszeit und etlichen Versprechen ist das Spiel Anfang März endlich erschienen und man erwartete nicht weniger als das beste Spiel aller Zeiten. Doch konnte das Spiel diesen Erwartungen gerecht werden? Lange hat es gedauert, bis ich das Spiel zu nahezu 100% durchgespielt hatte und nun habe ich einen ausreichenden Überblick, um einen finalen Fazit zu dem Spiel zu ziehen und diese Frage uneingeschränkt beantworten zu können.

Wer will, kann Musik aus dem Game im Hintergrund laufen lassen.

Ich fange direkt gleich mit meinen Eindrücken am Erscheinungstag an. Wie bei jedem Spiel aktuell habe ich mir das Spiel zunächst per Amazon (vor-)bestellt. Als sich dann jedoch herauskristallisierte, dass sie das (mal wieder) mit dem beschissenen Lieferdienst senden, der erfahrungsgemäß immer erst drei Tage später ankommt, entschied ich mich, die Bestellung zu stornieren und lieber in den nächsten Laden zu fahren und mir das Spiel selbst zu holen – ich freute mich so sehr auf dieses lang ersehnte Spiel, dass ich wirklich keinen Tag länger warten wollte. So sehr war ich schon lange nicht mehr auf ein Spiel gehyped.

Im Laden stand ich dann in einer Schlange aus Leuten, die sich alle Zelda kauften. Dreimal übrigens die WiiU-Version und nur einer kaufte sich eine Switch dazu. Lustigerweise waren die anderen drei sogar alles Omas und nur der mit der Switch war etwas jünger. Wieder zuhause legte ich das Spiel natürlich sofort ein und machte den ganzen Tag nichts anderes mehr, auch wenn der Anfang auf dem Vergessenen Plateau mir größtenteils schon aus E3-Gameplay bekannt war, aber es war halt trotzdem nochmal etwas anderes, wenn man selbst herumlaufen und auf die Zitadelle der Zeit klettern und dicke Äxte herumschwingen durfte.

Während das alleine durch die vielen neuen Mechaniken wie das Zutaten-Sammeln und -Jagen und das neue Kampfsystem schon sehr viel Spaß machten, so richtig ging das Spiel erst mit dem Verlassen des Vergessenen Plateaus los. Die Cutscene, in welcher der König über die Titanen und Ganons Übernahme erzählte, fand ich einfach richtig episch und gerade die Titanen waren einfach extrem unerwartet und ungewöhnlich für ein Zelda-Spiel. Ab diesem Moment habe ich das Spiel richtig gesuchtet und hätte einen ganzen Monat lang am liebsten nichts anderes mehr gemacht, und mit jeder neuen Station wurde das Spiel nur besser und besser.

Das begann schon mit dem Eintauchen in die neue Welt und dem Finden der ersten neuen Gegner oder der ersten Truhe mit Rubinen drin. Ich meine stellt euch das mal vor, man ist da stundenlang auf dem Plateau herumgerannt und hat dabei aber nicht einen einzigen Rubin gefunden. Und dann beginnt das Spiel und man findet an jeder Station immer wieder ganz neue Mechaniken, die das so schon gute Spiel nochmal auf eine ganz neue Ebene heben. Die ersten NPCs! Die ersten Sidequests! Das Inventar erweitern! Die erste Stadt! Der erste Ausrüstungsladen! Auf der ganzen Welt verteilte Story-Cutscenes (die Erinnerungen)! Rüstungen Upgraden und Einfärben! Eine Datenbank mit sämtlichen Gegnern, Tieren und Waffen zum Vervollständigen! Minispiele! Ein Haus zum Selbst-Einrichten! Antike Waffen schmieden! Eine ganze Stadt aus dem kahlen Boden stampfen! Und natürlich das größte Highlight des Spiels, die Gebiete der vier Völker und ihre Titanen.

Das alles zu entdecken, hat aber wie gesagt einen ganzen Monat gedauert. Das liegt daran, dass die Welt nicht nur riesengroß, sondern auch noch eine immense Dichte voller Details aufwartete, welche ich eben auch auskosten und deswegen nicht einfach zur nächsten Stadt weiterrennen wollte. Damit meine ich natürlich, dass es nahezu an jedem auffälligen Ort einen versteckten Krog oder wenigstens eine Truhe oder ähnliches zu entdecken gibt, aber auch dass die NPCs auf die verschiedensten Sachen reagieren wie wenn man sie nackt oder im Regen oder zu bestimmten Zeiten anspricht, oder der eine NPC, der glaubt man will sich von einer Brücke stürzen und umbringen. Das Spiel war einfach voll von solchen Details, durch die man das Spiel und seine Welt einfach etwas genauer unter die Lupe nehmen wollte, anstatt einfach nur durchzurushen. Ich hatte mir sogar eine Karte gezeichnet, auf der ich eingezeichnet hatte, wie gründlich ich beim Erkunden eines Gebiets vorgegangen bin und welche Gebiete ich mir demnach noch mal ansehen sollte.

Nach dieser Zeit, das war so ungefähr nach dem ersten Titan und meinem Besuch in Akkala, stellte sich bei mir aber langsam auch ein wenig Ernüchterung ein. Mein Erkundungsdrang ging immer mehr zurück, weil man doch langsam feststellte, dass man immer wieder nur dasselbe vorfand: Schon wieder ein Iwarok oder Hinox? Noch ein Monsterlager mit immer wieder denselben Gegnern drin? Der dreihundertsechzigste Krog unter einem Felsen, der mir eh nichts bringt, weil Maronus sonst wo versteckt ist und ich ihn einfach nicht wiederfinde? Eine Truhe mit einer geilen Waffe, für die ich ebenfalls keinen Platz im Inventar habe, eben weil mir Maronus fehlt? Und warum finde ich im Zora-Dorf oder Hateno nicht so viele besondere NPC-Reaktionen wie in Kakariko? Zu diesem Zeitpunkt empfand ich das Spiel um ehrlich zu sein als ziemlich zäh und weniger zufriedenstellend.

Dieser Umstand brachte mich dann dazu, das Tempo ein wenig zu erhöhen und doch ein wenig mehr durchzuhetzen. Natürlich nehme ich mit, was mir ins Auge springt, aber ich suchte nicht mehr jeden Zentimeter ab, um sicherzustellen, dass ich auch ja keinen Krog und kein Detail übersehen habe. Dadurch erlebte das Spiel für mich einen zweiten Aufwind, es hat mich zwar nicht mehr ganz so krass begeistert wie im ersten Monat, aber ich entdeckte dadurch in kürzeren Abständen die richtig geilen Segmente des Spiels, wie die Ranelle-Spitze, Jotwerde, der vergessene Tempel, die Irrschlösser, das Geheimnis des Satori-Berges und was es sonst noch alles cooles in dem Spiel zu entdecken gibt. Auch Maronus fand ich und so hatte kurzzeitig auch das Krog-Sammeln wieder einen Sinn, auch wenn ich mir da schon praktisch instant sämtliche Inventarplätze freischalten konnte.

Danach ging das Spiel für mich in die Endphase und ich begann, so ziemlich alles noch einmal gründlich abzusuchen. Mein Ziel war es ja, für meinen Artikel zumindest alles von Wert gesehen zu haben, damit ich auch wirklich einen vollen Überblick über das Spiel habe. Die Titanen hatte ich natürlich längst gefunden und alle Kartenbereiche zumindest aufgedeckt, jetzt ging es um die letzten Erinnerungen, Schreine, Nebenquests und ich nehme natürlich auch jeden Krog, Iwarok und Hinox mit, den ich finde. Diese Zeit bot zwar hin und wieder auch noch das ein oder andere Highlight, war für mich aber ansonsten die schwächste Zeit des Spiels. In dieser Zeit fielen mir auch erst die meisten großen Kritikpunkte an dem Spiel auf.

Das sind zum Einen die Monster: Selbst in den entlegensten Ecken laufen immer noch dieselben alten Monster herum, die man noch vom Vergessenen Plateau kennt. Zwar haben diese Gegner schon ein umfangreiches Moveset, das sich auch je nach ihren Waffen unterscheidet, sodass man die Gegnerzahl im Prinzip nochmal Mal 3 nehmen kann, aber die Designs sind einfach extrem eintönig. Und leider trifft das nicht nur auf die Standard-Gegner zu, auch die Bosse sind immer die gleichen und selbst die Hauptgegner in den Titanen spielen sich zwar immer anders, sehen aber einfach total gleich aus und dadurch fehlt einem einfach beim Spielen der Dungeons diese Vorfreude darauf, wie denn der Boss aussehen könnte, weil man es eben schon im Vornherein weiß.

Das ist allerdings ein Problem, das Open-World-Games wohl einfach so an sich haben, bei so gewaltigen Spielen muss anscheinend einfach irgendwo Content recycelt werden, dasselbe Problem hatten ja auch schon XenoChronX, The Witcher 3 und Assassins Creed, wobei XenoChronX es von allen noch am besten hinbekam und leider auch besser als Breath of the Wild. Bei The Witcher wird der Vergleich schon schwierig und besser als Assassins Creed ist Zelda aber allemal.

Nur, was sich für die Gegner sagen lässt, lässt sich leider auf so ziemlich alle Aspekte des Spiels erweitern. Es handelt sich hier um ein Problem, das praktisch dem ganzen Spiel zugrunde liegt und ich würde dieses Problem als den „Flow“ des Spiels bezeichnen. Was meine ich damit? Es steht ja außer Frage, dass Breath of the Wild wirklich riesig ist. XenoChronX war ja seinerzeit das größte Open-World-Game, das existierte, und es gibt keine direkten Vergleiche, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Zelda dieses Spiel noch einmal getoppt hat (und selbst wenn nicht – man kann ja nicht einfach in einen Mecha steigen und die Welt dadurch 20% kleiner machen). Man kann also definitiv nicht von Breath of the Wild behaupten, dass es „zu wenig“ Content hat.

Was man aber kritisieren kann ist, wie dieser Content aufgeteilt ist. Sagen wir es mal so: Wenn man in dem Spiel rumläuft, dann findet man ja praktisch immer etwas, aber das, was man findet, ist für einen unterschiedlich wertvoll. Da gibt es zum einen unfassbar epischen Stuff, richtig coolen Stuff, dann interessanten Stuff und schließlich normalem Stuff. Der unfassbar epische Stuff ist das Zeug, bei dem man so richtig „Wow!“ geht und auf das man richtig hinarbeitet, also alles was so mit der Hauptstory zu tun hat, die Titanen, der Final Boss und vielleicht noch die Erinnerungen und das Master Schwert. Unter richtig coolem Stuff fallen die ganzen aufregenderen Secrets wie zum Beispiel die Ranelle-Spitze, Jotwerde, der Satori-Berg und auch die spannenderen Nebenquests und Städte. Vielleicht auch die Feen-Quellen und noch ein paar Schreine. Sachen die einfach ein kleines Highlight darstellen und die man einfach alle gefunden haben möchte.

Interessanter Stuff sind dann alle restlichen Schreine, die ersten Male wo man ein neues Krog-Rätsel findet und vielleicht noch ein paar geheime Orte, die besonders herausstechen aufgrund von Easter Eggs oder dergleichen. Und unter normalem Stuff fallen letztlich alle übrigen Krogs, Orte, Monsterlager und versteckte Truhen und alles andere, was nach dem ersten Mal nichts mehr so wirklich Besonderes ist. Und wenn man diese vier Kategorien ins Verhältnis setzt, dann erkennt man, was der größte Kritikpunkt an dem Spiel ist: Von dem hochwertigen Stuff gibt es vergleichsweise wenig, und von dem weniger tollem Stuff gibt es unfassbar viel.

Einfach mal grob abgezählt, dann gibt es von unfassbar epischem Stuff so ungefähr 20 Dinge, von dem richtig coolen Stuff etwas mehr, vielleicht 25-30, im höchsten Falle vielleicht 40, rechnen wir einfach damit. Von dem interessanten Stuff gibt es dann über 100, und von normalem Stuff gibt es schon 900 Krogs und wer weiß wie viele Schatztruhen und Monsterlager da noch dazukommen, es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn wir auf mehr als 2000 kommen. Seht ihr das Problem? Das Spiel hat einen wirklich unglaublichen Umfang, aber ein Großteil dieses Umfangs besteht aus Sachen, die einfach nur ganz nett sind, und die wirklich aufregenden Dinge machen rein rechnerisch ganz ohne Übertreibung nicht mal 10% des Spiels aus.

Ein weiteres Problem ist, wie diese unterschiedlich wertvollen Dinge zu erreichen sind. Gerade für die Titanen reicht es eigentlich, sein Pferd zu satteln und einfach nur dem Weg zu folgen und maximal für einen Turm oder Schrein auf dem Weg anzuhalten. Auch für die wichtigen Erinnerungen und Feen-Quellen bekommt man gute Hinweise, wodurch es einem ziemlich gut möglich ist, diese schnell zu finden. Will ich aber Krogs oder Truhen finden, muss ich jeden Zentimeter des Spiels abgrasen und jeden Stein umdrehen. Versteht ihr? Ausgerechnet die langweiligsten Dinge erfordern den größten Aufwand. Auch bei den Schreinen ist mir aufgefallen, dass die coolsten und längsten Rätsel meistens in den Schreinen sind, die einfach direkt auf dem Weg liegen und die gut versteckten sind oft nur noch Kraftproben oder gleich Belohnungsschreine. Dadurch sitzt man irgendwann da, hat alles coole an dem Spiel hinter sich und noch nicht mal 50% des Spiels überhaupt angesehen.

Das ist ja an sich kein Problem, schließlich zwingt einen ja niemand, alle 900 Krogs zu sammeln, wenn man darauf keinen Bock hat. Wichtig ist, dass der motivierende Inhalt des Spiels ausreichend ist, und ich schrieb ja, dass ich einen ganzen Monat lang von dem Spiel vollkommen eingenommen war. Allerdings bringt mich jetzt etwas dazu, diese Zeit auch ein wenig infrage zu stellen. Am Anfang des Spiels schwingen ja auch immer die Erwartungen mit, weil man noch 90% des Spiels vor sich hat, und man erwartet ja, dass das Spiel mit der Zeit eher anzieht. Wenn man am Anfang einen eher schwachen Schrein findet, denkt man sich halt: „Ich hab ja noch 89 vor mir, die geilsten kommen bestimmt noch.“ Ebenso ist man eher gewillt, die gleichbleibenden Gegnerdesigns zu entschuldigen oder eine lahme Quest, die nur wie ein Tutorial wirkt, weil man eben denkt, das ist der Anfang und da kommt noch so viel mehr.

Rückblickend bin ich da aber in vielerlei Hinsicht enttäuscht worden. Die Eintönigkeit der Gegner habe ich ja schon angesprochen, einzig die Gerudo-Wüste bildet da eine Ausnahme und zeigt, dass es ja doch besser gegangen wäre. Auch bei den Schreinen gab es viele, die aus einem einzelnen Rätsel bestanden und eher wie ein Tutorial für etwas Größeres wirkten, das dann aber nie kommt. Auf der anderen Seite hatte Breath of the Wild aber auch die bisher innovativsten, schwersten und genialsten Rätsel der Reihe. Es konnte das Niveau nur nicht gleichbleibend halten bzw. sich stetig steigern, wie es sich für ein gutes Spiel gehört und so gab es neben den richtig guten Schreinen auch nicht wenige Schlechte. Dass man bei manchen Schreinen auch einfach mit einem Feuerpfeil oder Bomben regelrecht cheaten und die Mechaniken aushebeln kann, ist einfach schwach.

Bei den Quests sieht es ähnlich aus. Da gibt es auch einige richtig gute, aber auch sehr viele die einfach nur aus „besorge mir Item X“ bestehen und die man dann meistens instant abgeschlossen hat, weil man durch die immense Größe der Welt das Item längst fünfzig mal im Inventar hat. Es gibt zum Beispiel diese Waffennarr-Quest, dem man etliche und zum Teil sehr seltene Waffen vorzeigen muss, und dann gibt es im Krog-Wald einen Krog, der einfach nur einen Eisstab sehen will und das wars. Wozu braucht es diese Quest, wenn es schon die Waffennarr-Quest gibt? Oder diese Quest, bei der man einfach mit dem Magneten eine Truhe aus dem Fluss holen muss, also etwas, das man im Lauf des Spiels eh schon hundert mal gemacht hat? Viele Quests sind einfach nur völlig lahm.

Ebenfalls fehlt wirklich die Motivation zum Abschließen dieser Quests, da sie beinahe völlig konsequenzlos bleiben. Die Belohnungen sind eh immer nur Müll den man längst fünfzig Mal im Inventar hat, und es gibt keine Story, die mit den Quests irgendwie vorangetrieben wird. Warum helfe ich dem Ausdauernden Verehrer, wenn er am Ende eh nicht mit seiner Angebeteten zusammenkommt? Warum kann ich nicht den Hühnerfreak wieder mit seiner Frau zusammenbringen, obwohl beide aussagen, dass sie das wollen? Warum kann ich nicht dafür sorgen, dass sich der Kürbisbauer und der Karottenbauer vertragen und sie Kürbisse dann normal im Laden verkaufen, worauf das Spiel eindeutige Hinweise gibt? Warum nicht?! Hier hätte sich Zelda echt eine dicke Scheibe von XenoChronX und The Witcher abschneiden können und müssen.

Das Problem gibt es auch noch bei den Minispielen, für die man auch (fast) nie etwas Sinnvolles bekommt und die deshalb auch nahezu komplett überflüssig sind (Ausnahme sind die Pferde-Minispiele, wo man Ausrüstung bekommt). Das ist wirklich Schade, denn die sind eigentlich richtig spannend und herausfordernd gestaltet. Hier fehlen einfach die Zeldatypischen Elemente, wo man Herzteile, Flaschen oder Köcher-Upgrades dafür bekommt, oder man hätte doch wenigstens bestimmte Waffen oder Rüstungen oder meinetwegen auch Kochrezepte dafür hergeben können.

Diese Probleme sieht man allerdings hauptsächlich erst, wenn man sich den 100% annähert und erkennen kann, was da alles noch vor einem liegt – und vor allem, was nicht. Deswegen bin ich auch der Ansicht, dass alle Bewertungen und Rezensionen über dieses Spiel, die kurz nach Release des Spiels erschienen sind, gar nicht den Kern des Spiels treffen können, da man in der kurzen Zeit gar nicht genug vom Spiel gesehen haben kann, um es richtig einschätzen zu können. Inzwischen habe ich 456 Spielstunden angehäuft, alle Schreine und Nebenquests absolviert, alle Erinnerungen und bis auf zwei Kack-Vögel das Hyrule-Handbuch eigenhändig vervollständigt, so gut wie alle Ausrüstungsgegenstände maximiert, sicherlich auch alle Rezepte gekocht, 751 Krogs gefunden (allerdings nicht alle aus eigener Kraft) und das „wahre Ende“ gesehen und ich denke, das erlaubt einen ziemlich umfassenden Überblick über das Spiel.

Es gibt noch ein paar kleinere Dinge wie Balancing-Probleme, aber ich denke, ich habe damit alles Wichtige und Notwendige ausgeführt und ihr solltet erkennen können, worauf das alles hinausläuft. Breath of the Wild ist ein wirklich gigantisches Spiel, von dem aber nur ungefähr 30% wirklich gut ist und die restlichen 70% sind okay bis nett. Ganz ehrlich, ich hätte es besser gefunden, sie hätten die ganzen 70% einfach weggelassen, und wenn sie dafür nur einen Titan mehr oder nur einen Gegnertyp mehr gemacht hätten. Dann hätte ich das Spiel einfach rundum gut finden können, wie ich das von einem Zelda-Spiel gewohnt bin.

Ist Breath of the Wild das beste Spiel aller Zeiten? Definitiv nein. Und wenn ihr mich fragt, ist es auch nicht das beste Zelda und auch nicht das beste Open-World-Game. Breath of the Wild ist definitiv seinen Preis wert und selbst die 30% reichen noch aus, dass ich dem Spiel uneingeschränkt eine Kaufempfehlung aussprechen würde. In diesen 30% stecken die kniffligsten, innovativsten und aufregendsten Momente, welche die Zelda-Reihe je hatte, allerdings werden diese durch die anderen 70% wie mit Wasser verdünnt und das verrechnet sich dann und ist im Gesamtresultat dann nicht mehr ganz so gut.

Breath of the Wild hat definitiv nicht „zu wenig“. Im Gegenteil, ich würde sogar sagen, das Spiel hat regelrecht „zu viel“. Wenn ihr mich fragt, hat sich Nintendo mit diesem Spiel einfach übernommen. Sie wollten etwas so Großes, Bombastisches schaffen, dass sie ihr übliches Qualitätsniveau nicht bis zum Ende halten konnten. Vielleicht ist Breath of the Wild auch ein wenig die Geißel der WiiU-Ära, da Nintendo vielleicht aufgrund der schwächelnden Verkäufe einfach die Mittel fehlten, all ihre Pläne nach ihren Vorstellungen umzusetzen. Und dann saßen sie fest auf diesem viel zu riesigen Schiff und mussten es irgendwie sicher in den Hafen bringen. Wer weiß?

Bis zu diesem Punkt habe ich extra noch kein Wort über den Soundtrack verloren, denn dieser steht für mich wie stellvertretend für das ganze Spiel. Wenn ihr eingangs dem Link gefolgt seid, dann hört ihr es ja sicher selbst: Aus meiner Sicht ist der Soundtrack von Breath of the Wild einfach genial und wenn in dem Spiel mal eine Melodie spielt, fand ich die nahezu jedes Mal richtig großartig und kein Zelda und auch fast kein Spiel an sich hatte bisher so viele so richtig gute Stücke. Aber jetzt kommt das lustige: Musik spielt überhaupt in dem Spiel nur an ganz speziellen Orten und während des Erkundens der Oberwelt, also wie gesagt die meiste Zeit über, hört man so gut wie gar nichts davon. Ich sag ja, es ist bezeichnend für das Spiel an sich.

Für kommende Zeldas wünsche ich mir folgendes: Meines Erachtens darf das nächste Zelda gerne viele Elemente aus Breath of the Wild übernehmen. Das dynamische Kampfsystem dürfen sie ruhig beibehalten, wie auch die verschiedenen Waffentypen. Auch Materialsammeln, Kochen und Rüstungen aufwerten hat mich überzeugt. Auch so tolle Aufgaben wie das Haus- und Stadtbauen können gerne wieder auftauchen. Allerdings wünsche ich mir als nächstes wieder ein kompakteres Zelda, das dafür mehr von dem bietet, was wirklich gut ist. Meinetwegen darf es auch gerne wieder linearer werden, wenn es dafür eine stetige Steigerung zum Ende hin gibt. Bringt die Herzteile oder zumindest richtige Belohnungen für Aufgaben und Minispiele zurück. Und bitte gibt dem Spiel wieder eine richtige, kohärente Handlung mit epischen Momenten, die nicht alle nur offscreen passieren. Und lasst Link doch wieder sein Schwert in die linke Hand nehmen, wenn es schon keine Bewegungssteuerung gibt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s