Ist Breath of the Wild eine Liebesgeschichte in Verkleidung? Oder: Trägt Link die Schuld an dem Untergang Hyrules?

Nach langer Wartezeit erschien am 30.06. endlich der erste DLC zu Zelda: Breath of the wild und lässt den Hype ein zweites Mal hochleben. Ich nehme dies nun als Gelegenheit, um endlich meinen ersten Artikel zu dem Spiel zu veröffentlichen, in dem ich die Story des Spiels genauer unter die Lupe nehme. An dieser Stelle sei deshalb sogleich an alle, die das Spiel selbst noch nicht durchgespielt haben, was aufgrund der schieren Größe des Spiels durchaus eine Möglichkeit darstellt, eine Spoilerwarnung ausgesprochen.

Trotz des Umfangs des Spiels lässt sich die Story ziemlich kompakt zusammenfassen, was mich doch sehr überraschte. Nach dem Anfang im Plateau, wo der König von Hyrule einen über die Titanen aufklärt, hat man eigentlich schon das Wesentlichste erfahren und verpasst tatsächlich gar nicht so viel, wenn man direkt zum Schloss rennt, außer eben den Großteil der Spielwelt. Auch Impa erzählt im Endeffekt nur dieselbe Geschichte noch einmal ausführlicher und gibt einem konkrete Anweisungen, wo man die vier Titanen letztlich finden kann.

Diese vier Titanen machen den Hauptteil dessen aus, was man in dem Spiel als zentrale Storyline nennen könnte, sind jedoch selbst eher in sich abgeschlossene Neben-Plots, die sich um die einzelnen Völker und deren Recken drehen und deshalb auch größtenteils auf „Der Titan macht uns Probleme. Hilf uns, ihn wieder zur Räson zu bringen!“ herunterbrechen lassen. Davon abgesehen spielt sich der Großteil des Spiels in den 100 Jahren vor dem eigentlichen Gameplay und damit in den im Spiel verstreuten Erinnerungen ab. Um das, was diese Erinnerungen erzählen, geht es mir in diesem Artikel.

Leider verraten einem aber auch diese Cutscenes nicht so viel, wie man es sich anfangs vielleicht erhofft. Was einem an der Vorgeschichte natürlich interessiert, ist wie Ganon erwacht ist, was mit den Recken geschehen ist und warum es ihnen vor 100 Jahren nicht gelungen ist, Ganon aufzuhalten. Trotzdem passiert leider vieles davon zwischen den Erinnerungen offscreen und man muss sich als Spieler viel zusammenreimen. Dass die Story in dem Spiel so eine Nebenrolle in Breath of the Wild einnimmt, finde ich ziemlich schade, da Zelda-Spiele für mich auch immer schon eine mitreißende Story ausmachten, wie ihr vielleicht durch meinen Prä-BotW Zelda-Artikel wisst.

Aber genug Gejammer, das hebe ich mir für mein BotW-Fazit auf. In diesem Artikel wollte ich die Storyschnipsel auswerten, die wir haben, und da die Geschichte wie gesagt zu großen Teilen an den Erinnerungen hängt, halte ich es für gar nicht so verkehrt, die Erinnerungen chronologisch einzeln abzuarbeiten – auch wenn man sie selten in genau der Reihenfolge finden wird. Fürs Verständnis ist vielleicht nicht ganz schlecht, wenn ihr die Erinnerungen vor euch habt, deswegen verlinke ich mal ein Video das alle Erinnerungen der Reihe nach zeigt.

Die erste Erinnerung zeigt die Zeremonie, die Link als einen der Recken und Zeldas Leibwächter einweiht. Diese Erinnerung gibt wirklich ganz schön viel her, was vielleicht auch der Grund ist, warum sie an einem so von Wächtern infestierten Ort aufzufinden und damit alles andere als leicht zu erreichen ist, auch wenn man sich den Ort dank der Karte schon gut denken kann. Die Erinnerung zeigt nicht nur – wie die meisten Erinnerungen – Link und Zelda, sondern auch alle vier Recken, auch wenn diese keine sonderlich wichtige Rolle in dieser Erinnerung einnehmen.

Vor allem erfährt man in dieser Erinnerung, dass Zelda anfangs auf Link alles andere als gut zu sprechen war – ebenso wie Revali – und wir erfahren auch direkt gleich den Grund dafür: Link hat in diesem Spiel von Anfang an seine Rolle perfekt ausfüllen können, während sie mit ihrer eigenen Rolle jedoch Probleme hat. Was das für eine Rolle ist und was genau Zeldas Problem dabei ist, verrät uns diese Erinnerung jedoch nicht. Ebenfalls interessant ist der Text, den Zelda in dieser Zeremonie herunterbetet, da er Anspielungen auf ältere Zelda-Spiele enthält („durch die Lüfte fliegst“ -> SkySwo, „durch die Zeiten wandelst“ -> OoT, „in die Schatten eintauchst“ -> TwiPri) und viele Spieler dazu angeregt hatte, über die Position von Breath of the Wild in der Zeitlinie zu diskutieren.

Hört man genauer hin, als sich die Recken unterhalten, kann man hören, wie Zelda im Hintergrund weiterspricht, was etwas versteckt ist, da dies nicht in den Untertiteln auftaucht. Das ist interessant, weil sie dabei weitere Zelda-Ären erwähnt („ob der Held die Meere überquert“ -> WiWa, „oder eine Verbindung mit der Vergangenheit eingeht“ -> AlttP), die eigentlich aus komplett verschiedenen Timelines stammen und nunja… Damit das Sinn ergibt, müsste BotW entweder die Timelines noch verrückter machen, als sie ohnehin schon sind oder gar die Dreiteilung der Timeline rückgängig machen. Kritiker der ohnehin schon kontroversen Timeline werden sich freuen.

Es folgt die Erinnerung über Revali im Orni-Dorf. Diese Erinnerungen dienen für mich hauptsächlich dazu, die einzelnen Recken, deren Persönlichkeit und Fähigkeit vorzustellen und haben deshalb für mich weniger Auswirkung auf die „eigentliche“ Geschichte. Ich würde diese Erinnerung aber gerne nutzen, um auf eine Sache aufmerksam zu machen, die mir generell in allen Erinnerungen aufgefallen ist, nämlich dass Link in den Erinnerungen wirklich auffällig passiv ist. Gerade an der Stelle, als Revali Link beleidigt und dann sagt: „Oje! Hab ich deine Gefühle verletzt?“ kommt das einfach komisch vor, da man Link keinerlei derartige Gefühlsregung ansehen kann. Ich meine komm schon, Link, steh nicht einfach blöd rum und lass dich belappen, das ist doch uncool!

Jetzt werdet ihr sagen ist doch klar, das ist ja schließlich Link. Aber denkt mal nach. In TwiPri und vor allem SkySwo und WiWa haben sie es auch geschafft, Link in den Zwischensequenzen Handeln und Emotionen zeigen zu lassen, auch wenn er nie gesprochen hat. Dass Link jetzt wirklich gar nichts mehr tut fällt wirklich auf und gerade auch in den späteren Erinnerungen stark ins Gewicht. Es hätte zum Beispiel sehr geholfen, wenn man dieses Duell zwischen Link und Revali hätte sehen oder vielleicht gar spielen können – wie cool wäre das bitteschön gewesen?

Die Erinnerung mag auch deshalb verwundern, weil man sich fragen muss, was Link überhaupt – und das anscheinend gar ohne Zelda – im Orni-Dorf zu diesem Zeitpunkt zu suchen hatte. Hierbei kann eventuell die nächste Erinnerung einen Hinweis geben, die zeigt, dass Link und Zelda durchs Land reisten und die Titanen erforschten. Wahrscheinlich sind sie in dessen Zuge im Orni-Dorf gewesen und nun nach Goronia unterwegs, auch wenn mir bei einen Blick auf die Weltkarte nicht klar ist, wieso sie dabei so einen Umweg über diesen See im Süden in Kauf nehmen. Wahrscheinlich gab es zwischendurch noch weitere Zwischenstopps beim Plateau oder in der Wüste, die sie aber offscreen gemacht haben und von denen wir deshalb nichts mitbekommen.

Da diese Erinnerung sehr nah am Plateau und auch in der Nähe von Kakariko liegt, ist es sehr wahrscheinlich, dass dies für viele Spieler auch eine der ersten gefundenen Erinnerungen ist. Man kann speziell an dieser Erinnerung Zeldas Enthusiasmus für die Wissenschaft erkennen und man sieht auch Zeldas Unsicherheit, die in dieser Erinnerung aber nur angedeutet wird und noch weniger Aufschluss über die Gründe gibt wie die allererste. Interessant finde ich jedoch, dass man Zelda in dieser Erinnerung ihre Abneigung gegenüber Link überhaupt nicht ansieht.

Wenig überraschend folgt als nächstes die Erinnerung über den Recken der Goronen. Auch hier wird vor allem dessen Persönlichkeit und Fähigkeit vorgestellt. Die Erinnerung hat jedoch ein paar Zusammenhänge mit den anderen Erinnerungen aus dieser Zeit, so erwähnt Daruk sogar Zeldas Abneigung gegenüber Link oder die Steuerungsprobleme, die in der letzten Erinnerung angesprochen worden sind. Es wird außerdem schon ein erstes Mal eine drohende Gefahr angedeutet.

Die nächste Erinnerung macht Zeldas Abneigung so deutlich wie keine andere – Zelda reagiert sogar regelrecht Tsundere auf Links Ankunft. Diese Erinnerung ist zudem ein schönes Beispiel von Links Passivität, da man wirklich nicht den Hauch einer Regung auf Links Gesicht erkennen kann, als Zelda ihn anschreit. Was jedoch schon für ihn spricht, ist die Tatsache, dass Link dem entgegen eben nicht einfach Zeldas Befehl befolgt und zurück ins Schloss geht, sondern sich ihr aktiv widersetzt. Das fand ich schön und ich wünsche mir wirklich mehr solcher Momente, auch wenn nicht ganz klar ist, ob Link wirklich aus freien Stücken bei ihr bleibt oder weil es ihm der König von Hyrule halt befohlen hat. A propos Fohlen: Ist euch aufgefallen, dass Link auf einem Pferd angeritten kommt, das nicht Epona ist?

Es folgt eine weitere Erinnerung über einen Recken, die auch mal wieder sonst wie weit von der letzten Erinnerung entfernt ist. Also die müssen schon wirklich kreuz und quer durch die Lande gereist sein. Ausnahmsweise taucht auch Zelda in dieser Erinnerung auf und man erkennt auch diesmal deutlich Zeldas Abneigung. Diese Erinnerung gibt auch endlich etwas Aufschluss darüber, was genau Zeldas Problem ist und auch, warum Zelda so enthusiastisch an den Titanen arbeitet: Sie scheint keine gute Chemie mit den spirituellen Kräften zu haben und da sie nicht verstehen kann, was das Problem ist, gibt sie sich lieber den Titanen hin, da sie sich diese logisch erschließen und somit doch einen Beitrag zur Sicherheit Hyrules leisten kann.

Also diese Erinnerung bietet wirklich viele Informationen und das ist finde ich auch irgendwie charakteristisch für die Wüste an sich, die insgesamt einfach das beste Storygebiet ist. Warum sich die Siegelkraft nie in Zelda zeigte, verrät uns diese Erinnerung jedoch nicht, zumindest wissen wir aber schon mal, was überhaupt das Problem ist. Es folgt auch gleich eine zweite Erinnerung in der Wüste, die zumindest in einer Hinsicht so etwas wie einen Wendepunkt darstellt: Zelda wird von Yiga angegriffen und letztlich von Link gerettet. Viele interpretieren diese Szene ja als der Moment, in den sich Zelda in Link verliebt und naja, die Art wie Zelda Link in dieser Szene anstarrt spricht auch irgendwie Bände.

Ich glaube aber nicht, dass man hier wirklich schon von Liebe sprechen sollte. Ich meine, in der Erinnerung davor war noch ganz klar ihre Abneigung zu erkennen und sich von einen auf den anderen Moment zu verlieben, nur weil Link sie einmal gerettet hat, finde ich schon etwas zu cliché und abrupt. Man kann aber definitiv sagen, dass Zelda in dieser Szene eingesehen hat, dass sie vielleicht doch einen Beschützer braucht und Link jetzt auch mit etwas anderen Augen sieht und als ihren Leibwächter akzeptiert. Schließlich sieht man sie ja nach dieser Erinnerung auch nicht mehr rumzicken. Eine eventuelle Liebe braucht aber schon mehr als einfach einmal Prinzessinnen-Syndrom.

Zumindest aus meiner Sicht bestätigt das auch die nächste Erinnerung, wo Link anscheinend offscreen gleich eine ganze Armee von Leunen und anderen Monstern besiegt hat. Wieso dürfen wir die ganzen coolen Sachen nie sehen? Jedenfalls zeigt uns diese Szene, dass Link nicht nur eine Gelegenheit hatte, vor der Prinzessin den Helden zu spielen und dass die beiden sicherlich auch vor dem Yiga-Überfall schon öfters in Kämpfe verwickelt waren. Diese Erinnerung verstärkt auch nochmal die düsteren Vorzeichen, die wir schon einmal in einer Erinnerung am Todesberg gesehen haben. Ob das ein Zufall ist? Man kann auch sehen, dass Zelda sich viel weniger liebevoll um Links Wunden kümmert als Mipha.

Die nächste Erinnerung schlägt dann aber schon einen ganz anderen Ton an und fällt unter die Kategorie „lustige Dere-Momente mit Prinzessin Zelda“. Sie ist bei den Fans berühmt aufgrund von…sagen wir wie es ist: Wegen Zeldas Arsch! In dieser Erinnerung zeigt sich Link auch mal ungewöhnlich ausdrucksstark. Inhaltlich bringt sie die Story zwar keinen Deut weiter, aber genau sowas braucht es einfach, damit man von einer Liebe sprechen kann, nämlich Momente in denen sich eine solche auch entwickeln kann. Und genau dies bestärkt mich auch darin, dass die Geschichte von Breath of the Wild eigentlich eine „Lovestory in Disguise“ ist.

Ansonsten erfährt man in der Erinnerung etwas über den Prinzessinen-Enzian, der angeblich eine große Rolle in dem Spiel spielen sollte, über die ich mir allerdings auch nach dem Durchspielen nicht vollends im Klaren bin. Ich habe eine interessante Theorie dazu gesehen, aber das ist schon eine andere Geschichte. Auch die nächste Erinnerung stellt sich als sehr romantisch heraus, auch wenn sie sich um jemanden ganz anderes dreht… Mipha erzählt uns, dass sie und Link sich anscheinend schon sehr lange kennen und auch diesmal muss ich sagen, ich hätte wirklich gerne etwas von aus Zeit gesehen. Vielleicht ja im zweiten DLC? Man darf ja mal hoffen…

In der nächsten Erinnerung hat der schlimmste Gegner des gesamten Spiels einen Auftritt. Wovon ich rede? Na, vom Regen natürlich! Link ist so frustriert, dass er nicht klettern kann, dass er sein Schwert einfach wild herumfuchtelt. Außerdem sitzt Zelda genau auf einem Krog, wenn ich das mal sagen darf. Ich albere hier rum, weil diese Erinnerung meines Erachtens nicht so viel hergibt. Man sieht hier noch einmal sehr gut Zeldas Unsicherheit, aber wenn ihr mich fragt, ähnelt diese Erinnerung wirklich stark derjenigen, die auf Revali gefolgt ist und bietet gegenüber dieser überhaupt keinen Mehrwert, außer dass sie vielleicht noch etwas intensiver ist.

Ich finde das ein wenig schade, vor allem, da diese zwei Erinnerungen auch auf der Karte sehr nah beieinander sind und je nachdem, welche der zwei Erinnerungen man zuerst findet, bietet einem die andere nichts Neues mehr. Vor allem, da es noch eine dritte Erinnerung gibt, die ebenfalls recht in der Nähe ist und die all das zeigt, was diese beiden Erinnerungen zeigen können und noch mehr obendrauf. Somit wirken diese zwei Erinnerungen irgendwie überflüssig und redundant, oder was meint ihr?

Die nächste Erinnerung finde ich dagegen ganz besonders wichtig. Sie beginnt damit, dass Zelda sich über die Erfolge mit der Shiekah-Technologie freut (und wieder dieses tolle Kleid anhat. Ich finde, das verdient eine Erwähnung). Doch dann taucht ihr Vater auf und drängt sie dazu, sich lieber der Aktivierung der Siegelkraft zu widmen. Oder sagen wir, er befiehlt es ihr. In dieser Szene kommt wirklich stark der Druck, der auf ihr lastet, zum Vorschein ich glaube wir sind uns einig, dass der König in dieser Szene nicht unsympathischer wirken könnte. Ich meine, ist ja nicht irgendwie eure Schuld, dass niemand mehr einen Plan hat, wie man die Siegelkraft aktiviert, ne?

Dazu muss man aber auch sagen, dass man im Schloss noch ein Buch finden kann, in dem der König schreibt, wie er seine Handlungen an diesem Tag bereut und sich vornimmt, Zelda bei ihrer nächsten Begegnung in den Arm zu nehmen und zu trösten, wenn ihre Gebete erfolglos bleiben, anstatt sie dafür zu schelten, nur halt… kommt es dazu dann nie. Ich finde dieses Buch ist ebenso wichtig für den Verlauf der Story wie die Erinnerungen und das sollte man auf keinen Fall verpasst haben.

Eine weitere Sache zu dieser Erinnerung: Link macht mal wieder gar nichts. Ich meine mir ist klar, dass der König von Hyrule sowas wie Links Boss ist und man widerspricht auch nicht seinem König, aber ich finde es hätte wirklich sehr für Link gesprochen, würde er sie an dieser Stelle in Schutz nehmen. Er weiß schließlich besser als jeder andere, dass sie sich Mühe gibt und wenn ich mir die kitschige Bemerkung erlauben darf, dann ist es als ihr Leibwächter auch seine Aufgabe, nicht nur für ihr körperliches, sondern auch für ihr psychisches Wohlergehen zu sorgen. Auch wenn der Gegner vor den er sie beschützt dann ihr eigener Vater ist. Aber naja ich habe mich ja schon einmal über Links Passivität ausgelassen und es wird auch noch nicht das Letzte mal sein.

…zum Beispiel bei der nächsten Erinnerung. Hier sehen wir zum ersten Mal Zelda live beim bad– äh ich meine beim Beten und wir dürfen aus erster Hand sehen, wie sinnlos das alles scheint. Also, Zelda beim Baden ist natürlich nicht sinnlos, aber ihr wisst schon. Beten. Diese Erinnerung ist es, weswegen ich vorher solche Kritik an die Regen-Szene und an die dritte Erinnerung geübt habe, denn wenn euch hier nicht die Parallelen auffallen, dann weiß ich auch nicht. Diese Erinnerung zeigt uns Zeldas Unsicherheit am stärksten und deutlichsten, also wenn es diese Szene gibt, welche Existenzberechtigung haben dann die anderen beiden? Was geben uns jene Erinnerungen, was uns diese hier nicht gibt?

Die Erinnerungen enden ja auch alle damit, dass sich Zelda in ihrer Verzweiflung an Link wendet und ihm eine Frage stellt. Und auch hier muss ich wieder Links fehlendes Reaktionsvermögen bemängeln. Gerade hier. Ich meine komm schon Link, sie fleht dich ja geradezu an und du tust nichts! Und das zum dritten Mal. Mir ist schon klar, dass Link ihr keine verbale Antwort geben kann, aber er könnte doch wenigstens betroffen gucken oder so, um ihr zu zeigen er weiß auch keine Antwort, oder er signalisiert ihr, dass er für sie da ist und sie nicht aufgeben soll. Reicht ihr die Hand oder irgendwas. Irgendwas wenigstens! Er ist schließlich der einzige, der ihr so eine Stütze sein kann.

Die nächste Erinnerung beginnt wieder mit etwas fröhlicheren Tönen und ist meiner Meinung nach auch eine der wichtigsten Erinnerungen. Das beginnt ja alleine schon damit, dass wir ein paar Hinweise auf Zeldas Pferd und das königliche Geschirr bekommen. Zelda behauptet, dass Link offscreen Dinge zu ihr gesagt hat. Ja nee, is klar. Und diese Erinnerung zeigt uns eigentlich Zeldas Problem mit der Siegelkraft und ihre Sorgen so ausführlich wie keine andere. Damit bietet diese einzelne Erinnerung Questrelevante Infos, weitere Dere-Momente mit Zelda, sagt uns eigentlich alles was wir über die Erinnerungs-Storyline wissen müssen und wir erfahren, dass Zelda 16 Jahre alt ist. Oder gewesen ist. Das ist wichtig.

Die nächste Erinnerung ist für mich und sicher auch für viele andere die erste Erinnerung, die ich gefunden habe, was eigentlich ganz interessant ist, da sie so weit hinten liegt. Sie warf deshalb für mich mehr Rätsel auf, als sie löste, denn wir sehen nur, dass irgendetwas gescheitert ist, wissen aber nicht mal genau was und erst recht nicht warum. Ich finde es aber taktisch ganz klug, diese Erinnerung so leicht früh verfügbar zu machen, denn gerade weil sie chronologisch weit hinten liegt, ist sie vom Informationsgehalt sehr nah an der aktuellen Situation des Spielers. Man rollt die Geschichte sozusagen von hinten auf und das Erfahren der Gründe ist ja sowieso der Hauptaspekt der Geschichte.

Außerdem ist dies eine der wenigen Erinnerungen, welche auch die vier Recken zeigen, und können daher dem Spieler bei der Entscheidung helfen, welchen Titan sie als erstes machen wollen. Und wo wir bei den Recken sind…jetzt muss ich aber wirklich langsam Link ohrfeigen. Es ist schon traurig, wenn selbst Revali mehr Beistand zeigt als er. Aber genau das was Urbosa und Mipha tun, das wäre eigentlich Links Aufgabe gewesen. Und bin ich eigentlich die einzige, die gerne wissen würde, was Mipha eigentlich sagen wollte, bevor sie unterbrochen wurde? Vielleicht hat das ja mit dem DLC zu tun…

Die Erinnerung endet, als die Recken sich für den entscheidenden Kampf aufbrechen. Als die nächste Erinnerung beginnt, ist Hyrule bereits untergegangen und Link und Zelda sind auf der Flucht. Warum nur?! Warum müssen alle spannenden Dinge immer ausgerechnet offscreen passieren? Überlegt doch nur, wie unfassbar Hype es sein würde, könnte man diese Kämpfe sehen oder sogar spielen. Wenn man den Moment, als der König von Hyrule stirbt, mit eigenen Augen sehen könnte! Das würde das Buch gleich noch zehnmal besser machen. Ich hätte das Spiel dann ohne zu zögern als das beste Zelda aller Zeiten bezeichnet.

Trotzdem zeigt diese Erinnerung endlich etwas, was ich schon die ganze Zeit sehen wollte. Es sollte wohl klar sein, dass dies eine der emotionalsten Momente des Spiels sein dürfte und endlich! Endlich kann man auch mal eine Gefühlsregung auf Links Gesicht sehen und endlich tut er mal das, was er schon viel früher hätte tun sollen: Er nimmt sie endlich mal in den Arm und leistet ihr seelischen Beistand.

Nachdem man alle Erinnerungen gefunden hat, schaltet man sich zudem eine letzte Erinnerung frei, die sich fast direkt an diese Szene anschließt. Nur fast, weil dazwischen mehrere Stunden Verfolgungsjagd und epische Kämpfe gegen eine Armee an Wächtern herausgeschnitten wurden. Ist ja klar, wir dürfen schließlich nichts cooles in diesem Spiel sehen. Nachdem Link also letztlich der Übermacht an Wächtern unterlegen ist, zeigt sich doch endlich die Siegelkraft in Zelda und es gelingt ihr, Ganons Kontrolle über die Maschinen zu brechen. Mit letzten Kräften gelingt es ihr, Link zu retten und in den Schrein des Lebens zu bringen, wo er 100 Jahre später wieder aufwachen wird.

Wir sehen also den genauen Moment, in dem sich die Siegelkraft in ihr zeigt, erfahren aber nicht explizit, was denn nun der Auslöser letztlich war. Ich finde aber, wir können uns den Grund anhand dieser Szene denken, denn es muss schließlich etwas sein, das in dieser Erinnerung anders war als in allen anderen davor, und es muss irgendwie mit dem Inhalt der anderen Erinnerungen zu tun haben.

Offensichtlich hat sich die Siegelkraft ja in dem Moment gezeigt, als sie Link beschützen möchte. Nun glaube ich nicht, dass ein Beschützerinstinkt der Trigger für die Siegelkraft ist, denn man hat ja schon sehen können, dass sie sich um ihr Volk und sie Hyrule mit ihrem Wissenschaftler-Enthusiasmus schützen wollte. Auch gehe ich mal stark davon aus, dass sie nicht „Geschieht dir Recht!“ im Kopf hatte, als ihr Vater draufgegangen ist, auch wenn er nicht gerade lieb zu ihr war. Aber man sieht ja, dass er ihr auch etwas persönlich bedeutet hat. Was also ist an Link anders als an allen anderen?

Nun, ihr könnt es euch ja sicher denken. So kitschig das jetzt klingen mag, aber ich glaube, die Kraft der Liebe hat die Siegelkraft erweckt! Ich meine, um nichts anderes als Links Beziehung zu Zelda ging es schließlich in all den Erinnerungen. Die Story von Breath of the wild ist nichts anderes als eine Geschichte darüber, wie Link und Zelda sich langsam näher kommen: Von einem holprigen Anfang, zu einem klassischen Wendepunkt, über einige Dere-Momente wie auch Schicksalsschläge zu einem dramatischen Finale. Das könnte praktisch aus dem Bilderbuch der Romance-Plots kommen, so typisch ist das.

Das interessante daran ist jetzt aber das Timing, mit welchem die Siegelkraft aufgetaucht ist. Erst, als alles praktisch schon den Bach runtergelaufen ist, zeigte sich die Siegelkraft. Wenn wir Liebe jetzt als den Ursprung für die Siegelkraft sehen wollen, und ich bin stark dafür, dass wir das tun, dann müsste das heißen, dass Zelda sich sozusagen erst nach dem Ausbruch der Verheerung in Link verliebt hat. Die einzige Szene, die wir für diese Zeit gesehen haben, ist die Flucht von Zelda und Link. Und ich kann das verstehen: Nachdem sie durch die Verheerung alles verloren hat, war Link der einzige, der ihr geblieben ist. Der Einzige, der noch für sie da sein konnte. Und gerade das war der erste Moment, in dem Link auch wirklich für sie da war und ihr in Zeiten der Not beistand.

Und das bringt uns zu einer interessanten Frage: Wenn Link vorher schon besser für sie da gewesen wäre, wenn sich Zelda schon früher in Link verliebt hätte, hätte sich dann die Siegelkraft schon früher in ihr gezeigt? Hätten sie dann die Verheerung aufhalten können? Hätten die Recken und der König von Hyrule und all die anderen dann überlebt? Ist Links Passivität somit daran Schuld, dass Hyrule untergegangen ist? Und war das vielleicht von Anfang an sein Plan und er ist in Wahrheit eine gemeine Yandere? Ja okay, den letzten Satz dürft ihr ignorieren.

Eine letzte Erinnerung gibt es noch, die man durch das Master Schwert bekommt. Sie zeigt, wie Zelda das Master Schwert an seinen Platz legt, bevor sie sich aufmacht, Ganons Macht mit ihrer gewonnen Kräfte einzudämmen. Sie fragt jedoch den Deku-Baum, ob er Link eine Nachricht ausrichten könne, worauf der Deku Baum jedoch antwortet, sie soll es ihm lieber selbst sagen. Also kommt, da kann doch nun wirklich niemand mehr leugnen, dass es hier um Liebe geht.

Wenn man von der Story des Spiels spricht, sollte man vielleicht auch noch über das Ende reden, oder genauer, über das zusätzliche Ende, wenn man alle Erinnerungen gesammelt hat. Von diesem „True Ending“ war ich ehrlich gesagt ein wenig enttäuscht. Im Prinzip ist die Belohnung dafür, dass man das Spiel gründlich durchgespielt hat, ein Lächeln von Zelda und dann ist ganz Hyrule von einer Prinzessinnen-Enzian-Plage befallen. Ich meine mir ist schon klar, dass Nintendo am Ende keinen Kuss bringen oder ein Canon-Ende machen wird, aber es war ja auch einiges an Arbeit, soweit zu kommen und alle Erinnerungen zu finden. Als Nintendo ankündigte, dass es ein geheimes Ende geben würde, habe ich eigentlich an etwas ganz anderes gedacht, aber daran sieht man eben: Breath of the Wild ist eine Liebesgeschichte in Verkleidung.

Damit wäre ich am Ende meines The Legend of Zelda: Breath of the Wild-Story-Artikels. Fast so lang wie mein gewählter Titel. Ich hätte nicht gedacht, dass er so lang werden würde, aber ich muss sagen, es hat mir wirklich Spaß gemacht und die Wörter liefen mir wie ein Sturzbach aus den Fingern. Ich weiß, dass in diesem Artikel einiges an Kritik steckt, also mag es vielleicht nicht danach aussehen, aber ich hatte schon lange nicht mehr so viel Spaß am Schreiben eines Artikels und hoffe, es ging euch beim Lesen ähnlich. Wenn ihr wissen wollt, wie ich letztlich über das Spiel denke, müsst ihr euch noch ein wenig gedulden, ich plane als nächstes den Saisonartikel zu machen und danach soll auch schon mein Zelda-Review kommen. Bis dann und wir lesen uns!

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