Starlins bisher größtes Zeichenprojekt

Ich weiß, so lang ist es dann auch wieder nicht. Aber es ist das erste Mal, dass ich etwas gemacht habe, das aus mehr als einem Blatt/Panel besteht und das hat mich auch unwahrscheinlich viel Zeit und Arbeit gekostet. Es ist tatsächlich schon länger her, dass ich das obere Blatt gezeichnet habe, nur die unteren beiden sind erst vor kurzem entstanden und das in der Mitte sogar als Letztes. Man merkt vielleicht, dass ich da ein wenig unsauberer gearbeitet habe und am Ende einfach fertig werden wollte. Aber so ist das eben bei umfangreicheren Projekten, da muss man ein wenig Qualitätsabstriche machen, sonst wird man damit nie fertig, und ich bin echt froh, dass ich es trotz der längeren Zeichenpause noch durchgezogen habe.

Es gab nämlich ungeahnte Widrigkeiten. Dass mir in den letzten Monaten die Zeit fehlte, wisst ihr ja schon, allerdings wurde auch mein Zimmer neu möbliert und das führte leider dazu, dass ich eine ganze Weile keinen Schreibtisch mehr zum Zeichnen hatte. Hinzu kommt, dass meine Katze ungemein interessiert an meinem Hobby ist und sich andauernd auf meine Blätter setzen muss, an meinen Stiften kaufen möchte und einmal sogar auf meinen Blätterstapel draufgekotzt hat. Iiih! Da durfte ich also nochmal von vorn anfangen und keine Sorge, die Blätter, die ihr hier seht, sind alle unbefleckt.

Ich finde jedenfalls, das unterste Panel ist mir von allen am besten gelungen und ich denke, niemand wird sich über Starlins Hände in dem Bild beschweren und auch nicht über die Hand des erschreckend muskulösen Mannes. Eher vielleicht über seine Schuhe. Aber hey, wenigstens hat er überhaupt welche! Ich bin sogar extra selbst eine Klippe runtergefallen um zu schauen, wie das aus der Egoperspektive auszusehen hat. Auch über die Felstextur an der Klippe bin ich ein wenig stolz, muss ich zugeben. Weniger sicher bin ich mir bei den Wolken, aber Hintergründe muss ich generell noch üben (wenn ich oben dieses Astloch sehe, muss ich übrigens die ganze Zeit dran denken, dass dort doch bestimmt eine Krog-Eichel drin ist!).

Wer sich Starlins Gesicht im ersten Bild genau anschaut, wird vielleicht bemerken, dass sich da seit dem letzen Mal ein wenig getan hat. Beim letzten Mal habe ich mich ja mit verschiedenen Augendesigns beschäftigt und wie ihr sehen könnt, habe ich mich nun für eines entschieden, das ich auch gerne für zukünftige Werke behalten möchte. Ich hab das Bild hier nochmal mit dem Kontrast so umgestellt, dass nichts von den Augen ablenkt und ich finde, sie kommen da nochmal viel besser zur Geltung.

Orientiert habe ich mich dabei an den Zeichenstilen, die mich am meisten beeindruckt haben, aber ich wollte auch nicht übertrieben viele Details, da ich nicht immer die Freiheit habe, die Augen riesig groß zu zeichnen und wie gesagt muss man sich bei längeren Projekten auch ein wenig um die Umsetzbarkeit Gedanken machen. Vor allem wollte ich aber ein Design, bei dem sowohl Dere-Blicke als auch Yan-Blicke gut rüberkommen und ich finde, mit den engeren Augen und der markanten Iris klappt das prima (auch, wenn ich noch kein Beispiel für Yan-Blicke vorweisen kann, aber ich arbeite momentan an einer Art Konzeptgrafik mit verschiedensten Gesichtsausdrücken).

Auch ziemlich markant ist der geschweifte Mund mit der kleinen Spitze nach unten. Ich bin da praktisch durch Zufall drauf gestoßen und finde, das passt sehr gut zu Starlin. Ich kann mir auch schon ein wenig vorstellen, was für Synchronstime zu ihr passen würde (auch wenn sie natürlich nie eine haben wird). Kommt ihr drauf, welche? Hier kann man auch schön sehen, dass der Mund für jede Art von Gesichtsausdruck einsetzbar ist. Wenn ich jetzt noch eine Baustelle benennen müsste, dann wäre es die Kopfform, mit der bin ich aktuell noch nicht vollends zufrieden. Das Komische ist, in der Grundzeichnung ohne die Farbtöne wirkt ihr Kopf noch viel schlanker:

Und ich weiß auch nicht so ganz, was überhaupt das Problem ist. Ich scheine etwas wirklich ganz fundamental falsch zu machen und das vermutlich bereits von der Vorzeichnung an. Ich beginne ja so, wie ich es in der Schule gelernt habe, nämlich mit einem Oval mit mehreren Kreisen darin, durch die man die Blickrichtung erkennen und den richtigen Ort für Augen, Mund und Nasenspitze bestimmen kann. Wenn ich mir aber viele Anime-Bilder anschaue, vor allem die, welche ich in dieser Hinsicht als besonders hübsch erachte, dann sind die meistens eher rund mit einem kleinen Haken nach unten für das Kinn. Damit ihr versteht, was ich meine, hier mal veranschaulicht an einer Kopfform, die ich als so ziemlich ideal erachte:

Versteht ihr? Es ist zumindest ziemlich schwer, darin irgendwie ein Oval zu erkennen. Was mir außerdem auffällt, ist dass die Haare in den meisten Bildern einen viel größeren Anteil des Kopfes ausmachen als es bei mir aktuell der Fall ist und dass die Augen eigentlich nur sehr selten in die oberen 50% des Kopfes hereinreichen. Das sieht aber, wenn man von einem Oval ausgeht, unfassbar dämlich aus. Auch das Problem mit der Position der Augen möchte ich mal kurz anhand von ein paar Bildern veranschaulichen:

Es ist schon irgendwie echt auffällig, wie konstant die Verhältnisse sind, aber ich habe es schon nachgerechnet und es sind alle weit davon entfernt, ein Goldener Schnitt zu sein (das Gesicht macht meistens so 40-45% des gesamten Kopfes aus und die Haare dementsprechend 55-60%). Dagegen ist es bei meiner Starlin praktisch genau umgekehrt und das Gesicht macht 60% des gesamten Kopfes aus.

Was mir außerdem gerade beim Erstellen dieser Bilder aufgefallen ist, ist dass man häufig, also eigentlich fast immer, auch einen Teil der Hinterseite des Kopfes von vorne sehen kann. Wie ihr sehen könnt, habe ich die oberste der drei Linien meistens nicht da positioniert, wo der Kopf aufhört, sondern da, wo (dreidimensional gesehen) aus meiner Sicht die oberste Stelle des Kopfes ist. Dahinter geht es aber noch weiter und das dürfte von der Perspektive her eigentlich nur so sein, wenn man den Kopf von leicht oben sieht. Das ist aber mindestens beim vierten Bild und aus meiner Sicht auch beim Zweiten und beim Fünften nicht der Fall.

Das ist eigentlich richtig interessant, die Bilder simulieren somit zusammen mit den tiefliegenden Augen immer einen Blick von unten. Ich nehme auch stark an, dass das gewollt ist, auch wenn es den Zeichnern sicher nicht mehr bewusst ist und sie einfach so zeichnen, wie sie es gewohnt sind. Aber ein Blick von unten lässt das Motiv kleiner aussehen und ist daher niedlich, wirkt schwach und unterwürfig und appelliert somit an den Beschützerinstinkt. Ist also kein Wunder, dass das Bild alleine dadurch attraktiver aussieht, ironischerweise kann ich diesen Trick aber auch nicht selten bei Bildern feststellen, die ganz deutlich eine Perspektive von unten haben müssten oder explizit Überlegenheit ausstrahlen sollen.

Das ist aber noch nicht alles, denn generell sind da meistens einfach mal viel mehr Haare, als da eigentlich anatomisch sein dürften, insbesondere eben, was die Hinterseite der Köpfe anbelangt. In diesem letzten Bild könnt ihr das gut sehen, wenn man von der Position des Halses und Ohrs ausgeht, dann geht der Kopf noch viel weiter nach hinten weiter, als er eigentlich sollte, und das ergibt dann diese kreisrunde Kopfform mit dem Kinn untendran. Ihr seht also: Nicht nur Yu-Gi-Oh-Charaktere haben verrückt übertriebene Frisuren. Trotzdem lässt dies das Bild in keinster Weise komisch aussehen, im Gegenteil, es wirkt schon eher falsch, wenn die Haare wie bei meiner Starlin so ziemlich da aufhören, wo auch der Kopf aufhört.

Die Frage ist jetzt: Wenn man dadurch dann Schwäche und Unterwürfigkeit ausstrahlt, sollte ich das dann wirklich für meine Starlin einfach übernehmen, auch wenn es dann dem Auge mehr schmeichelt? Das ist eine wirklich schwere Frage und ich denke, ich werde mir diese Frage auch noch die nächsten paar Zeichenprojekte stellen, bevor ich eine zufriedenstellende Antwort finde. Die Entscheidung werdet ihr dann irgendwann auf meinem Blog mitbekommen.

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