Fazit zu Sousei no Onmyouji

Ja, es ist unglaublich, aber die Serie, die einfach nicht enden wollte, endete doch. Über 50 Folgen ist die Serie gelaufen und überspannte damit vier Seasons – also ein ganzes Jahr an Laufzeit. Und ich habe es das ganze Jahr durchgehalten. Es war eine der drei Serien, die ich diese (eher letzte) Saison geschaut habe und wird die letzte davon sein, zu der ich etwas schreibe – die dritte ist nämlich Little Witch Academia und läuft noch. Mit Sousei no Onymouji habe ich nun aber einige Erfahrungen gemacht, die ich mit diesem Artikel niederschreiben möchte, damit sich niemand uninformiert in diese Serie stürzen muss.

Das gestaltet sich auch als nicht allzu schwierig, denn man kann die Serie relativ gut in drei bzw vier Teile teilen, die letzten beiden gehen aber so nahtlos ineinander über, dass ich sie als eins betrachte. Ich möchte diese Teile nach ein paar allgemeinen Dingen einzeln betrachten und wie ihr euch denken könnt, steigt der Spoilergehalt mit jedem Teil natürlich an. Das finde ich aber gar nicht so schlimm, denn bei dieser Serie wiegen Spoiler allgemein nicht allzu schwer. Gleich vorneweg kann ich sagen, dass ich Onmyouji insgesamt für eine maximal leicht überdurchschnittliche Serie halte, wenn ihr also nicht bereits Interesse an die Serie mitbringt oder allgemein Bock auf eine Serie wie Onmyouji habt, dann müsst ihr euch Onmyouji auch nicht unbedingt geben.

Nichtsdestotrotz ist Onmyouji aber eine Serie, wie man ihr nicht wie Anime-Sand am Manga-Meer begegnet. Und das hat zwei Gründe: Der erste davon ist, dass Onmyouji eine (Shounen-mäßige) Serie ist, die eine beträchtliche Laufzeit hatte, aber dann doch tatsächlich zu einem Ende gekommen ist – und damit meine ich ein richtiges Ende, kein „okay, der Arc ist zu Ende, aber freut euch auf weitere Abenteuer in einer potenziellen weiteren Saison!“-Ende. Und davon gibt es dann doch wenige – mir fällt ansonsten nur FMA als einziges Beispiel ein (auch wenn die Big Three auch irgendwann geendet haben, zähle ich die jetzt nicht, zumal sowieso jeder diese Serien längst schaut, der das möchte). Wenn ihr noch eine komplett abgeschlossene Serie wisst, die länger als 26 Folgen ist, teilt mir das mit.

Warum ist das aber überhaupt wichtig? Weil das so ziemlich die ideale Länge für eine Shounen-mäßige Serie ist. Eine Serie von dieser Länge kann bieten, wofür 1- oder 2-cours-Serien einfach nicht genug Zeit haben, wie mehrjährige Zeitsprünge oder realistische längerfristige Entwicklungen (tsuyoku naritai! und so). Auf der anderen Seite fehlt solch längeren Serien dann immer ein zufriedenstellender Abschluss oder es gibt unzählige nervende Fillervon beidem bleibt Onmyouji aber vollkommen verschont und ich meine, das ist doch schonmal was.

Die zweite Sache ist der Grund, wieso ich die Serie nur als Shounen-mäßig bezeichne. Und zwar besitzt die Serie mit Rokuro und Benio sowohl einen weiblichen als auch einen männlichen Hauptcharakter, die beide ungefähr gleichwertig sind, und auch wenn Kämpfe gegen Monster und Bösewichten definitiv auch zu den Hauptaspekten der Story zählen, so besitzt die Serie nebenher noch einen Romance-Plot, der mindestens genauso wichtig ist. Und diese beiden Punkte ergeben zusammen einen Mix, der richtig gut zusammenpasst, denn nicht nur dass die Beziehung der beiden über die Laufzeit der Serie genügend Zeit hat, sich zu entwickeln ohne erzwungen werden zu müssen, sie profitiert auch von dem richtigen Abschluss der Serie und das ist auf diesem Abschnitt des Anime-Sektors ja fast schon ein Alleinstellungsmerkmal.

Allgemein bin ich auch der Ansicht, dass die Serie sich mehr in den Romance-Parts auszeichnete, wenn auch die Serie in beiden Aspekten sowohl schlechtere als auch bessere Momente hatte. Allen voran ist die Serie nämlich rundum ziemlich schlecht animiert und das hat der Action schon etwas wehgetan. Im Ernst, es gab ein paar Kern-Momente, da hat man in der Serie mit „Whoa, Animationen!“ reagiert, nicht weil die Animationen besonders gut waren, sondern weil man überrascht war, dass es überhaupt mal Animationen gegeben hatte. Ich glaube die ersten zwei Folgen könnten mehr Animationen haben als die ganze restliche Serie zusammen und das war bis zum Schluss auch die beste Action, welche die Serie überhaupt geboten hat.

So viel erst mal zur Serie allgemein. Fange ich mal mit dem ersten Teil der Serie an, der bis Folge 20 anhält. Über diesen Teil habe ich bisher schon einiges erzählt: Während mich die ersten zwei Folgen noch mit ziemlich guter Action beeindruckten, ging der Serie danach schnell die Puste aus und blieb dann auf dem Niveau von Standbildern und Speedlines stecken. Auch inhaltlich empfand ich diesen Abschnitt als die schwächste Stelle des Anime, es ging damals praktisch immer nur um Monster of the weeks, die sich alle keinen Zentimeter bewegt haben; Kegare zu sein muss ein echt unangenehmes Leben sein, wenn die Dinger stets nur darauf zu warten scheinen, dass sie endlich jemand aufschlitzt und ihr Leid beendet. Der Rest der Zeit wurde aufgefüllt mit erzwungenen Romance-Einlagen, die zum Teil auf Harem-Niveau lagen und ergaben einen mehr als holprigen Start.

Mich wundert es also nicht, wenn die meisten die Serie schnell gedroppt haben, im Gegenteil, ich wundere mich eher über die Leute, die es weitergeschaut haben. Also Leute wie mich, haha. Das heißt aber auch, dass die Serie mit der Zeit nur besser wurde. Ab ungefähr dem Punkt, als die erste Saison endet, tauchte der erste richtige Gegner mit eigenen Fähigkeiten und einer Hintergrundstory auf, den sie auch nicht sofort besiegen konnten und danach gab es auch mal wieder bessere Kämpfe gegen Menschen, die in Kegare verwandelt wurden. Der Endkampf gegen den Verursacher dieser Verwandlungen umspannt die letzten vier Folgen dieses Abschnitts und machte schon einiges besser, wenn er auch noch nicht ganz perfekt war.

Danach überrascht die Serie aber ziemlich: Plötzlich gibt es nämlich einen Zeitsprung von zwei Jahren und die Protagonisten sehen jetzt nicht nur älter aus, sie verhalten sich auch erwachsener. Es beginnt der zweite Teil der Serie (Spoilergehalt nimmt jetzt zu), der bis ungefähr Folge 41 anhält. In diesem Abschnitt finden Rokuro und Benio ein kleines Mädchen in der Welt der Kegare, werden praktisch dessen Zieheltern und reisen durch ganz Japan, um stärker zu werden und überall in Japan auftauchende „Dragon Spots“, Portale aus denen ganz viele Kegare in unsere Welt kommen, zu schließen.

In beiden Aspekten hat sich die Serie im diesem Teil stark verbessert – so als hätte der Autor schlechte Reviews bekommen und sich die Kritik zum Herzen genommen. Einerseits gab es nämlich jetzt dauerhaft richtige Gegenspieler, die auch was konnten und andererseits hat man in diesem Teil auch den Zodiaks (die heißen eigentlich nicht so, aber ich nenne sie so weil das kurz ist und es genau zwölf sind) deutlich mehr Beachtung geschenkt, die auch allesamt ihre eigenen Fähigkeiten und Besonderheiten hatten. Im Prinzip lief es in der ersten Hälfte des Teils praktisch so ab, dass immer einige der Zodiaks gegen die neuen Gegenspieler (Basara) kämpften, weil diese noch zu stark für Rokuro und Benio waren, während diese sich dann darum kümmerten, das Portal zu schließen. Sobald sie das geschafft hatten, zog sich der Basara zurück und so bekam man einen kurzen Vorgeschmack auf die Fähigkeiten der neuen Gegner wie auch der Zodiaks, die beim Finale des Arcs dann eine Rolle spielten.

Auch der Romance-Part und damit die Interaktionen zwischen Rokuro und Benio wurden viel interessanter, was zum einen daran lag, dass sie sich nicht mehr wie pubertäre Teenager verhielten, sondern wie…Eltern. Nachdem sie sich am Ende von Teil 1 geeinigt hatten, dass sie sich nicht zu einer Beziehung zwingen lassen wollten, gab es keine blöden Harem-Momente mehr und die zwei hatten endlich die Gelegenheit, sich auf natürliche Weise näher zu kommen. Davon abgesehen war es unterhaltsam zuzusehen, wie sie mit ihrer plötzlichen Elternrolle umzugehen lernten (sie stellten sich dabei auch überhaupt nicht blöd an) und mir kam diese Idee auch als ziemlich neu und innovativ vor – ähnliches kennt man eigentlich nur aus Serien wie Barakamon oder Amaama to Inuzuma (Baphomet wird mich jetzt sicherlich zehnfach berichtigen).

Abschließend fand ich auch die Charaktere in diesem Teil ganz ansprechend. Angefangen bei Sae, die wirklich schon fast der Inbegriff von allem ist, was man an einem kleinen Kind mögen kann (mit allem anderen wären Rokuro und Benio auch sicherlich überfordert gewesen), über einen coolen bärtigen Typen mit Hammer, über Silent Robo Loli über Giant Drilltails Goth Mädchen bis hin zum stärksten der Zodiaks, der einfach lässig auf seinen Gegner zuläuft und dann Meliodas-like mit einem kaputten Stock noch einen halben Berg mit wegpustet, bot dieser Abschnitt so einiges. Krönender Abschluss dieses Build-Ups war eine Folge, in welcher der Anführer der Exorzisten in einem vergleichsweise coolen Kampf gegen Kuranashi (den Anführer der Basara) verlor.

Dann ging es in Richtung Finale des Kuranashi-Arcs (Spoilers intensify) mit der wie ich finde stärksten Szene der ganzen Serie: Sie erfahren die wahren Hintergründe ihrer liebgewonnenen Ziehtochter und dass sie sich von ihr trennen müssen, um die Dragon Spot-Portale endgültig schließen zu können, entwerfen dann einen Plan, um dies zu verhindern, nur um daran zu scheitern und es kommt zu einem wirklich dramatischen Abschied, den ich der Serie überhaupt nicht zugetraut hätte. Die Serie brachte nicht sehr häufig Drama, aber wenn sie es tat, war dies ziemlich gut.

Daraufhin offenbarte sich der wahre Plan Kuranashis, der doch ganz schön ausgeklügelt war und Kuranashi als ziemlich guten Gegenspieler festigte. Unsere Hauptcharaktere sind inzwischen auch stark genug geworden, um einen Basara zu besiegen und so nehmen sie an der Seite der Zodiaks am Endkampf teil, auch wenn das Spotlight nach wie vor auf den Zodiaks lag und diese den Hauptanteil der feindlichen Basara übernahmen. Ich mochte ganz besonders an diesem Arc, dass die Mains nicht einfach lächerliche Powerups aus dem Nichts bekamen, sondern bewusst schwächer als die Zodiaks blieben und die Serie auch damit umging.

Mit dem Arc-Finale verbaut sich die Serie dann aber vieles. Kuranashi gelingt es nämlich, seinen Plan erfolgreich umzusetzen, sämtliche Zodiaks zu besiegen und dann auch noch deren Kräfte zu absorbieren um zu einer Art unbesiegbaren Neger-Jesus zu werden. Und es sind nur noch Rokuro und Benio übrig, um ihn zu bekämpfen, die natürlich nicht den Hauch einer Chance haben, weshalb ein dummer Twist nach dem anderen nötig war, um die Situation zu entschärfen. Ich finde das wirklich Schade, weil dadurch viel des Build-Ups sich ins Nichts verläuft, der starke Meliodas-Typ hat zum Beispiel nie die Gelegenheit gehabt, mal seine Stärke richtig einzusetzen und so wurde viel Potenzial mit richtig coolen Charakteren verbaut.

Stattdessen bekamen wir den Yandere-Shota aus dem Finale des ersten Teils zurück. Damit ist aber das Problem keinesfalls gelöst, denn die Zodiaks sind nach wie vor tot, Yuto hat nun sämtliche Kraft von Kuranashi absorbiert und eigentlich war er auch vorher schon viel zu stark für Rokuro und Benio gewesen. Ach und dann hat er noch irgendwie noch mehr Power vom True Jesus God bekommen. Dies markiert den Anfang des letzten Abschnitts der Serie (Spoiler ho!) und erst mal wieder einen qualitativen Abschwung. Nicht nur, dass Yuto einfach der schlechtere Gegenspieler ist (auch wenn er sich macht), durch einen dämlichen Twist ist Rokuro dann doch irgendwie in der Lage, gegen ihn zu kämpfen und auch noch zu gewinnen. Obwohl er zwei Folgen vorher noch schwächer als einer der Zodiaks war. Ist klar.

Damit ist die Serie aber noch nicht zu Ende und zum Glück ist sie noch in der Lage, sich wieder ein wenig zu fangen, auch wenn sie für mich nicht ganz das Niveau des Kuranashi-Arcs zurückerlangt. Der wahre Final Boss der Serie ist nämlich der True Jesus God/ultimative Exorzist (Abe no Seimei), welcher sämtliches Böse auf der Welt samt negativer Emotionen wie Wut oder Eifersucht auslöschen möchte und wenn er schon dabei ist, 90% der menschlichen Bevölkerung gleich mit. Warum auch nicht, sind doch eh alles miese Schweine, weg damit.

Unnötig zu erwähnen, dass der True Jesus God noch mal eine Ecke overpowerter als ein Yandere-Shota ist und unsere heftig angeschlagenen Protagonisten im Kampf keine Chance gegen ihn hätten. Die Serie sieht das aber endlich ein und strukturiert das Finale nicht um einen epischen Endkampf (Erinnerung: Animationen hätte es ja sowieso nicht gegeben), sondern stellt viel mehr Rokuro und Benios Beziehung auf die Probe, und es ist dann auch nicht ihre offensive Kampfkraft, wegen der sie in der Lage sind, den True Jesus God aufzuhalten, sondern aufgrund der Stärke ihrer Beziehung. Ja ich weiß, das Ganze hat dann etwas von einem Power of FriendshipEnding, wobei es hier mehr eine Kraft der Liebe-Sache ist, aber ich fand diese Art von Ending hier einfach passend, weil sie eben im direkten Kampf sowieso keine (glaubhafte) Chance gehabt hätten und weil Romance schon von Anfang an ein wichtiger Aspekt in dieser Serie gewesen ist. So hat die Serie zwar bis zum Schluss keinen epischen Finalkampf bekommen, aber zumindest die Beziehung zwischen den beiden erhielt so ihren Höhepunkt und ihren Abschluss.

Wenn ihr meinen Ausführungen bis hierhin zugelesen habt, könnt ihr jetzt sicherlich meine anfänglich beschriebene Meinung zu der Serie nachvollziehen. Die Serie hatte einen miserablen Start (Folge 1-20), wurde dann mal ziemlich nett (Folge 21-41), stolperte dann kurz (42-46) und fing sich zum Schluss dann wieder etwas (47-50). Der Beste Teil davon war der Kuranashi-Arc, also Folgen 21-41. Zu jeder Zeit fand ich aber den Beziehungsaspekt besser umgesetzt. Aus dem Grund nenne ich es auch nur eine Shounen-„mäßige“ Serie und finde, man sollte sich die Serie lieber dafür ansehen.

Die Serie kann aus ihrem großen Folgenpotenzial schöpfen, bleibt dabei frei von Fillern und bietet einige überraschende Vorzüge, die man bisher noch kaum oder noch nicht allzu oft gesehen hat. Sie könnte auch von Interesse sein, wenn man schon alle wichtigen Shounen-Serien gesehen hat und sich nochmal etwas ähnliches in der Richtung wünscht, sollte dann aber nichts allzu Großartiges erwarten. Vor allem bietet sie eine anständige, wenn auch anfangs etwas holprige Lovestory und kann in seltenen Momenten auch ziemlich gutes Drama bieten. Die Charaktere fand ich zu großen Teilen interessant, wobei jedoch einiges an Potenzial ungenutzt blieb. Ich komme damit auf folgende Wertung, bei der ihr bitte beachtet, dass der Fokus der Serie stark auf Action/Nervenkitzel und Romance liegt.

Handlung: 3/5
Charaktere: 4/5
Action: 2/5
Comedy: 2/5
Drama: 4/5
Romance: 4/5
Nervenkitzel: 3/5
Animation: 1/5

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