Teil 2: Anime-Qualität, die Fortsetzung

Ich würde mit ihr zusammen ein Leben im Bunker verbringen.

Dieser Artikel ist ein Anschluss an meine letzte Mini-Diskussion. Allerdings geht es nicht um Regalia, sondern diesmal um die Qualität von Anime an sich. Den Anstoß dazu boten eine bestimmte Auswahl an Videos, die mir mehr oder weniger zufällig auf Youtube begegneten.

Zunächst ein kleines Recap: In dem Artikel ging es um eine Serie, die aufgrund von angeblicher Qualitätsmängel einfach nochmal von vorn begonnen hat. Dies fand ich erstaunlich, da mir diese Serie nicht wirklich qualitativ schlecht vorkam, insbesondere, da zu dem Zeitpunkt zwei andere Serien liefen, die sich in diesem Punkt viel schuldiger fühlen müssten.

Vor kurzem hatte ich dann ein Video in meinen Youtube-Empfehlungen, in dem es um „Wierd, Funny & Cool Japanese Commercials“ in Anime-Form ging. Ich schaute neugierig in das Video rein und mich packte das blanke Entsetzen. Nein, nicht weil das, was ich gesehen habe, so unglaublich schlecht war, im Gegenteil! Ich war entsetzt, weil es doch einfach nicht sein kann, dass irgendwelche dumme Werbung so gut sein kann! An dieser Stelle möchte ich euch mal kurz anhalten, einfach mal auf dieses Bild zu klicken und euch das Video anzusehen:

Starlins fake video player - awesome commercial version

Es beginnt leider nicht gerade mit dem besten, also spult ein wenig vor, wenn ihr nicht so viel Zeit habt. Der erste Gute beginnt hier, finde ich. Bei den Spots gibt es ein paar, die aussehen wie mit MMD gemacht, es gibt ein paar die ihr Produkt mithilfe einer bekannten Marke wie One Piece oder Dragonball bewerben wollen und es gibt ein paar, die einfach original Werbung im Anime-Stil sind und zu denen es also keinen „richtigen“ Anime gibt. Und das traurige ist daran, gerade diese sind so viel besser als alle anderen und wecken in einem ein „Ich will ein Anime davon!“-Gefühl.

Ganz besonders toll fand ich den hier, diesen Familienwerbespot, den Tunnel-Spot direkt danach (ich meine Scheiße, wie hochwertig sieht der denn aus!), dazu gehört dann auch dieser Bauarbeiter-Spot und der Disneyland-Spot sowie der von McDonalds am Ende sind auch herrlich. Also ihr merkt schon, ich hype das hart. Verdammt, gebt mir einen Bauarbeiter-Anime! Aber dann bitte auch in dieser Qualität mit so wundervollen Zeichnungen in voller Länge.

Und das ist es dann natürlich. Natürlich würde der Bauarbeiter-Anime in voller Länge nicht mehr so großartig aussehen können. Über dreißig Sekunden so eine Qualität aufrechterhalten ist machbar, aber dasselbe in zwölf oder mehr Folgen à dreiundzwanzig Minuten würde viel zu viel kosten. Es kann einfach nicht so hochwertige Anime geben! Jedenfalls nicht auf die herkömmliche Weise, in der Anime produziert werden. Ich möchte mal noch ein Beispiel geben, nämlich Porter Robinson & Madeons Shelter:

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Da ist jetzt kein Play-Button drin, aber ihr könnt auch auf das Bild klicken, um zu dem Video zu gelangen. Ich hatte Shelter zunächst ignoriert, dann aber doch angeschaut, als ich gemerkt habe, dass es nur 6 Minuten lang ist. Es ist eigentlich mehr sowas wie ein etwas längeres Musikvideo mit einer Story. Ich hab mir das seitdem bestimmt ein Dutzend mal angesehen und es bewegt mich immer noch. Shelter ist so gut, dass so ein Typ auf Youtube 40 Sekunden länger braucht als das eigentliche Video, um zu erzählen, wie gut es ist. Also hört mir besten gar nicht weiter zu und schaut es einfach an, das spart euch Zeit!

Was ich an Shelter (wie auch an den kleinen Werbespots) so großartig finde ist, dass es obwohl es nur so kurz ist, es trotzdem schafft, über diesen Zeitraum eine Geschichte zu erzählen, und es ist eben genau so lange, wie es dafür sein muss, und keine einzige Sekunde länger. Ich finde, das ist eine unheimlich wichtige Lektion. Man kann in Shelter zu jedem beliebigen Zeitpunkt das Video anhalten und sagen: Dieser Moment erfüllt eine Funktion. Alles ist mit einem Zweck gemacht worden und qualitativ hochwertig umgesetzt. Man sieht richtig, wie hinter jedem einzelnen Schnitt eine Menge Arbeit und Überlegungen stecken. Dadurch gibt es keine Sekunde in Shelter, die nicht unterhaltsam ist. 

Und das sollte man eigentlich verallgemeinern können. Egal in welchem Medium man sich bewegt, ob es nun ein Film ist, ein Bild, ein Spiel oder ein Buch, man muss zu jedem Zeitpunkt stehenbleiben können und sich die Frage stellen, warum dieser Moment jetzt da ist und warum er genau so sein muss, wie er ist und nicht anders. Und wenn das nicht geht, dann ist da etwas falsch. Ganz besonders wenn man selbst produktiv tätig ist, ist das eine wichtige Hilfe. Ist dieser Satz jetzt wirklich notwendig? Bringt er die Geschichte weiter? Ist er unterhaltsam? Und wenn nicht, was soll er dann überhaupt?

Dieses Bild ist mal wieder ohne Video-URL.

Ihr mögt jetzt denken, was macht es schon für einen Unterschied, ob ein Satz oder gar ein einziges Wort jetzt der Bringer war oder nicht. So konzentriert kann man bei umfangreichen Werken ja gar nicht arbeiten, sonst wird man doch gar nicht fertig. Aber so darf man nicht denken. Denn was man einmal macht, das macht man auch wieder, und ehe man sich versieht behandelt man sein ganzes Werk auf diese Weise. Was will man denn mit einem tausend-seitigen Epos, von dem gut dreihundert Seiten halbherzig geschrieben oder gar unnötig sind? Es ist besser, ein kurzes und dafür durch und durch hochwertiges Werk zu haben als ein Langes mit faden Stellen.

Nochmal zurück zu Shelter. Mit Schrecken musste ich feststellen, dass Shelter anscheinend von A-1 Pictures produziert worden ist, also von demselben Studio, die letzte Saison Qualitativen Kot gemacht oder bzw. eben nicht vollständig gemacht haben. Und das stimmt mich nun wirklich traurig. Das sagt mir, die haben eigentlich die Leute mit genügend Talent und Fähigkeiten, um sowas Großartiges zu produzieren, nur setzen sie die einfach nie ein bzw. machen sie sich nicht die Mühe oder es ist ihnen das Geld nicht wert oder irgendwas.

Shelter ist, wie gesagt, wahrscheinlich so entstanden, dass man sich immer überlegt hat, wie man die nächsten drei Sekunden so gestalten kann, dass man das Maximale dabei rausholt. Aber für gewöhnlich entstehen Anime nicht so. Gewöhnliche Anime haben ihre Laufzeiten und die Frage, nach der sie entstanden sind, dürfte eher so lauten: Okay, wie füllen wir die uns gegebenen dreiundzwanzig Minuten am besten? Und die werden eingehalten, ob das nun sinnvoll ist oder nicht. Genauso wie die Folgenzahlen. Außerdem entstehen Anime unter ständigem Zeitdruck, sodass sie eben nicht an einer Szene arbeiten können, bis diese auch wirklich perfekt ist, sondern nur so perfekt wie es innerhalb ihres Zeitlimits eben geht.

Und noch ein Shelter-Bild, weil ichs eben kann.

Manchmal strengen sie sich dabei eben an und versuchen es trotzdem noch so gut zu machen, wie es eben in diesem Rahmen möglich ist und das sind dann die etwas „besseren“ Serien, die wir dann schauen. Die sind aber dann auch nicht so gut, wie sie eigentlich sein könnten. Und ganz selten kommen sie auch aus ihrem Schema raus und schaffen dann sowas wie Re:Zero zu kreieren, das ja eine relativ variable Folgenlänge hatte. Die meisten Anime sind aber leider Massenware und werden nach Profit produziert – auch wenn das jetzt nichts wirklich Neues ist.

Wenn man dann aber sowas sieht, möchte man am liebsten gar keine Anime mehr sehen, sondern nur noch so kurze Videos und awesome Trailer anschauen. Keijo Folge 1 war zum Beispiel auch im Endeffekt schon viel weniger witzig, als der Trailer das vermuten ließe und das kennt man ja leider auch schon zur Genüge. Ein weiteres Positivbeispiel wäre RWBY, das jetzt vielleicht auch nicht das ideale Meisterwerk ist, aber dort sind die Folgen auch nur so lang wie sie eben sein müssen und bleiben dadurch auch konstant unterhaltsam.

Zum Glück gibt es aber noch Movies, die eine relativ freie Länge besitzen und mit denen ich in letzter Zeit eigentlich auch nur positive Erfahrungen gemacht habe. Ich habe vor, in nächster Zeit für solche noch ein paar Empfehlungen auszusprechen und hoffe ja, euch mit diesem Artikel vielleicht schon ein wenig überzeugt zu haben, denen dann eine Chance zu geben.

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2 Kommentare zu “Teil 2: Anime-Qualität, die Fortsetzung

  1. TheRealWinston sagt:

    Bei RWBY möchte ich noch ergänzen, dass im Laufe der Zeit die Qualität doch zunam. Außerdem, einem geschenkten Gaul…

  2. KlausKinski sagt:

    Was erhofft man sich, was sich ereignen möge außer man sich selbst…. geht ja nur um einen selbst. An sich sollte man halt immer das Positive in Leben betrachten, egal in welcher Situation man sich auch befindet.

    Der Part mit der Matrix am Schluss, passt übrigens genau auf das gegenwärtige System in dem wir leben.

    Wir leben in einer Welt, wo sogar Karpfen zum Presidenten gewählt werden.

    Ich kann daher nur sagen, dass du mit deinem Hobby, hundert Milliarden mal seriöser wirkst, als jeder andere Politiker auf diesem Planeten.

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