Mini-Diskussion: Regalia – the three sacred stars

Wenn doch der Anime selbst so cute wäre wie dieses Bild :c

Heute mal ein etwas spontaner Artikel zu einem kürzlich aufgeworfenen Thema. Manche werden sich noch an eine gewisse Serie erinnern, die ich im letzten Saisonartikel erwähnte. Wer nach meinem spannenden Review (ich bezeichnete die Serie ja immerhin gerademal zu 75% langweilig) aber diese Serie unbedingt schauen wollte, der wird sich gewundert haben, warum im ganzen Netz nur vier Folgen davon zu finden waren. Ein Blick auf die kommende Saison-Chart verrät den Grund und liefert einiges an Diskussionsstoff.

Die dort gefundene Antwort ist nämlich herrlich paradox: Anscheinend war das produzierende Studio selbst mit der Qualität ihres Produktes unzufrieden und entschieden daher kurzerhand, einfach nochmal ganz von vorn anzufangen. Das alleine schon halte ich für eine Wucht. Ich brauche ja sicher nicht zu sagen, dass etwas derartiges im Anime-Sektor eine Seltenheit ist. Mein Blog existiert seit fünf Jahren und das wäre hier das erste Mal, dass mir sowas untergekommen ist. Hier die Meldung wie ich sie auf der Anichart zur nächsten Saison gefunden (und bekritzelt) habe:

starchart-regalia-cutout

Wie ihr sehen könnt, wirft dies für mich einige Fragen auf. Ich habe ja letzte Saison drei der vier erschienenen Folgen angeschaut und ich habe Regalia zwar insgesamt negativ bewertet, allerdings nicht aus Gründen, die ich unter dem Stichwort „Quality“ verbuchen würde. Unter „Quality“ verstehe ich (wobei ich mich ein wenig auf Shirobako berufe) solche Sachen, die das Studio voll in der Hand hat, wie zum Beispiel die Qualität der Zeichnungen, Flüssigkeit der Animationen, etc. All das Technische.

Und genau in diesen Aspekten war Regalia eigentlich überhaupt nicht schlecht. Die Charakterdesigns waren mir schon im Vorfeld positiv aufgefallen und sahen auch im Anime nicht wirklich schlechter aus. Außerdem waren mir die richtig gut inszenierten (nur leider sehr seltenen) Kämpfe positiv aufgefallen, und sie sind bei den Mechas sogar gänzlich ohne CG ausgekommen, was ja immer so ein Anzeichen für ein hohes Budget ist. Die Serie hatte mich einfach nur deswegen gelangweilt, weil die Folgen zu großen Teilen aus langweiligem Gerede bestanden – was allerdings eine inhaltliche Frage ist. Um das zu beheben, müssten sie schon die gesamte Story umschreiben und dass sie das machen werden, glaube ich mal eher nicht.

Die Frage, die sich mir deshalb stellte: Warum ausgerechnet diese Serie? Wenn es um die Qualität geht, da wüsste ich ganz andere Vertreter, die so ein „Re-take“ nötig hätten. Alleine aus dieser Saison fallen mir zwei konkrete Beispiele ein: Sousei no Onmyouji und Qualidea Code. Bei den Zeichnungen in diesen beiden Serien wurde manchmal sehr geschlampt, dass sogar ich – als Zuschauer und Laie! – sichtbare Mängel feststellen kann. Für Sousei no Onmyouji hatte ich dafür sogar schonmal einige Beispiele hochgeladen. Vor Kurzem entdeckte ich sogar noch ein junges Beispiel:

beste-zeichenqualitaet

Bei Qualidea Code ist es sogar noch schlimmer, weswegen ich die Serie schon liebevoll „Qualitativer Kot“ nenne. Und da bleibt es auch nicht einfach nur bei der ein oder anderen putzig aussehenden Zeichnung, was sich deshalb schlechterdings auch nicht so leicht veranschaulichen lässt. Dort ist es nämlich so, dass scheinbar sogar sichtbar Szenen direkt fehlen.

Ihr müsst euch das so vorstellen: Kennt ihr das, wenn ein Spiel oder Video manchmal laggt, sodass das Bild immer wieder mal kurz stehenbleibt, während die Musik aber ganz normal weiterläuft? Genau so sah es in zwei Folgen dieses Anime aus – und ich habe geguckt, es lag nicht am Stream. Da passiert etwas, man sieht den einen Typen gucken, dann bleibt er plötzlich stehen, man hört irgendwas zerbrechen, aber anstatt zu sehen was, sieht man einfach noch 1-2 Sekunden lang den Kopf von diesem Typen wie er eingefroren dahängt und auch nicht darauf reagiert. Erst danach sieht man etwas kaputt am Boden liegen, aber keine Ahnung was das war, man hat es ja nicht gesehen, als es noch ganz war!

In der einen Folge ist das ungefähr drei mal passiert, zum Beispiel auch in Kämpfen. Ich schätze mal, dass sie einfach argen Zeitdruck hatten und es einfach nicht geschafft haben diese Szenen fertig zu zeichnen und deshalb…improvisiert haben. Ihr müsst euch das mal vor Augen führen, die Qualität war so offensichtlich schlecht, dass es nicht einfach nur lahm aussah (das kommt ja noch hinzu), sondern dass es einem regelrecht wichtige Szenen dadurch zerstört hat, dass man gar nicht versteht was überhaupt passiert, weil einfach Kernszenen fehlten – und sie machen einfach weiter, als wäre nichts gewesen!

Das ist DEFINTIV NICHT OKAY.

Und das krasse ist, das hier sind jetzt nicht mal die untersten Extreme, sondern in meinen Augen völlig typische Durchschnittsserien. Das hier ist normal. Und das beides sind noch zwei Serien, denen ich trotz derartiger Mängel noch wenigstens andere Qualitäten zusprechen konnte und deshalb weitergeschaut habe. Gerade Qualitativer Kot hatte zum Beispiel einige echt gute Twists und hätte mit dem Inhalt, den es bietet, bei einer anständigen Inszenierung sogar richtig gut werden können. Aber das Studio hat eben schlechte Arbeit (=Qualität) geleistet und es deshalb ordentlich verhauen.

Also ihr seht schon, üblicherweise scheint es mit dem Anspruch an Qualität unter Anime-Studios nicht sonderlich weit her zu sein. Auch die kommende Saison finde ich sagenhafte 71 Anime auf der Anichart und ihr könnt wetten, dass darunter wieder massig Anime sein werden, die Onmyouji und Qualitativer Kot noch unterbieten können. Alles deutet darauf hin, dass der Anime-Sektor größtenteils auf einer „Quantität statt Qualität“-Basis operiert.

Und zwischen diesen 71 Serien – oder eher davor – steht jetzt Regalia, ein Anime, der aus meiner Sicht qualitativ weit über den zwei von mir beschriebenen Anime lag. Und für diesen Anime hat das Studio das Tabu gebrochen und die Serie neugestartet, ein Tabu das immerhin so schwer wiegt, dass andere Studios lieber sichtbar miese Qualität oder sogar ein unfertiges Produkt abliefern – und das ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel! Ich sehe für diese Sachlage einige mögliche Erklärungen:

  • Das Studio hat wirklich ungewöhnlich hohe Qualitäts-Standards
  • Das Studio versteht etwas anderes unter „Qualität“ als ich
  • Die Qualität war gar nicht der wirkliche Grund, sondern nur ein Vorwand, den das Studio genannt hat, um ihr Gesicht zu wahren

Ein loli und ein Opa. Or so you might say.

Wer die letzte Möglichkeit am ehesten in Betracht zieht, der bedenke folgendes: Als ein Vorwand, um den Ruf des Studios zu schützen, eignet sich diese Erklärung nicht wirklich. Das Studio gibt ja im Prinzip damit zu, dass sie schlechte Arbeit geleistet haben und sehr viel Ruf wird damit eigentlich nicht geschützt. Bedenkt auch, dass es sich hier um ein Tabu handelt, das Anime-Studios reihenweise aufs Tunlichste zu vermeiden suchen. Wenn es sich wirklich um einen Vorwand handelt, dann muss der eigentliche Grund ja regelrecht ein Todesurteil bedeuten.

Sicher kann man dem Studio – übrigens ein mir nicht bekannter Name, vielleicht sogar ihr Debut? – für dieses Zugeständnis einige schlechte Dinge nachsagen und viele böse Witze darüber reißen. Aber ganz ehrlich, ich finde diese Entscheidung toll. Ernsthaft, wenn sich Studios wie Pierrot (Onmyouji) oder A-1 Pictures (Qualidea Code) ein Beispiel hieran nehmen würden, dann gäbe es viel weniger schlechte/mittelmäßige Anime und dafür mehr Ordentliche oder sogar Gute. Und wovon wollen wir natürlich mehr haben? Na klar!

Nehmen wir for argument’s sake noch einmal an, was passieren würde, wenn die erste oder gar die zweite Möglichkeit tatsächlich zutrifft. Sollte das Studio wirklich verdammt hohe Qualitätsstandards haben, dann können wir von dem Regalia-Retake ja einiges an Animationen, etc. erwarten – nur das ist aus meiner Sicht eine Reparatur an der falschen Stelle. Es könnte natürlich die Serie interessanter machen, wenn sie hübscher aussieht, aber das war im Vornherein eigentlich nicht das Problem mit dieser Serie.

Sieht schon eigentlich cool aus.

Sollte es die zweite Möglichkeit sein, kann das gute, aber auch schlechte Ergebnisse nach sich ziehen, je nachdem, was das Studio denn nun von „Qualität“ versteht und welche Mängel es versucht, auszubessern. Eventuell schreiben sie ja wirklich die Geschichte um oder nehmen sich einigen der Gründe an, welche die Serie eher langweilig werden ließ. Womöglich sehen sie das Problem aber auch an einer ganz anderen Stelle und stecken all ihre Mühen darin, die Mädchen cuter zu machen oder verschlimmbessern die Serie ja sogar.

Was die Antwort auch ist – wir sollten sie anhand der veränderten Version im Herbst ablesen können. Alleine um einen Vergleich zwischen den zwei Versionen anzustellen, weckt die Serie eigentlich schon ein wenig Interesse.  Es wäre halt interessant zu erfahren, was das Studio denn nun unter „Qualität“ versteht. Vielleicht schaue ich ja sogar in die ersten Folgen mal rein und mache dies selbst, auch wenn ich der Meinung bin, sowas funktioniert besser in solcher Form als YT-Splitscreen. Vielleicht macht das angeblich verbesserte Produkt ja sogar Spaß und lohnt sich zu schauen. Ich befürchte allerdings jedoch, dass die Änderungen marginal bleiben werden und man sie beim Schauen gar nicht mitbekommt.

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4 Kommentare zu “Mini-Diskussion: Regalia – the three sacred stars

  1. eff-fume sagt:

    Guter Artikel. Ich stimme zu dass diese Entscheidung sehr sonderbar ist, aber für andere Serien wahrscheinlich eher besser gewesen wäre.
    Ich muss dich auch leider ein wenig ausbessern. Onmyouji wurde von Pierrot produziert, nicht von J.C Staff.

    • StarlinM00N sagt:

      Komisch, ich dachte wirklich, es wäre J.C.Staff gewesen, aber es stimmt, es ist Pierrot. Ich bessere das im Artikel gleich mal aus, danke für den Hinweis.

  2. […] diese Serie habe ich in einem früheren Artikel schonmal ausführlich berichtet, weswegen ich mich hier kurz fasse. Qualidea Code (oder […]

  3. […] Artikel ist ein Anschluss an meine letzte Mini-Diskussion. Allerdings geht es nicht um Regalia, sondern diesmal um die Qualität von Anime an sich. Den […]

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