Kontroversen über Kontroversen in Fire Emblem

Starlins Fake Video Player- no petting allowed version

Empirische Untersuchungen haben gezeigt (natürlich total repräsentativ und aussagekräftig), dass es im Internet mehr Fire Emblem Fates geben sollte. Als insgeheime Herrscherin übers globale Netzwerk komme ich dieser Bitte natürlich gerne nach und hier ist er nun, mein erster FEif/Fates-Artikel. In diesem soll es erstmal darum gehen, wie viel über dieses Spiel diskutiert (bzw. eher sich beschwert wird) und wie haltbar diese Diskussionen überhaupt sind.

Die wohl größte Kontroverse um Fire Emblem Fates (ich nenne das nur noch Fates im Weiteren) ist die um die Zensur des sogenannten „Petting“-Minispiels in der westlichen Version. Und manchmal wird eine Kontroverse so groß, dass sie sich verselbstständigt. Nein, ernsthaft, als ich noch vor dem Release des Spiels mich ein wenig über diese Funktion informieren wollte und das Besagte auf Youtube suchte, bekam ich auf den ersten drei Seiten gerademal vier Videos, welche auch tatsächlich die Funktion zeigen und das versteckt zwischen 50 Videos, in denen sich Fans über die Zensur beschweren.

Ich will ehrlich sein, als ich das erste mal gehört habe, dass Nintendo mal wieder in der Lokalisierung einige Dinge rauslöscht, die sie vorher in Videos stolz vorgezeigt haben, war ich auch angepisst und dachte sogar ernsthaft nach, ob ich mir das Spiel dann überhaupt noch holen sollte. Man hat sich schließlich seitdem drauf gefreut. Es ist wohl normal, dass Leute sich darüber aufregen, und vielleicht darauf hoffen sie sind laut genug, dass Nintendo seine Entscheidung überdenkt. Kurz darauf erreichte mich dann eine Meldung, das Minispiel wäre jetzt doch vorhanden, nur halt eben beschränkt auf den Charakter, den man heiratet – ja was denn nun?

Ideale Ausrede, um Fire Emblem Waifus zu posten.

Meine Versuche, in Erfahrung zu bringen, was denn nun genau zensiert wurde und wie, stießen dann wie erwähnt auf Widerstand in Form von dutzenden arschverletzten Spielern. Und ich denke, genau das wird der Knackpunkt sein – die meisten Leute davon haben wahrscheinlich selbst ihrerseits nur die Rage-Videos von anderen Spielern gefunden, waren dann verärgert über das was sie da hörten und haben ihren eigenen Teil zum Geschrei beigetragen. Und letztlich weiß keiner von denen überhaupt so richtig, wie das, worüber sie sich beschweren, nun eigentlich aussieht.

Und da dachte ich jetzt, Scheiß drauf, so einen Mist mache ich nun nicht mit. Ich kaufe mir einfach das Spiel und sehe selbst, wie die Funktion geartet ist und ob es sich überhaupt lohnt, sich darüber zu beschweren. Deswegen gibt es jetzt von mir erst mal eine Reihe harter Fakten über diese Funktion, die im Spiel übrigens nicht mal „Petting“ heißt, sondern „Einladen“.

Also: zunächst einmal gehört dieses Feature einem größeren Funktions-Komplex an, in dem ihr euch euer persönliches Schloss bauen dürft. Dort könnt ihr die verschiedensten Häuser mit den unterschiedlichsten Zwecken bauen, ein paar davon sind pragmatisch wie ein Waffenladen, andere sind mehr zum Spaß da (wie zum Beispiel das Onsen, dessen einziger Sinn darin besteht, euren Charakteren beim Baden zuzugucken – hat Nintendo ohne Kürzungen übernommen). Eines dieser Gebäude ist euer Privatquartier, in dem ihr eure Frisur ändern oder eben eure rekrutierten Charaktere „Einladen“ dürft.

Starlins Fake Video Player - who wouldnt want to pet this guy-Version

Das „Einladen“ dürft ihr jeweils einmal pro (ingame) Tag machen, was so viel heißt wie einmal alle vier Schlachten oder tatsächlich nach 24 Stunden (oder nach zwölf Stunden und zwei Schlachten, die Tageszeit wechselt eben nach sechs Stunden oder einer Schlacht um einen Viertel-Tag). Und „Einladen“ dürft ihr immer nur eine Person, dafür aber wen ihr wollt, ganz gleich ob das jetzt euer Kindheitsfreund mit dem ihr bereits A-Support habt ist, der mega badass Kronprinz des Reiches, das eben gerade aufgegabelte Mädchen aus dem nächsten Dorf oder eure eigene Tochter. Bis hierhin unterscheiden sich die deutsche und japanische Fassung nicht.

Habt ihr einen Charakter ausgewählt, so folgt ausschließlich in der japanischen Version ein Minispiel, in dem ihr ähnlich wie in Pokemon den Charakter an der richtigen Stelle mit dem Stylus rubbelt, bis eine Leiste voll ist. Danach gibt der Charakter eine kurze Zeile zum besten, die am Anfang wo ihr noch keinen Support mit demjenigen habt sowas ist wie: „Also ich hätte viel lieber draußen trainiert als hier zu sein.“ In der deutschen Version wird das Minispiel einfach übersprungen und die kurze Zeile kommt sofort.

Was dann passiert, hängt davon ab, wie hoch euer Support Level mit diesem Charakter ist. Bis zum A-Support bringt euch das „Einladen“ ein paar Support-Punkte, ab A-Support passiert aber was Neues: Drei große Herzchen und fünf kleine werden dann auf dem oberen Bildschirm angezeigt. Einmal „Einladen“ füllt ein kleines Herzchen, sind die fünf Kleinen voll, füllt sich ein Großes und der Charakter sagt zur Abwechslung mal etwas Freundlicheres, zum Beispiel: „Ich bin froh, dass wir hin und wieder ein wenig Zeit miteinander verbringen können.“ Sind alle drei Herzen voll, dann passiert…………gar nichts! Huch?

Wie können Bilder zu diesem Spiel nur so badass aussehen?

Habt ihr einen S-Support, also wenn ihr geheiratet habt, dann gibt es neben Frisur wechseln und „Einladen“ im Quartier noch eine dritte Funktion, welche im Prinzip aber einfach nochmal dasselbe ist. Ich will anmerken, dass entgegen der Meldung auch hier das Rubbel-Minispiel fehlt. Für euren S-Support gibt es allerdings zehn kleine Herzchen und auf dem Weg werden immer mal wieder kleine Bonus-Szenen freigeschalten, in denen ihr auch in der deutschen Version mal Hand anlegen dürft, wie etwa euren schlafenden Lebensgefährten zu wecken. Die kleinen Sprüche danach sind bei diesem auch viel liebens- und lohnenswerter. Und gleich danach dürft ihr noch einen der anderen Charaktere „Einladen“ – während euer Waifu oder Husbando weiterhin anwesend ist, wohlgemerkt.

Die Videos, von denen ich einige hier verlinkt habe, sind letztlich nichts anderes als eine Compilation aller für diesen Charakter freischaltbarer Bonus-Zeilen. Die Zusatz-Events wie das Aufwecken gibt es extra noch und sind nicht in den Videos. Und nur damit ihr es richtig versteht, im Spiel hört ihr immer nur einen Satz auf einmal und müsst euch alle anderen erstmal hart erarbeiten, indem ihr erstmal euer Support Level mit dem Charakter erhöht und dann jeden ingame-Tag das „Einladen“ bis zu dreißig mal wiederholt (bzw. in der japanischen Fassung eben freirubbelt). Außerdem gibt’s die meisten Zeilen sowieso erst ab Support Level S, in den Videos ist das schon so ab dem vierten Satz (ungefähr ab 20-30 Sekunden).

Qualität, die bis in die Fanart reicht: So dieht ein durchschnittliches FEiF-Bild aus.

So viel einfach zu dem, wie es eigentlich aussieht, jetzt mal meine Meinung dazu. Zuallererst ist mir aufgefallen, wie selten dieses Feature doch zum Einsatz kommt, also wie unwichtig es doch für das eigentliche Spielerlebnis ist. Noch dazu bringt es gerade am Anfang noch so gut wie gar nichts, da ihr die wirklich sehenswerten Sprüche sowieso erst nach der Heirat sehen könnt – und das unabhängig ob ihr die japanische oder deutsche Version spielt. Und da ihr pro Spieldurchlauf auch nur einen Charakter heiraten könnt, seht ihr ja 90% dieses Features nicht einmal.

Es eignet sich am Anfang eigentlich nur dazu, euch die Auswahl an Charakteren anzusehen und euch bei der Entscheidung zu helfen, welchen davon ihr vielleicht später ehelichen wollt. Und diese Funktion erfüllt das Feature ziemlich gut! Und noch dazu bekommt ihr dafür gleich ein paar Support-Punkte, um diesem Ziel gleich näher zu kommen. Wirklich „Spaß“ macht das Feature allerdings in diesem frühen Stadium nicht, da die Charaktere euch zu Beginn eher anschnauzen, als euch irgendwas Süßes zuzuflüstern.

So richtig sinnvoll wird die Funktion erst, wenn man einen Charakter geheiratet hat und die kleinen Bonus-Events sehen darf. Und das habe ich in meinem ersten Spieldurchlauf wirklich sehr spät im Spiel gemacht, weil mir die Entscheidung extrem schwerfiel. Ab da macht man dann so Sachen wie den Charakter sanft aus dem Schlaf zu rütteln… oder wenn er gerade aus dem Bad kommt und ihr ihn durch pusten abkühlen sollt… oder wenn er zum Kuss die Lippen spitzt und ihr dann… ihr wisst gar nicht, wie sehr ich mich immer schäme, wenn ich sowas machen muss. Ich weiß echt nicht was peinlicher ist, dieses Feature, oder die Tatsache dass so viele Leute sich so laut über eine ziemlich unwichtige Anpassung beschweren.

Und so sieht ein überdurchschnittliches Fanbild aus.

Und um das nochmal richtig herauszustellen, das einzige, was in den westlichen Fassungen fehlt, ist das Minispiel, bei dem ihr den Charakteren im Gesicht rumfummelt. Und mal ehrlich, das finde ich schon ziemlich creepy. Ich meine, das klingt wie diese lustigen Fragen, die man immer auf solchen Lebensberatungsseiten findet. „Hilfe, mein Vater hat mich als Kind immer angefasst!“ oder „Mein Arbeitgeber ruft mich immer wieder zu sich und tätschelt mir dann das Gesicht. Werde ich sexuell belästigt?“ Ich meine kommt schon! Ich glaube, würde ich bei Nintendo arbeiten, hätte ich das auch zensieren wollen…

Also mal Klartext: Es handelt sich bei dem „Petting“ um ein ziemlich nebensächliches Feature, das erst richtig spät im Spiel wirklich zur Geltung kommt. Auf keinen Fall ist es bedeutend genug, um so einen gewaltigen Shitstorm loszutreten. Noch dazu kommt, dass die wichtigsten Elemente dieses Features auch in den westlichen Versionen unberührt sind – was man auch wissen könnte, wenn man sich auch nur ein wenig mit dem echtem Material beschäftigt hätte.

Zugegeben, die Zensur trägt dazu bei, das Feature gerade in seinem Anfangsstadium noch einen Tick sinnloser zu machen, als es ohnehin schon ist, allerdings ist die Funktion auch ehrlich fragwürdig und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich das Gegrapsche für die kurzen Bonus-Szenen 30(!) mal wiederholen wollen würde. Die Zensur ist definitiv kein Grund, um das Spiel zu boykottieren und ich sage sowas nicht oft, aber jeder der diesen Ragestorm mitgetragen hat ohne zu wissen worüber er da eigentlich wütet, sollte sich ob seiner mangelhaften Recherche ernsthaft schämen.

Undd as halte ich für ein herausragendes Bild.

So viel zu diesem Streitfall, der ja nicht mal die einzige kontroverse Sache ist, die Nintendo mit Fire Emblem Fates abgezogen hat. Und diese fand ich auch viel gravierender: Es geht um das Aufspalten des Spiels in zwei, bzw. eigentlich drei Titel. Für mich war klar, dass ich ja sowieso wenn überhaupt, dann alle Routen spielen wollen würde. Die „Entscheidung“ würde für mich also effektiv nur beeinflussen, was bei mir auf der Spielverpackung steht, und ich hätte dann schon gerne, dass auf der Spielverpackung auch das drauf ist, was ich drin haben will, nämlich beide Seiten.

Das heißt dann eigentlich käme für mich im Vornherein nur die Limited Edition in Frage, nur könnt ihr euch bei Nintendos Releasepolitik ja denken, die Dinger sind bereits zwei Stunden nach Ankündigung immer längst in allen Läden ausverkauft. Da ich eben vorerst noch ein wenig hin- und hergerissen ob des Kaufes dieses Spiels war, schlug ich eben nicht sofort zu und damit hatte ich dann effektiv keine Wahl mehr, als eine der Versionen zu kaufen die ich eigentlich gar nicht haben wollte (was mir den Kauf dann eben auch noch schwerer machte).

Die Spielverpackung war auch nicht das einzige Problem. Kauft man Vermächtnis oder Herrschaft, muss man sich die anderen beiden Pfade als DLC holen und dann eben auf dem 3DS-System selbst speichern (anstatt es wie in der LE alles bereits auf der Karte zu haben). Und ihr wisst, was Fire Emblem für ein riesiges Spiel ist, ich machte mir Sorgen, ob das überhaupt auf meiner Speicherkarte draufpasst. Mit ungefähr 1500 Blöcken war das letztlich weniger als gedacht, aber das kann man ja erstens vorher nicht wissen und zweitens finde ich es trotzdem unfair, dass ich 1500 Blöcke auf meinem 3DS aufgeben muss, um ein Spiel spielen zu dürfen was ich theoretisch auch so bekommen könnte!

Ryoma ist ein fucking badass.

Das muss man sich mal vorstellen. Diese Entscheidung (choice) zwischen den Routen war praktisch die Neuerung, mit der Nintendo für dieses Spiel geworben hat. Ich erinnere mich an die Präsentation auf der letzten E3 und seitdem an zahlreiche Interviews und Entwicklerstatements, in denen sie erzählten, wie man jetzt handlungsträchtige Entscheidungen in diesem Spiel machen kann. Ich dachte, damit hält jetzt sowas wie Visual Novel-Gameplay in die Serie Einzug, sodass man an mehreren Stellen die Handlung mit Entscheidungen beeinflussen kann, was ich echt megatoll gefunden hätte. Ich wurde beim Spielen aber leider enttäuscht, denn abgesehen von der Nohr/Hoshido-Wahl gibt es sowas in dem Spiel überhaupt nicht (und da man diese schon vor dem Kauf trifft, genau genommen sogar gar keine) – obwohl sich sowas an mehreren Stellen sogar angeboten hätte.

Und dann verhindert Nintendo mit seiner Releasepolitik an dieser einen Stelle auch noch, dass man wirklich die Entscheidung wählen darf, die man will, weil sie selbst nicht erkannt haben, dass sie nicht zwei, sondern drei Optionen bereitgestellt haben und dann die Dritte Option aber in Form einer limitierten Edition nach einem first come, first serve-Prinzip den meisten Spielen vorenthalten. Eine Route Choice funktioniert eben nur dann, wenn alle Routen mehr oder minder gleichberechtigt sind, was hier aber einfach nicht der Fall war.

Ich kann mir gar nicht vorstellen, was Nintendo zu so einem großen Fehler verleitet hat. Nach eigener Aussage wollten sie ja dafür sorgen, „dass man bereits vor dem Kauf im Laden seinen Spaß mit der Entscheidung hat“. Ähm, ja. Nicht nur, dass ich schon alleine die Idee lächerlich finde, ich meine kommt schon, nicht jeder Spieler verfolgt aktiv Nintendos Pressemitteilungen, und selbst wenn man das tut, so eine Entscheidung hat man gefälligst erst im Spiel zu tun, nachdem man sich von beiden Seiten erstmal einen Eindruck verschaffen konnte. Nein, selbst wenn wir annehmen, dass das wirklich Nintendos Ziel war, so haben sie dabei wirklich kläglich versagt, denn den Spaß an dieser Entscheidung hat Nintendos Releasepolitik ja schön versaut.

Xander ist nicht ganz so badass, aber immer noch großartig.

Nein, ich glaube – und das sind jetzt nur Vermutungen, also genießt sie mit Vorsicht – dieses Statement war nicht mehr als eine Ausrede zur Imagewahrung (und dann leider nicht mal eine gute). Ich kann mir gut vorstellen, dass es eigentlich so abgelaufen ist: Nintendo hat versucht, richtiges Visual Novel-Gameplay in das Spiel zu integrieren, hat dann die Idee mit der Entscheidung zwischen Nohr und Hoshido gehabt – und festgestellt: „Hui, das macht ja wirklich ganz schön viel Arbeit…es ist ja fast schon so, als würden wir genug Material für zwei Spiele entwickeln…..hey, warte mal, warum machen wir nicht wirklich zwei Spiele draus?“ Und daraus wurden dann Vermächtnis und Herrschaft.

Und im Endeffekt hatten sie wegen dieser einen Entscheidung schon genug zu tun, weshalb es eben dann, um nicht denselben Fehler mehrmals zu tun, bei dieser einen Entscheidung bleiben musste. Ich kann mir das nur so vorstellen, dass die Entwickler noch keine richtige Erfahrung mit Choice-Making gemacht haben (der Eindruck entsteht jedenfalls auch, wenn man sich die Entwicklerstatements ansieht) und ihnen deshalb nicht ganz klar war, dass jede Entscheidung den Entwicklungsaufwand glatt verdoppelt und sich dann mit einer Entscheidung, die praktisch den ganzen weiteren Spielverlauf auf den Kopf stellt, einen Bruch gehoben haben.

Ich finde das natürlich schade, wegen dem, was hätte sein können. Allerdings will ich bei all der Kritik auch mal nicht unterschlagen, dass das Spiel wirklich groß genug für zwei bzw. sogar drei Fire Emblems ist und ich rechne es ihnen hoch an, dass sie so eine kolossale, unökonomische choice bis zum Ende durchgezogen haben. Ich hätte an ihrer Stelle auch versucht, den Entwicklungsaufwand irgendwie wieder reinzubekommen, indem ich das als zwei Spiele verkaufe, und ich hätte auch sicher nicht versucht, das Debakel noch zu verschlimmern, indem ich den Aufwand mit zusätzlichen choices noch potenziere.

Finger Weg! Nyx ist _mein_ Waifu.

Also jetzt mal Klartext: Die Idee, die Entscheidung zwischen Nohr und Hoshido auf vor dem Kauf zu verlagern, war – nach meiner Ansicht – wahrscheinlich eine Notlösung, um die bei der Entwicklung entstandenen Unkosten wieder reinzubekommen. Das kann Nintendo natürlich so nicht sagen, wie sieht das denn aus. „Wir haben das Spiel aufgeteilt, damit wir doppelt so viel Geld damit machen können, das tut uns Leid, aber es war notwendig, und wir versprechen Ihnen, das Spiel ist es wert.“ Deswegen die seltsame Ausrede. Das ist natürlich nicht schön und dank der limitierten Edition sogar doppelt in die Hose gegangen.

Wenn wir aber davon mal absehen, also würden wir annehmen, man hätte das Spiel ganz normal veröffentlicht, dann wäre diese Entscheidung wirklich der Megahammer gewesen. Ich glaube, das ist die größte free choice, die überhaupt je umgesetzt wurde, und das verdient schon meinen Respekt. Auch reine VNs machen das selten in so großem Stil und das eben auch nicht ohne Grund. Und ich will jetzt hier nicht noch ein vollständiges Review des Spiels machen, aber nachdem ich mir jetzt für insgesamt 80€ alle drei Pfade gekauft habe, finde ich doch, dass das ein fairer Preis für das komplette Spiel ist und bereue meine Entscheidung letztlich nicht – auch wenn mich die Tatsachen, dass auf meiner Verpackung nur das halbe Spiel drauf ist und dass mir jetzt für immer 1500 Blöcke auf meinem 3DS fehlen werden ein wenig an der falschen Stelle rubbeln, wenn ihr meinen Drift fangen könnt.

Ich finde es so großartig, dass man so coole Charaktere wie den hier haben kann. Und dann mit dem schüchternsten Mädchen der Armee verheiratet.

Und wenn es in diesem Artikel schon um kontroverse Dinge geht, um Meldungen, die einen falschen Eindruck erwecken und Dinge, die es leider doch nicht ins Spiel geschafft haben wie gehofft, will ich noch kurz eine dritte und letzte Sache ansprechen. Unter den Meldungen war nämlich auch die Nachricht, dass in dem neuen Fire Emblem jetzt auch homosexuelle Ehen möglich wären.

Und wisst ihr, ich habe das missverstanden, aus gutem Grund. Es ist nämlich so, dass in Awakening, wo das Heiraten zwischen Charakteren ein zentrales Gameplay-Element darstellt, die gleichgeschlechtlichen Supports immer ein wenig zu kurz kommen. Man wusste ja: Zwischen denen kann man ja eh nur bis Level A kommen, und man will ja (insbesondere auf den schwereren Schwierigkeitsgraden) möglichst die maximalen Boni rausbekommen. Hinzu kommt, dass man sich mit S-Supports die Kinder als optionale Charaktere freischaltet, worauf man natürlich gezielt hinarbeitet.

Die Folge war, dass man Mädels immer nur mit Kerlen kombiniert und umgekehrt und untereinander kommen die Mädchen und Kerle maximal auf C, wenn sie halt mal zufällig nebeneinander standen. Als ich nun hörte, Fates hat gleichgeschlechtliche Ehe, dachte ich das heißt jetzt, sie kommen diesem Problem entgegen und es kann jetzt auch jeder Mann mit jedem anderen Mann Support-Level S erreichen. Das wäre halt einfach fürs Gameplay am praktischsten. Tja, ich habe mich getäuscht.

Die Fans hält das natürlich vom Gay shipping nicht ab.

Tatsächlich ist es so: es gibt in Fates zwei Charaktere, die jeweils bisexuelle Neigungen haben und die können dann eben in dessen Folge euren Avatar (und nur euren Avatar!) heiraten, auch wenn dieser dasselbe Geschlecht wie sie selbst hat. Im Spiel ist das deshalb ganz schön versteckt, denn da wird einem das gar nicht gesagt und das Mädchen war zum Beispiel eins der Kinder und damit optional – und außerdem exklusiv für die Hoshido-Seite, glaube ich, solange Nohr nicht eine eigene Lesbe hat, aber ich glaube eher Nohr hat dann den Kerl, sowas wäre mir in meinem Hoshido-Durchlauf jedenfalls nicht aufgefallen (wer dazu genaueres weiß, bitte Melden!).

Übrigens löst das Spiel das Support-Problem trotzdem, indem es einfach kaum gleichgeschlechtliche Supports mehr gibt. Jeder Kerl im Spiel kann zwar praktisch jedes Mädchen heiraten, hat aber nur einen Support mit einem anderen Kerl, wenn es dafür einen erkennbaren Grund gibt (z.B. wenn sie Geschwister sind). Aber wenn es sowas gibt, dann können diese zwei zwar nicht Level S, aber Level A+ erreichen, was so ziemlich dieselben Boni gibt, nur halt ohne Heirat und ohne Kind. Ist nicht ganz so elegant gelöst wie Homo-Ehe für alle, aber ich bin mit dieser Lösung zufrieden.

Was ich aber richtig fies fand ist, wenn man sich nun selbst für eine gleichgeschlechtliche Ehe entscheidet, dann wird man nämlich von dem Spiel dadurch bestraft, dass man kein Kind bekommt! Effektiv verliert man also eine rekrutierbare Einheit, wenn man sowas macht, und dann auch noch ausgerechnet eine mit der ziemlich starken Lord-Klasse, die sonst für euren Avatar exklusiv ist (ihr dürft euch das so vorstellen wie ein Awakening ohne Lucina). Ich meine klar, es ergibt keinen Sinn, dass man bei einer gleichgeschlechtlichen Ehe ein Kind bekommt, aber trotzdem! Wenn man so etwas als Option bekommt, dann sollte das auch mit den anderen Supports gleichberechtigt sein.

Was für kyute Augen die hat! *~*

Damit will ich jetzt meinen kontroversen Artikel über kontroverse Dinge in einem kontroversen Spiel abschließen. Insbesondere hoffe ich, mit diesem Artikel ein paar Missverständnisse und Vorbehalte über dieses Spiel aufgeklärt zu haben. Und wenn ihr euch jetzt fragt, was ich denn nun eigentlich von Fire Emblem Fates halte, dann müsst ihr euch noch bis zu meinem nächsten Artikel zu dem Spiel gedulden – sobald ich alle drei Routen durchgespielt habe, kommt mein Fire Emblem: Awakening vs. Fates-Artikel. Momentan befinde ich mich aber noch inmitten der Nohr-Route, also dauert das noch ein wenig.

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15 Kommentare zu “Kontroversen über Kontroversen in Fire Emblem

  1. SGT Weber sagt:

    interessanter artikel.

    Und zur Sache mit der Editions Wahl, die E shop variante hat (wie die Le vermutlich auch) einen Punkt im Game an denen man sich entscheiden muss, nur das man trotzdem nur eine Version spielen kann da man ab dem Punjt dann halt entweder vermächtis oder herschaft besitzt. diese wird erst dann festgelegt. vorher ist es einfach Fire Emblems Fate.

    • StarlinM00N sagt:

      Na wenigstens einen, dem es gefällt!

      Das mit dem Eshop hatte ich komplett vergessen, da das für mich einfach gar nicht in Frage kam (noch mehr Speicher auf dem 3DS belegt und überhaupt keine Verpackung). Vorteil ist aber eben, man entscheidet sich erst im Spiel.
      Ist aber nicht ganz dasselbe wie in der LE. Die Eshop-Variante lädt meinen Informationen nach zunächst nur die Kapitel bis zu der Entscheidung herunter, und nach der Entscheidung dann den Rest. Was dann heißt, dass man mittendrin ne Stunde warten darf und womöglich dann erst feststellt, dass man nicht genügend Speicherplatz hat. Hat auch so seine vor- und Nachteile, würde ich aber nicht empfehlen.

      Übrigens witzig, ich spiele ja gerade die Nohr-Route. Wenn ich im 3DS-Hauptmenü bin, steht da weiterhin „Fire Emblem Fates: Vermächtnis“. Sobald ich aber das Spiel starte, kommt jetzt das Nohr-Movie und auf dem Titelbildschirm steht „Fire Emblem Fates: Herrschaft“.

      • SGT Weber sagt:

        ist wirklich witzig, ist aber recht logisch zu erklären. der 3DS lädt im Home Menu nur von der Karte und da ist halt das Vermächtnis Kogo für Home Menü gespeichert, daten von der SD lädt das Spiel erst ab start. Und ich glaube gesehen zu haben das das Spiel einen von Anfang an die GESAMTE Daten menge anzeigt die das Spiel braucht damit sowas halt nicht passiert(wird aber vermutlich echt erst im nachinein komplett runtergeladen). und wenn ich mich nicht iree sind 3ds Cartriges eh auf 4gb beschränkt was ein ungefährer richtwert ist wie groß die Spiele maximal sind(ich glaub bisher gab es auch kein Spiel das die vollen 4gb ausgeschöpft hat) hab mich mit Fates aber eher weniger beschätigt da ich nur einmal kurz den Wii(?) Teil gespielt habe und es einfach nicht mein Gerne ist(was ist das Gerne überhaupt RBS RPG?)

        • TheRealWinston sagt:

          Das Genre von Fire Emblem wird allgemein als Strategie Rollenspiel bezeichnet.
          Eine Kreuzung zwischen Rollenspiel und Rundentaktik.

        • StarlinM00N sagt:

          Der Wii-Teil ist einer meiner Favoriten und ich hab glaube ich 500 Stunden damit zugebracht. Ich muss vielleicht mal einen Artikel über die Reihe allgemein schreiben.
          Winston hat das zwar schon beantwortet, aber der Begriff den ich kenne ist „Taktik RPG“, wobei das letztlich ein und dasselbe ist.

  2. TheRealWinston sagt:

    Also bezüglich, das man bei Fire Emblem bei Gleichgeschlechtlichen Supports man nur eine Stufe unterhalb des Maximalen Ranges erreichen kann, so muss ich dem Wiedersprüchen. In Path of Radiance und Radiant Dawn, konnten auch gleichgeschlechtliche Personen, einen maximalen Support Rang erreichen. Wobei, in diesen beiden Spielen der maximal-support sowieso nur Rang A beträgt und es auch keine „Kinder“ gab.
    Das aber Homo-pärchen im Spiel keine Kinder bekommen könnten, finde ich jetzt nicht wirklich schlimm. Ganz ehrlich, im Real-life geht das im Grunde genommen auch nicht und Erklärungen wie Magie und dergleichen wären dann doch weit hergeholt gewesen.
    Das man dann aber einen guten Char verpasst, ist aber schon ärgerlich. Vielleicht hätten sie das ausgleichen sollen, indem homo-pärchen einen besseren Support-Bonus erhalten. Macht zwar auch nicht unbedingt Sinn, aber besser als denen doch ein Kind zu geben.

    Wundert mich aber, warum du nicht die Kontroverse aufgegriffen hast, wegen der Szene, wo man die Lesbe quasi umpolt.

    • StarlinM00N sagt:

      Das Problem gibt es auch erst seit Awakening, wo das heiraten und Pärchen Bilden zu einem zentralen Gameplay-Aspekt wurde. Zu Zeiten von Radiant Dawn war das noch ein Mega-Geheimnis, dass manche Charaktere bestimmte andere heiraten konnten und dann ein alternatives Ende bekommen (Alja und Boyd zum Beispiel). In den älteren Spielen waren Supports noch gleichgestellt, das stimmt, aber da hatten Supports noch allgemein einen geringeren Stellenwert als in Awakening und Fates.
      Ich stelle das deswegen heraus, weil seit Awakening das Rekrutieren neuer Charaktere größtenteills auf die Supports beschränkt ist und weil die höheren Schwierigkeitsgrade so hardcore sind, dass ohne maximale Stats und Support Boni gar nicht daran zu denken ist, den Final Boss auf Lunatic zu besiegen.
      (Ich will aber erwähnen, dass ich im Gegensatz zu Awakening, Radiant Dawn noch nie ohne Verluste durchgespielt habe, genausowenig wie ich jemals das geheime Ende von Radiant Dawn gesehen habe.)

      „Das aber Homo-pärchen im Spiel keine Kinder bekommen könnten, finde ich jetzt nicht wirklich schlimm. Ganz ehrlich, im Real-life geht das im Grunde genommen auch nicht und Erklärungen wie Magie und dergleichen wären dann doch weit hergeholt gewesen.“
      Adoption wäre eine simple Lösung, hey ich fände es sogar extrem cool, wenn man dadurch dann ein ganz anderes Kind bekommen würde, auch wenn das dann wieder ungerecht wäre. Ich finde es halt einfach blöd, dass einem dann etwas entgeht.

      „Wundert mich aber, warum du nicht die Kontroverse aufgegriffen hast, wegen der Szene, wo man die Lesbe quasi umpolt.“
      Davon weiß ich tatsächlich noch gar nichts. Von welchem Charakter ist die Rede und was genau passiert da?

      Ich hoffe übrigens, dass ich in Offenbahrung Selena mit Subaki verheiraten darf und Selena dann ihre eigene Mutter zur Welt bringt. Das wäre toll.

      • Baphomehmet sagt:

        Um da gleich mal Spekulationen vorauszugreifen: die angebliche Kontroverse hat sich in Luft aufgelöst, als bekannt wurde, dass sich da jemand einfach verlesen und aus „gay conversation“ „gay conversion“ gemacht hatte.

      • TheRealWinston sagt:

        Nunja, das erste Spiel mit Kindern war Awakening nicht, gab es schon im vierten Teil.
        Adoption wäre aber sicherlich eine Lösung gewesen, dem Stimme ich zu.

        Und die Lesbe umpolen Szene. Naja, weiß zwar auch nicht mehr welcher Charakter das war, aber eigentlich war das sowieso keine Lesbe, sondern sie war nicht mutig genug gegenüber Männern, weswegen der Main ihr dann Zauberpulver auf sie streut, damit sie Mut fasst. Oder so ähnlich.

        • StarlinM00N sagt:

          „Nunja, das erste Spiel mit Kindern war Awakening nicht, gab es schon im vierten Teil.“
          Das wusste ich gar nicht. Ich kenne leider nur die neueren Teile (ab Sacred Stones/Path of Radiance).

          Und das Umpolen, naja, das klingt jetzt für mich nicht gerade sonderlich kontrovers. Also nicht wirklich wert, das in einem Artikel auszudiskutieren.

        • TheRealWinston sagt:

          Nur sollte man wissen, dass die „Kinder“ in FE4 anders funktionerten als in den neueren Teilen.
          Anstatt mit ihren Eltern mitzukämpfen war der vierte Teil quasi „zweigeteilt“, bei der man in der ersten hälfte mit den Eltern kämpfte, in der zweite mit den Kindern.

        • StarlinM00N sagt:

          Auch eine interessante Lösung, finde ich.

          Übrigens finde ich zum Thema Kinder-Eltern auch die Teile mit Roy und Eliwood interessant, das waren zwei Spiele, wobei man in dem einen die Eltern und in dem anderen deren Kinder gespielt hat. Was ich ganz interessant finde: Der Teil mit den Kindern erschien als erstes und man erlernte später sozusagen die Vorgeschichte.
          Die Reihe hat ja wirklich sehr viel mit dieser Thematik angefangen.

        • TheRealWinston sagt:

          Nunja, der Unterschied zwischen dem vierten Teil, Awakening, Fates und den Teilen mit Roy und Eliwood ist aber der, das man in letzteren beiden eigentlich kein richtiges „Eltern-Kind“-System hat.

  3. Auf deinen „Fire Emblem: Awakening vs. Fates-Artikel“ bin ich ja mal gespannt!

    • StarlinM00N sagt:

      Es geht in guten schritten darauf zu, habe vor Kurzem Conquest durchgespielt und arbeite mich aktuell durch Revelations, was dank des sanfteren Schwierigkeitsgrads etwas schneller gehen dürfte. Es dürfte aber trotzdem noch ein Weilchen dauern.

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