In den Tiefen des Flutwalds…

Wie ich das einzige passende Flutwald-Bild schon verwendet habe und jetzt das nehmen muss.

Der Regen tropfte von den Blätterdächern. Hier im Flutwald regnete es andauernd, und die Hitze machte die Luft unangenehm feucht. Die Pfade waren übersät mit Pfützen und Schlammlöchern, in die man bis zum Knie einsank, wenn man nicht aufpasste. In den übermannshohen Büschen lauerten gewaltige Insekten, die einen mit ihren langen Stacheln oder Kiefern aufzuspießen drohten. Für normale Menschen war allein die Fortbewegung in dieser Gegend eine Qual, aber für uns war es nicht mehr als Routine. Wir versteckten uns nicht vor den Monstern, die in diesem Gebiet lebten, im Gegenteil: Wir waren auf der Suche nach ihnen.

Wir waren zu viert. Wie jedes Mal, wenn man für die Gilde auf Jagd ging. Ich kann mich kaum noch an ihre Namen erinnern, ich weiß gar nicht, ob wir uns je vorgestellt hatten. Für einen Jäger unseres Ranges zählte nicht mehr als die Mission, alles andere war Kinderkram. Wir waren Profis. Jeder von uns musste bereits hunderte Monster erlegt haben, um diese Mission überhaupt annehmen zu können, und so fragte niemand nach Taktik oder Fähigkeiten. Perfekte Zusammenarbeit wurde einfach vorausgesetzt und alles was zählte, war die Mission so schnell und effizient abzuschließen, wie möglich.

Auf dem Weg zum Basislager sprach niemand ein Wort, warum auch. Ich weiß noch, dass ich eine Lanze trug, denn sowas hatte ich zu jener Zeit häufig getragen, bevor ich später auf die Armbrust umgestiegen war. Zu meinen Kollegen zählten ein langhaariger, junger Kerl, dessen Langschwert Feuer ausstieß, ein grobschlächtiger, muskulöser Mann mit einem gewaltigem Hammer und ein kleiner, unauffälliger Typ mit einem durchgehend ernsten Gesichtsausdruck, dessen Schwert Blitze ausstieß. Ich war die letzte, die die Kiste mit den Vorräten erreichte und nahm einfach alles, was noch darin war. Auch, wenn man sie für gewöhnlich nicht brauchte, so durfte man trotzdem nie seine Vorsicht verlieren.

Und dabei war es nicht mal das gefährlichste Monster, das in diesen Wäldern heimisch war, welches auf unserer Liste stand. Unser Ziel war ein Gobul. Fangen, lebendig. Wir wussten, wo sich diese Biester bevorzugt aufhielten und hatten sogar die Lieblingsnahrung des Biests dabei, um es hervorzulocken. Wir stellten dem Biest eine Falle, legten den Köder aus und verharrten ruhig im Gebüsch, bis das Biest hervorbrach.

Wenn man nicht ganz genau hinschaut, könnte man die Spitzhacke aus als Speer verwechseln. Die Rüstung habe ich aber sogar wirklich selbst getragen.

Die meiste Zeit über verlief alles reibungslos. Das Biest verfing sich in unseren Netzen und kam so schnell nicht wieder heraus. Ich zündete mit der Spitze meiner Waffe die Sprengfallen, die wir extra ausgelegt hatten, danach durchstieß ich die Laterne des Biests und rammte sie so in den Boden, dass das Vieh nicht mehr fortkam, ohne es sich abzureißen. Ich hatte während des Kampfes nicht die Gelegenheit nachzusehen, was die anderen taten, aber ich weiß noch, dass der Kräftige in diesem Moment an meiner Seite war und mit seinem Hammer die Laterne endgültig zerschmetterte.

Als es sich endgültig aus den Netzen befreit hatte, schien das Biest in Panik wild herumzufuchteln. Der Gobul ist in erster Linie ein Wasserlebewesen und an Land bewegt es sich äußerst ungeschickt. Es blähte sich auf, fuhr dabei Stacheln auf seinem Rücken aus und versuchte, zurück ins Wasser zu kommen. An der Art, wie es sich fortbewegte, merkten wir, dass es soweit war. Ein kurzes Zeichen erfolgte und der jüngere gab dem Biest einen Schock, der es unbeweglich werden ließ. Danach musste ihn nur noch jemand mit den Beruhigungsbomben einschlafen lassen.

…doch der Gobul entkam.

Auch das ist selbst unter erfahrenen Jägern keine Seltenheit. Es kann immer wieder vorkommen, dass sich ein Biest schneller befreit als angenommen, dass es den Schock umgehen kann oder dass man gerade mit anderen Gewalten beschäftigt ist, dass man die Bomben nicht rechtzeitig zur Hand hat. Ich warf einen kurzen Blick auf den jüngeren, der nur leicht belustigt dreinblickte und mit den Schultern zuckte. Der Kleine schaute immer noch so ernst wie vorher, aber ich konnte dem Hammerkämpfer schon ansehen, wie ihm die Zornesröte ins Gesicht stieg. Für mehr bleib uns allerdings keine Zeit, schließlich mussten wir dem Gobul hinterher. Mir war das Ganze eigentlich ziemlich gleich, der einzige wirkliche Schaden daran war, dass wir uns nun mehr als nur die Füße nassmachen mussten.

Also folgten wir dem Monster ins Wasser. In diesem dickflüssigen, von Dreck getrübten Wasser war es so schon schwer, etwas zu erkennen und der Gobul war ein Meister der Tarnung. Wahrscheinlich hatte er sich irgendwo in den Schlamm eingegraben und wartete auf einen passenden Moment, um sein gewaltiges Maul aufzureißen und die Strömung zu verwenden, um uns einzusaugen. Hier war ich mit meinem großen Schild klar im Vorteil, war er doch zu groß, um in einem Stück gefressen zu werden…außerdem eignete er sich wunderbar als Paddel. Der Starke hatte allerdings trotz seiner Kraft ziemliche Mühe, sich oben zu halten.

Die Situation hatte etwas ironisches. Eben noch waren wir es gewesen, die Fallen gelegt und uns getarnt hatten, nun befanden wir uns im Element des Monsters und mussten auf der Hut sein. Ich nahm eine Bewegung aus dem Augenwinkel wahr, doch als ich mich umdrehte, sah ich nur einen Fischschwarm. Doch dann schreckte mich ein Geräusch auf, der Gobul kam von der anderen Seite auf mich zu und riss sein Maul so weit auf, wie er konnte. Ich hatte nicht die Zeit, meinen Schild herumzudrehen, das Wasser bremste zu sehr meine Bewegungen. Ich hielt den Speer vor mir, zielte auf seinen Rachen und rammte ihn dem Vieh in den Hals. Er schreckte zurück und der Hammer krachte von oben auf ihn hernieder, er schein einen Antrieb zu haben, um sich im Wasser schneller schwingen zu lassen. Der Jüngere legte eine weitere Schockfalle, diesmal waren wir alle bereit und es konnte nichts schiefgehen.

Aber nichts passierte.

This pic is TOTALLY not fitting the atmosphere here...

Der Gobul überwand in aller Ruhe seinen Schock und grub sich in den Boden, wo er verschwand. Beim zweiten Mal war es kein Zufall mehr, so hatte es keinen Sinn, ihn zu verfolgen. Wir tauchten an die Oberfläche, um Absprache zu halten, doch der Kräftige platzte bereits los. Ich möchte nicht genau wiedergeben, was er genau von sich gab, aber es war wohl noch untertrieben, zu sagen, dass er außer sich war. Nachdem er sich etwas beruhigt hatte, kam die Frage auf, wer die Beruhigungsbomben hatte. Bei jeder Aufgabe befanden sich davon ausreichend in der Objektbox.

„Als ich bei der Box war, waren sie schon weg“, erklärte ich. Der Große hatte sie offensichtlich auch nicht.
„Ich weiß, wer zuerst an der Objektbox war“, behauptete der Junge, und natürlich machte es Sinn. Der Kleinere mit der leichten Ausrüstung würde sich am schnellsten Fortbewegen können. Wir schauten alle drei zu ihm rüber.
„Ich…nicht gut…Sprache…“, brachte er nur heraus. Auf einmal wirkte sein Blick gänzlich anders.

Natürlich hatten wir keine Beruhigungsbomben außer diese mitgenommen. Ich sagte es anfangs schon, wir waren Profis, und Profis benötigen in der Regel nicht mehr als das nötigste. Dieser Hochmut sollte uns nun zum Verhängnis werden. Wir stellten fest, dass der Kleine gar kein echter Jäger war, sondern seinen Jägerpass und die Waffe von seinem Bruder geklaut hatte und bisher noch nie eine Fangquest durchgeführt hatte. Unwissend, was die Gegenstände bedeuteten, griff er einfach alles aus der Objektbox was nützlich erschien und hielt sich so gut es ging im Hintergrund. Es war erstaunlich, dass er bisher unter solchen Bedingungen überlebt hat.

Wir gingen an Land und versuchten ihm klar zu machen, dass er uns besser die Beruhigungsbomben überlassen sollte, aber er schien nicht zu verstehen. Mit „wir“ meine ich hierbei nur mich und den Langhaarigen, der Hammerträger stand währenddessen abseits und kam einfach nicht darüber hinweg, was wir doch für jämmerliche Amateure waren. Und je öfters der eine dem Möchtegern-Jäger zuredete, dass er ihn die Bomben übergeben sollte, umso mehr schien der Kleine zu verzweifeln. Dann passierte etwas, was wohl keiner von uns – wahrscheinlich nicht mal er selbst – vorhergesehen hätte.

Anstatt ihm die Beruhigungsbomben ganz ruhig in die Hand zu geben…warf er sie ihm direkt ins Gesicht. Ich kann nur raten, wie sich das angefühlt haben muss, aber diese Bomben sind darauf ausgelegt, Monster zu betäuben und dürften dementsprechend stark dosiert sein. Als der Kleine ihn damit traf, ist er vor Scham gleich davongelaufen und auf dem Weg noch gestolpert. Der Muskulöse fing in dem Moment so heftig an zu schreien, dass ich mir sicher bin, dass er damit sogar einige Areale weiter den Gobul, der in seiner Höhle schlafend seine Verletzungen auskurieren versuchte, geweckt haben muss.  Auch er hatte die Quest aufgegeben und stapfte so wutentbrannt davon, dass wir seine Beleidigungen noch auf große Entfernung hören konnten.

Und der Jüngere, er…lachte. Von dem Schlag der Beruhigungsbombe nicht mehr auf den Beinen, begann er einfach zu lachen. Ich konnte nicht anders, als an der Situation selbst etwas Komisches zu finden und lachte bald mit ihm. Für einen langen Zeitraum saßen wir einfach nur da und machten uns zu zweit darüber lustig, was uns hier widerfahren ist. Als wir uns beruhigt hatten, meinte er: „Wir könnten auf den Nachschub warten und es zu Ende bringen.“ Aber ich schüttelte den Kopf. Inzwischen mag sich der Gobul schon wieder weitestgehend auskuriert haben, außerdem würden wir ihn zu Zweit kaum fortschaffen können, selbst wenn wir erfolgreich waren. Und so kehrten auch wir gemeinsam in die Stadt zurück.

Die Aufgabe hatten wir zwar nicht erledigt, aber dafür hatten wir etwas weitaus wertvolleres gefunden.

Advertisements

8 Kommentare zu “In den Tiefen des Flutwalds…

  1. SGT Weber sagt:

    aus solchen Situationen entstehen immer die besten Jäger Freundschaften.

    So wie diese Jägerin die es, irgendwie, geschafft hatte mit ner Barioth(nicht S oder so) in den G Rank zu kommen und auch noch den Kampf gegen Ala überlebte. Wir nanten sie scherzhaft Kiste da sie uns bei Ala mit ihren tränken den Hintern rettet. Es war immer Lustig wenn 3 gestandene End G Jäger mit ner Zinogre X; ner Aknaktor x und ner Narga x rüstung bei nem G Zin starben und die Kiste alles überstanden hat. Jetzt hat auch sie ne gute Rüstung. Hat mich überholt(ok MH4U Ist schuld) kamm in den End G Rank und beherscht das Jagdhorn perfekt.

    • StarlinM00N sagt:

      Jagdhornspieler würde ich mir mal in MH4U wünschen…leider sehe ich da fast nur Stäbe oder Äxte.

      Barioth Armor halte ich übrigens in 3rd Gen für die beste überhaupt und auch heute noch ist Ausweichen+ & Ausweichdistanz hoch meine liebste Skill-kombo und rettet mir auch wirklich noch regelmäßig gegen Viecher wie Dämonjho den Jägerhintern. Habe auch in 3U den Großteil des Spiels mit Barioth (X) Armor bestritten und damit auch den Endboss in Angriff genommen. Eure Kiste beweist also schonmal guten Geschmack.

      In MH4U ist Barioth zwar Seregios gewichen, die wurde aber prompt mit Ausweichen+2 geslottet.

      • SGT Weber sagt:

        Ich fühle mich dabei auch Schuldig. ich nutze auch fast nur die MA da die mir irgenwie am stärksten vorkommt*hus hust* Apex Seregios ohne sterben First Try*Hust Hust* es könnte aber auch an dem Schleim Element darauf liegen*unschuldig umhergucken* naja gerade versuch ich mich an das (verdammt coole) neue Move set der DK und des SnS zu gewöhnen. Jagdhorn konnte ich nie. Ich kann mir einfach die Lieder nicht merken

  2. SGT Weber sagt:

    meinte Energieklinge nicht Morphaxe

  3. SGT Weber sagt:

    kommt es nur mir so vor oder ist MH4U sucht erregender als 3? zum vergleich in MH3U habe ich nach knapp 1,6 Jahren 150-180 Stunden Speilzeit. MH4U hab ich seti April und habe 120 Stunden davon allein 60 letzte Woch

    • StarlinM00N sagt:

      Ich habs seit Erscheinungstermin und fasse inzwischen fast 700 Stunden. Das ist beinahe meine gesamte 3U Spielzeit. Von daher liegt bei mir sogar fast dieselbe Relation vor.
      Ich plane aber darüber ausführlicher in einem der kommenden Artikel zu berichten.

      Übrigens: Ich bin mir bei Schleim nicht vollends sicher, aber mWn. wirken Element- und Statusschäden nicht auf Apex-Monster.

      • SGT Weber sagt:

        Also ich weiß das Element und Anormale Angriffe(also Schlaf etc) keinen Effekt auf Apex Monster haben. Aber Schleim war ja auch in 3U etwas Besonders da es ja kein normaler Anormaler Angriff ist und es keine Monster mit Resistenz gab. Und wenn Schleim nicht Brokt(ist das das richtige Wort?) Kahmen verdammt oft ohne Grund Explosionen.

        Damit ist es bewiesen MH4U sollte als Suchterzeugendes Mittel unter das BTMG fallen und verboten werden(oder besser nicht die Entzugserscheinungen will niemand in meiner Familie sehen) Ich hab mich sogar letztens vor nen Clan treffen bei nem Game Gedrückt mit der Begründung. Ich bin Krank ich hab das Monster Hunter Fieber.
        Und es geht sogar soweit das ich mir letztens ein Gedicht über den Azurnen Rathalos und den Kampf gegen ihn ausgedacht habe. Ich sollte wirklich mal ne Pause einlegen

  4. SGT Weber sagt:

    ich hasse G+ Langsam mal geht es mal nicht

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s