Der unsichtbare Mörder der Kriminalromane

Danbooru hat auch einen "murder"-Tag. Sasuga~

In diesem heute etwas kürzerem Abschnitt des Author’s Anniversary geht es weniger darum, wer das Opfer wirklich ermordet hat, sondern eher wie. Und selbst das vermutlich nicht auf die Art und Weise, wie ihr es euch gerade vorstellt. Es handelt sich dabei um ein gutes Beispiel für unnatürliche Elemente, wer sich das also im letzten Artikel nicht so ganz vorstellen konnte, dem sollte es nach diesem Artikel um einiges leichter fallen.

Der Spannung zuliebe sollte ich wahrscheinlich erst ganz zum Schluss aufklären, wer mit dem „unsichtbaren Mörder“ gemeint ist. Leider lässt sich diese Erscheinung ziemlich schwer erklären, ohne mit dieser Information rauszurücken. Aber genau darum geht es in diesem Artikel auch. Es ist ein zentrales Element vieler Kriminalromane, dass man als Leser über die Identität des Täters und dem Tathergang miträtseln kann. Es ist daher von Bedeutung, dass die Lösung dieses Rätsels nicht von Anfang an offensichtlich ist, sonst bliebe es ja nicht spannend.

Der Hauptteil eines solchen Romanes thematisiert in der Regel jedoch eine Ermittlung. Die Geschichte in sich versucht von Anfang an, der Lösung des Rätsels auf die Schliche zu kommen, aber der Autor will das überhaupt nicht haben. Nun stellt euch vor, bereits kurz nach dem Mord beginnen die Charaktere sich gegenseitig zu verdächtigen und Theorien aufzustellen. Ihr könnt mit Sicherheit sagen, dass keine dieser Theorien „die Wahre“ sein wird – oder sie wird tatsächlich angesprochen, jedoch scheinbar widerlegt. Zumindest, wenn der Autor von dem, was er tut, auch Ahnung hat.

Natürlich kann man das auch zu weit treiben. Es gibt diverse Detektivgeschichten, die einem das Wichtigste bis ganz zum Schluss vorenthalten, man also gar nicht auf die Lösung des Rätsels kommen kann, um beim Leser (oder Zuschauer) dann einen „Whoa, ist der Inspektor schlau!“-Effekt zu erzeugen. Sonderlich niveauvoll ist das nicht und kann auch ziemlich enttäuschend sein, wenn man sich beim Nachdenken Mühe gegeben hat. Oder man hört gleich auf zu lesen, wenn man schon vorher merkt, dass man hier an der kurzen Leine geführt wird.

Für den Autor ist das eine ziemlich komplizierte Aufgabe. Er weiß schließlich von Beginn an, wer es war, und muss genug Hinweise geben, damit der Leser was zum Rätseln hat, aber eben nicht genug, dass er es löst (meine Stammleser sollten jetzt eigentlich ein Déjà-vu bekommen, ist jemand so nett und nennt mir den Begriff, um mir zu zeigen, dass man mich verstanden hat?). Eigentlich müsste man Kriminalromane rückwärts schreiben, denn erst am Ende sind Leser und Autor wirklich gleich schlau. So abwegig ist das gar nicht.

Aber bleiben wir mal beim Leser, für den eröffnen sich durch diese Sichtweise nämlich gleich neue Möglichkeiten. Ihr könnt jetzt einfach nur die Puzzleteile nehmen, die der Autor euch vorwirft und versuchen, sie zu einem wahrscheinlich unvollständigen Bild zusammenzusetzen. Oder ihr fragt euch gleich, was der Autor mit diesen Hinweisen bezwecken will und wo er den Rest versteckt hat. Denn ein fiktiver Mordfall hat immer zwei Täter: Den Mörder der Geschichte selbst und die Person, die sie geschrieben hat. und wenn ihr erst mal dem Autor, dem unsichtbaren Mörder, auf die Schliche gekommen seid, dann ist sein Komplize niemals weit entfernt. 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s